Kansas City verteidigt den Titel

Die Entscheidung - Mecole Hardman fängt den siegbringenden Touchdown im Super Bowl LVIII Die Kansas City Chiefs haben es geschafft: Als erstes Team seit der Saison 2004 verteidigten sie die Meisterschaft der NFL durch den zweiten Super-Bowl-Sieg in Folge. In Las Vegas besiegten sie in Super Bowl LVIII die San Francisco 49ers mit 25:22 nach Verlängerung. Vor vier Jahren hatten die Chiefs nach einem halben Jahrhundert Pause gegen den gleichen Gegner ihren zweiten Super Bowl gewonnen, letztes Jahr gegen die Philadelphia Eagles. Drei Super-Bowl-Titel binnen fünf Saisons hatten bisher nur die Dallas Cowboys in den 90er Jahren und in diesem Jahrtausend zweimal die New England Patriots geschafft.

Die Vince Lombardi Trophy stemmte am Abend in Las Vegas unter anderem also wieder einmal Patrick Mahomes in die Höhe. Der Quarterback der Chiefs wurde wie im Vorjahr zum Most Valuable Player der Partie gewählt. Zum ersten Mal seit 44 Jahren gelang es einem Spieler damit, zweimal in Folge so ausgezeichnet zu werden. Bisher war dies nur Bart Starr von den Packers in den ersten beiden Super Bowls und nach den Spielzeiten 1978 und 1979 Terry Bradshaw als Quarterback der Steelers vergönnt gewesen. In diesem Punkt hat Mahomes nun also schon einmal den "Greatest of All Time", den G.O.A.T. Tom Brady, dem er im Super Bowl vor drei Jahren unterlegen und somit beim ersten Anlauf auf eine Titelverteidigung gescheitert war, überholt.

Patrick Mahomes holte seinen dritten Super-Bowl-Ring mit 28 Jahren, Tom Brady war vor 19 Jahren zwar erst 27. Dennoch scheint Mahomes in der Lage, die Rekordjagd auf Brady (sieben Super-Bowl-Siege), die ihm seit Beginn der NFL-Karriere zugetraut wurde, tatsächlich aufnehmen zu können. Brady musste damals zehn Jahre auf seinen vierten Titel warten, ehe er ab der Saison 2014 im Zwei-Jahres-Takt den bisher eher unerreichbar erscheinenden Rekord auf sieben Super-Bowl-Ringe schraubte (und sich zwischendurch auch nicht vom 40. Geburtstag stoppen ließ).

Dreimal in Folge hat noch nie ein Team den Super Bowl gewonnen und auch nicht viermal binnen sechs Jahren. Am Abend des Triumphes neigt man natürlich dazu, die Erkenntnisse der gerade abgelaufenen Saison fortzuschreiben. In Kansas City wird zum einen nicht nur alles von Mahomes abhängen, sondern vieles eben auch von Head Coach Andy Reid. Für den kommen die Triumphe nun auch eher im späteren Alter - im März wird er 66. Zugetraut worden waren NFL-Titel ihm auch in jenen Lebensjahren, in denen der nun unterlegene 49ers-Coach Kyle Shanahan sowie eine ganze andere Riege erfolgreicher jüngerer Coaches in der NFL ist. Doch da war Reid nicht immer das Glück hold.

Angesichts der Rücktritte von Pete Carroll in Seattle und dem wohl nicht so ganz freiwilligen von Bill Belichick in New England war im Vorfeld des Super Bowls angesichts eines denkbaren "Trends" zum eventuellen Generationswechsel in den Trainersesseln der NFL die Frage auch an Reid herangetragen worden, ob er nach dem abermaligen Titel abtreten würde. Er hat dies vehement verneint und ist in der Tat ja auch sechs respektive sieben Jahre jünger als die beiden zuletzt ältesten NFL-Coaches. Und anders als die beiden hat er mit einem Quarterback im allerbesten Alter und Divisionsgegnern in Schwierigkeiten für zumindest diese sechs oder sieben Jahre (oder jedenfalls die überschaubare Zukunft) hervorragende Bedingungen vor sich, um die Erfolgssträhne fortzusetzen.

Allerdings bleibt wie für alle derart erfolgreichen Teams in der NFL ein Problem, dem sich auch Reid wird stellen müssen. Der Marktwert des Kaders steigt durch die Erfolge, die Salary Cap aber nur so weit, wie sie für alle anderen steigt. Rund 25 Spieler des Kaders gehen in einigen Wochen auf den freien Markt, darunter mit Defensive Tackle Chris Jones einer, der mit Recht, Nachdruck und Marktmacht schon länger Verbesserungen der Bezüge fordert. Mahomes kostet eben 50 Millionen US-Dollar pro Jahr, die Stützpfeiler seines Schutzes in der Offensive Line Joe Thuney und Jawan Taylor zusammen noch einmal so viel.

Und Travis Kelce könnte dank seiner Beziehung zu Taylor Swift zwar wohl für ein Taschengeld spielen und sich von der Pop-Ikone, für die es keine Salary Cap gibt (und schon gar nicht in so "mickriger" Höhe wie in der NFL, gemessen an ihren Maßstäben), aushalten lassen. Wird er aber wohl nicht wollen, und so sind mit seinen rund 15 Millionen etwa die Hälfte der möglichen Bezüge schon auf vier Spieler verteilt. Der Kuchen für andere wie für Chris Jones wird kleiner, hinzu kommt natürlich, dass auch die Assistant Coaches immer begehrter werden, etwas vom Erfolgsvirus aus Missouri in anderen NFL-Regionen zu transportieren.

In Las Vegas durfte Taylor Swift jedenfalls ausgiebig jubeln. Einige meinten, es von vornherein gewusst zu haben. Nach kursierender Verschwörungstheorie ist ja den Chiefs der Super Bowl zugeschanzt worden, damit aus dem Traumpaar anschließend Taylor Swift lobende Worte für US-Präsident Joe Biden finden können, um ihre Fans zu animieren, bei der kommenden Wahl nicht für Donald Trump zu stimmen (oder so ähnlich).

Dafür mussten die Chiefs sich aber mächtig ins Zeug legen, also entweder hat der große Geheimplan nicht so richtig funktioniert oder war so geschickt aufgebaut, dass er nur ungeschickt aussah. Nahezu über die gesamte Spielzeit kämpften die Chiefs darum, Zugriff auf das Spiel und auf die 49ers zu finden. Erst nach 74 Minuten und 57 Sekunden effektiver Spielzeit fing Mecole Hardman den entscheidenden Pass von Patrick Mahomes zum 25:22 in der Endzone.

Über lange Strecken dieser fast 75 Spielminuten, bis am Schluss die Kräfte schwanden, hatten die Verteidiger in Las Vegas den Ton angegeben. Dies galt für beide Seiten, nicht nur deswegen hatte es nach dem ersten Viertel 0:0 gestanden. Hinzu kamen Fehler, auch diese sowohl bei den 49ers, bei denen gleich der Eröffnungs-Drive mit einem seltenen Fumble von Christian McCaffrey endete, wie auch bei den Chiefs, bei denen Isiah Pacheco im zweiten Viertel dicht vor der 49ers-Endzone das Leder verlor.

Kurz zuvor hatte 49ers-Kicker Jake Moody aus 55 Yards zum Field Goal zur 3:0-Führung getroffen, später traf der Rookie noch einmal aus 53 Yards - bekam zuvor jedoch nach dem 16:13 der Kalifornier im vierten Viertel einen PAT-Kick geblockt, was den Chiefs in der Endphase der regulären Spielzeit einen Vorteil verschaffte. So genügte ihnen knapp sechs Minuten vor dem Ende ein Field Goal von Butker zum 16:16-Ausgleich.

San Francisco hätte danach die Chance gehabt, mit einem Touchdown und dem passenden Zeitmanagement das Spiel zu seinen Gunsten entscheiden zu können. Nachdem im zweiten und dritten Viertel von Christian McCaffrey weniger als üblich zu sehen gewesen war, kam der Ausnahme-Running-Back nun auch wieder mehr zur Geltung. Doch nach der Two Minute Warning missglückte der Pass im dritten Versuch auf Jauan Jennings, für den der Super Bowl zum Spiel des Lebens hätte werden können, wenn er auch hier den Fang gemacht hätte. So kam das Field Goal von Moody zum 19:16 zu früh, und ebenso wie die Chiefs-Defense nun müder wurde, fand auch die der 49ers keine durchschlagenden Mittel mehr, um Mahomes und Travis Kelce, die nun Blut geleckt hatten, aus der Field-Goal-Reichweite herauszuhalten. Sechs Sekunden vor Schluss traf Butker aus 29 Yards zu seinem vierten Field Goal des Abends, um den Super Bowl in die Verlängerung zu schicken.

Für die Chiefs war es ein schwieriger Weg zum Happy-End. Lange war der Touchdown der 49ers aus dem zweiten Viertel die spektakulärste Angriffsaktion gewesen. Brock Purdy hatte den Ball rückwärts auf Jennings gepitcht und dieser McCaffrey zum 21-Yard-Touchdown bedient. Zwar schafften die Chiefs auch hier Sekunden vor dem Ende der Halbzeit ein Field Goal zum 3:10-Anschluss, doch ihr Start in die zweite Hälfte misslang vollkommen. Zunächst konnte Pacheco gerade so seinen zweiten Ballverlust verhindern, als Mahomes ihm nicht ganz präzise den Ball zupitchte. Kurz darauf warf der Quarterback selbst den Ball in die Arme von 49ers-Verteidiger Ji’Ayir Brown.

Die 49ers konnten auch diesen Ballgewinn nicht zu Punkten verwerten. Schlimmer noch: Nun unterlief ihnen bei einem Punt der Chiefs ein folgenschweres Missgeschick. Darrell Luter sprang der Ball ans Bein, statt ihn gefahrlos austrudeln zu lassen, musste Ray-Ray McCloud den verzweifelten und vergeblichen Versuch unternehmen, ihn zu sichern. Ohne Erfolg: Die Chiefs kamen unverhofft an San Franciscos 16-Yard-Linie in Ballbesitz. Mahomes bediente gleich im nächsten Spielzug Marquez Valdes-Scantling zum 13:10 und ihrer ersten Führung des Abends. Die 49ers konterten zwar mit einem Touchdown-Pass - nun von Purdy auf Jennings, nachdem sie zuvor an Kansas Citys 15-Yard-Linie in einem vierten Versuch mit einem Pass auf George Kittle höchstes Risiko gegangen waren. Doch auch Kansas City und Mahomes waren nun in ihrem Element. Wieder und wieder setzte sich nun Pacheco durch, auch Travis Kelce holte zwei First Downs auf dem Weg zum 16:16. Aus der Defensivschlacht war ein offener Schlagabtausch geworden, auch wenn zwei weitere Field Goals das Spiel in die Overtime schickten.

Die 49ers hatten den Vorteil des ersten Ballbesitzes. Es begann vielversprechend, weil McCaffreys Läufe nun die Basis dafür waren, dass Purdy die entscheidenden First-Down-Pässe anbringen konnte. An Kansas Citys 9-Yard-Linie war aber Schluss, und die Hoffnung darauf, das Field Goal zum 22:19 könnte reichen, erfüllte sich nicht. Zwar zwang man die Chiefs in einen vierten Versuch in der eigenen Hälfte, ein Stopp hier hätte den Sieg bedeutet. Doch Mahomes setzte sich gegen die 49ers, die ihre Überlegenheit an der Line of Scrimmage aus der ersten Hälfte längst verloren hatten, hier genauso durch wie später noch einmal in einem dritten Versuch mit einem 19-Yard-Lauf zur 49ers-13-Yard-Linie.

Spätestens da war klar, dass der Vorsprung den 49ers nicht genügen würde, die Chiefs hätten mit dem zuverlässigen Kicker Harrison Butker sicherlich ausgleichen können. Doch Butkers Dienste waren nicht mehr gefordert. Kurz bevor noch einmal die Seiten hätten gewechselt werden müssen, bediente Mahomes den rechts in der Endzone völlig freien Mecole Hardman zum 25:22-Endstand.

Patrick Mahomes hatte am Ende bei 46 Passversuchen 34 vollständige Pässe (73,9 Prozent) für 333 Yards und zwei Touchdowns bei nur einem Fehlpass geworfen, erlief zudem 66 Yards. Im Endeffekt war die Chiefs-Offense dank ihrer Leistungssteigerung in der zweiten und "dritten" Hälfte bei der Verwertung von Third Downs effektiver als die 49ers. In neun von 19 Fällen kamen die Chiefs in dritten Versuchen zum neuen First Down, bei den San Francisco 49ers fiel die Bilanz mit drei Erfolgen bei zwölf Anläufen mager aus. Jauan Jennings und Christian McCaffrey von den 49ers waren trotz ansprechender eigener Leistung bei der Pokalübergabe nur enttäuschte Zuschauer. Jennings warf den Touchdown-Pass im Trickspielzug, fing zudem vier Bälle für 42 Yards Raumgewinn und einen Touchdown. Christian McCaffrey verantwortete acht Passfänge für 80 Yards Raumgewinn und einen Touchdown und mit 22 Läufen ebenfalls 80 Yards Raumgewinn.

Zum Titelgewinn reichte es aber nicht. Denn nach zwei Jahrzehnten NFL, denen Tom Brady seinen Stempel aufgedrückt hat, befinden wir uns nun augenscheinlich in der Ära von Patrick Mahomes und den Chiefs. Vielleicht ist Kansas City gar ein Three-Peat möglich. Die Konkurrenz in der eigenen Gruppe, der AFC West, ist eher wieder schwächer geworden, auch wenn bei den Raiders immer noch kräftig vom Aufschwung fabuliert wird. Bei den Los Angeles Chargers sind die Hoffnungen rund um Justin Herbert zuletzt gedämpft worden, erst recht in Denver die um Russell Wilson. Andere AFC-Spitzenteams wie Baltimore, Buffalo, Miami oder Jacksonville zwichnen sich nicht gerade durch die Konstanz aus, die in Kansas City herrscht. Indianapolis oder Pittsburgh sind auf der Suche nach neuen Lösungen für Quarterback-Probleme, Cleveland ist und bleibt der "Sonderfall Browns". Da ist ein Durchmarsch durch die eigene Conference auch 2024 wieder nicht völlig ausgeschlossen - und die Möglichkeit, als erstes Team dreimal in Folge den Super Bowl zu gewinnen, scheint den Chiefs offen zu stehen.

Auerbach - 12.02.2024

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Die Entscheidung - Mecole Hardman fängt den siegbringenden Touchdown im Super Bowl LVIII (© Getty Images)

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