Debakel für 49ers

Kenneth Gainwell und die Eagles fliegen hochverdient in Richtung Super Bowl LVIIDie Philadelphia Eagles ziehen zum zweiten Mal in den letzten sechs Jahren in den Super Bowl ein; sie setzten sich in einem Spiel, das bestimmt war von Verletzungen der 49ers Quarterbacks, am Ende locker mit 31:7 durch.

Dass beide Teams unter größter Anspannung waren, konnte man bereits bei einem verbalen Scharmützel während der Warmups und beim Kickoff der 49ers sehen, als prompt eine Schubserei folgte. Kurz nach Beginn musste 49ers Ausnahmespieler Fred Warner behandelt werden, konnte aber weiterspielen. Es war jedoch so etwas wie ein Vorbote auf die kommende Verletzensituation bei den 49ers.

Gleich im ersten Drive versuchten die Eagles einen 4. & 3 an der San Francisco 35 Yard-Linie. Jalen Hurts warf in Bedrängnis in Richtung DeVonta Smith, schien diesen aber zu überwerfen. Mit einem einarmigen Highlightcatch sicherte sich er den Ball jedoch vermeintlich. Die Eagles beeilten sich für den nächsten Snap und in einer späteren Wiederholung konnte man erkennen, dass der Ball unter dem Körper von Smith für einen Moment frei – und somit eigentlich incomplete - war. Mit ihrer schnellen Ausführung bereiteten sie stattdessen den ersten Touchdown vor, erlaufen von Running Back Miles Sanders aus sechs Yards durch die Mitte.

Und es kam noch schlimmer für die 49ers: Brock Purdy hielt im ersten Drive den Ball einen Tick zu lange, die überragende Free Agent Verpflichtung Haason Reddick tackelte Purdy und der freie Ball konnte von Linval Joseph gesichert werden. Allerdings pfiffen die Schiedsrichter ab; eine Challenge von Nick Sirianni brachte Philadelphia zumindest Ballbesitz, wenn schon Joseph nicht Richtung Touchdown "sprinten" durfte. Diesmal gab es jedoch keine Punkte für die Eagles, sondern nur ein schnelles Three & Out.

Das Fumble hatte bei Purdy aber Spuren hinterlassen und sollte die Partie nachhaltig beeinflussen: Er musste wegen einer Ellbogenverletzung behandelt und durch den zunächst überforderten Josh Johnson, Quarterback #4 bei San Francisco in dieser Saison, ersetzt werden. Auch der wurde sofort von Reddick gesackt. Der knapp 37-jährige Johnson stand gefühlt schon bei allen Teams – und manchen mehrmals – im Kader. Dazu kann er Stationen in der UFL (2012), AAF (2018) und XFL (2020) vorweisen. Es lief aber nur nach hinten für die Niners bis dahin.

Zu allem Überfluss wurde auch noch Pass Rusher Nick Bosa an der Seitenlinie verletzt, als ein Wide Receiver nach einem Tackle in seine Beine geblockt wurde. Er musste am rechten Knie untersucht werden und war den Rest der Partie sichtlich angeschlagen, versuchte sich aber durchzubeißen. Im Anschluss musste zur Abwechslung Eagles Nose Tackle Fletcher Cox in die Kabine.

Für Unterhaltung sorgte eine Szene kurz darauf, als ein Punt von Eagles Brett Kern das Drahtseil der Spider Cam von FOX traf und dadurch deutlich kürzer flog. Die Schiedsrichter "konnten das jedoch nicht bestätigen", was einmal mehr zu einem Meer aus Buhrufen führte.

Das erste Viertel war noch nicht vorbei und schon mehr passiert als oftmals in 60 Minuten. Anschließend verlor die Partie aber deutlich an Fahrt.

Bosa war zwar offensichtlich angeschlagen, hätte trotzdem aber fast Eagles QB Jalen Hurts in dessen Endzone zu Fall gebracht. Der konnte sich im letzten Moment noch nach vorne drehen und so den Safety verhindern.

Trotzdem starteten die 49ers in der Hälfte Philadelphias und machten allein durch Running Back Christian McCaffrey sieben Punkte: Bei einem Run wurde er in letzter Sekunde noch am Fuß gestopft, aber kurz darauf war es soweit, als er einen Tackle nach dem anderen brach oder in Hürdenläufermanier darübersprang. Nach 23 hart erkämpften Yards durften die 49ers den Ausgleich Mitte des zweiten Viertels feiern.

Die Eagles begannen einen Drive, der - unterstützt von einigen Strafen gegen die 49ers in kritischen Situationen - bis an die Endzone der Gäste führte. Dabei spielte man mit der "patentierten" Rugby-Formation auch einen kritischen 4. & 1 an der eigenen 34 Yard-Line erfolgreich aus. Vor allem Kenneth Gainwell sorgte mehrmals für deutlichen Raumgewinn, aber am Ende lief erneut Miles Sanders über links unberührt aus 13 Yards für sieben Punkte ein.

Die Gäste versuchten es mit aggressivem Playcalling, da nur noch 1:36 bis zur Pause zu spielen waren. Aber gleich beim zweiten Snap fumbelte Josh Johnson in der Shotgunformation und – wer sonst – Haason Reddick sicherte den freien Ball. Diesmal erlief Boston Scott über rechts den Touchdown zum 21:7. Jetzt wurde der Abstand so deutlich, wie man das beim Ausscheiden von Purdy aus Sicht der Gäste befürchten musste. So ging es auch in die Pause.

Im ersten Drive nach der Unterbrechung blieb dann auch noch Josh Johnson nach einem Tackle, als sein Helm auf dem Boden aufschlug, kurz liegen und musste ins Concussion Protocol. Zurück kam der verletzte Purdy, der den Ball aber nur zu Christian McCaffrey abgab. Das Handoff überraschte niemand; Purdy konnte im weiteren Verlauf keine Pässe mehr werfen und Johnson nicht mehr weiterspielen, so dass es eine sehr eintönige Partie wurde.

Es war Schongang angesagt; lediglich im kuriosen ersten Viertel war das Spiel "Halbfinal-würdig". Jalen Hurts erhöhte in der zweiten Rugby-Formation in Folge zum Ende des dritten Viertels noch auf 28:7. Im Schlussviertel versuchte sich auch noch Christian McCaffrey erfolglos als Quarterback; ansonsten erhöhten die Eagles per Field Goal auf 31:7 und es gab noch eine Kneipenschlägerei zu sehen, wie sie sonst in der NFL kaum zu beobachten ist. Vor allem 49ers Left Tackle Trent Williams tat sich negativ hervor und wurde wie Safety K’Von Wallace auf der anderen Seite disqualifiziert. Man kann davon ausgehen, dass die verhängten Strafen in der kommenden Woche drastisch werden.

Die 49ers spielten anschließend einen 4. Versuch aus, aber Deebo Samuel fumbelte das "Pitchy Pitchy Woo Woo", wie man in den USA mittlerweile das mehrfache Pitchen des Balls gerne nennt, als Reed Blankenship mit einem harten (und fairen) Tackle in seinen Beinen einschlug.

Für die Verletzten konnten die Gäste natürlich nichts, aber mit äußerst dummen Strafen trugen sie darüberhinaus zum deutlichen Endstand bei. Nicht alle Strafen und Entscheidungen der Schiedsrichter waren dabei eindeutig, aber spielentscheidend waren sie nicht. Eine Partie, die wohl nicht schlechter hätte laufen können für die 49ers.

Jetzt bleiben den Eagles noch zwei Wochen Genesung und Vorbereitung auf das Endspiel, das in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar ausgetragen wird; der Kickoff für Super Bowl LVII ist für 00:30 Uhr terminiert. Es wird für lange Zeit die letzte Partie sein, die ProSieben übertragen wird, bevor fünf Jahre lang RTL übernehmen wird.

Carsten Keller - 30.01.2023

Kenneth Gainwell und die Eagles fliegen hochverdient in Richtung Super Bowl LVII

Kenneth Gainwell und die Eagles fliegen hochverdient in Richtung Super Bowl LVII (© Getty Images)

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