Luxusproblem?

Engültig aus dem Schatten getreten sein sollte Miami OLB Andrew Van Ginkel dank seinem sehenswerten Touchdown im Spiel gegen die Washington Commanders. Genau das richtige Timing hatte Van Ginkel bei Washington QB Sam Howell abgepasst, rannte nicht auf den Quarterback zu sondern ins Backfield und fing den von ihm erwarteten Screen Pass mit einer sehenswerten Leichtigkeit ab, ehe er den Ball kurz darauf in der Endzone abglegte.

Für die meisten NFL Fans ist Van Ginkel eher ein Unbekannter, in Miami weiß man ihn schon länger wertzuschätzen. Als Fünftrundenpick und an 151. Stelle wählten ihn die Dolphins 2019 aus, drei Positionen hinter San Francisco LB Dre Greenlaw, den Miami damals Gerüchten zufolge im Blick gehabt haben soll. Während Greenlaw sofort zum Starter wurde und jüngst durch seinen Konflikt mit dem Chef der Security in Philadelphia für Aufsehen sorgte, schaffte es aber auch Van Ginkel seinen Wert unter Beweis zu stellen. Dies allerdings mit Verzögerung. Auf der Verletztenliste begann er seine Karriere, Mitte November 2019 wurde er aktiviert und machte noch sechs Spiele. Eines davon die Partie der Dolphins bei den New York Jets Anfang Dezember, bei der 21:22 Niederlage kurz vor dem Ende der vermeintlich entscheidende Sack an QB Sam Darnold gelang. "Das war mehr als ärgerlich, aber so ist Football. Sicher habe ich mich über meinen ersten Sack gefreut, aber lieber wäre es mir gewesen wir hätte gewonnen", gab er nach dem Spiel zu Protokoll. Denn seinem Sack 77 Sekunden vor dem Ende, der die Jets aus der Reichweite für ein Field Goald brachte, folgte im dritten Versuch eine Pass Interference Strafe gegen CB Nik Needham und somit eine neue Angriffsserie für New York. Die Jets nutzten diese und K Sam Ficken erzielte bei auslaufender Spielzeit aus 44 Yards das Field Goal zum 22:21.

Bereits in der nächsten Saison stand er als Starter auf dem Feld in 11 der 16 Spiele. Auch wenn er mehr ein Teil der Defensivrotation war, am Ende hatte er nach der Saison 2020 als Edge-Rusher 5.5 Sacks auf dem Konto und sich für weitere Aufgaben empfohlen. Doch mit Head Coach Brian Flores war die Position des Linebackers im ständigen Wandel, auch wenn Van Ginkel wieder in 13 von 16 Spielen zum Stammpersonal gehörte. Dies änderte sich 2022, als Miami zunächst in der ersten Runde Jaelen Philipps verpflichtete, dann OLB Bradley Chubb im Trade nach Südflorida holte. Zwar setzte Head Coach Mike McDaniel noch Vertrauen in den Veteranen, doch spielte er im System von Defensive Coordinator Josh Boyer immer weniger eine tragende Rolle.

Als Free Agent hatte Van Ginkel nach der Saison die Wahl seines nächsten Arbeitgebers. Die Dolphins hatten zwischenzeitlich Boyer entlassen und Vic Fangio verpflichtet. Obwohl Van Ginkel die Möglichkeit hatte zu wechseln und Gerüchten zufolge bei den Tennessee Titans, Las Vegas Raiders und New England Patriots (sowie zwei weiteren nicht genannten Teams) im Gespräch war, überzeugte ihn Fangio in Miami zu bleiben und einen Ein-Jahres-Vertrag über 2,65 Mio Dollar anzunehmen.

Und dies machte sich bezahlt. Seit Saisonbeginn zählt Van Ginkel zu den Leistungsträgern, wenn er auch hinter Chubb und Philipps zunächst sich seine Chancen suchen musste. Doch schon am zweiten Spieltag beim Sieg gegen die Patriots war der Linebacker der beste Mann auf dem Platz in der Verteidigung. Auch wenn er nur in sechs der 12 Spiele zum Stammpersonal zählte, war dies der Rotation von Fangio auf den Gegner geschuldet, der gerne auch mal Chubb als Defensive End aufbot oder Philipps und Van Ginkel rotierte. Nach der Verletzung und dem Saisonaus von Philipps hat nun Van Ginkel die Position eingenommen und empfiehlt sich für höhere Aufgaben. "Die Interception gegen Washington war kein Glück, das war harte Trainingsarbeit und akribisches Videostudium. Das hat er in dieser Woche auch im Training schon gemacht", verriet Head Coach Mike McDaniel im Anschluss an den Sieg in Washington.

Für das Team wird Van Ginkel aber mit jeder guten Aktion teurer. Bereits jetzt gilt er als einer der Spieler, die Miami nach der Saison weiterverpflichten und möglichst nicht verlieren sollte. Nur wo soll er spielen, wenn Philipps und Chubb weiter zum Team gehören und mit Jerome Baker und David Long noch zwei weitere hochbezahlte Profis in diesen Mannschaftsteil gehören? Erste Priorität in der Defensive ist zudem DT Christian Wilkins, daher sollten sich die Fans des Teams mit der Aussicht auseinanderstzen, dass Van Ginkel kommende Saison in einem anderen Trikot auflaufen wird. Interesse soll es bereits vor der Trade Deadline gegeben haben, doch General Manager Chris Grier war nicht bereit über Van Ginkel zu verhandeln. Dass sich Van Ginkel in Südflorida und bei Vic Fangio wohlfühlt, wird sicher ein Plus in den anstehenden Verhandlungen sein, doch viel wird davon abhängen wie groß der Unterschied zu den Angeboten der Konkurrenz sein wird. Denn auch der Spieler weiß, dass er in seiner Karriere nur wenige Jahre hat gutes Geld zu verdienen und sein nächster Vertrag um einiges höher als 2.65 Millionen liegen sollte.

Schüler - 06.12.2023

(© Schüler)

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