Hype um die Helvetic Guards: Wie ein Startup die ELF erobern will

Seit den 1980er-Jahren wird in der Schweiz American Football gespielt. Seither übernimmt der Schweizerische American Football Verband, kurz SAFV, die Organisation der nationalen Meisterschaft. Die neue Hoffnung des Schweizer Footballs bleibt jedoch nicht auf Nationalebene, sondern tritt 2023 in die ELF ein. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen etablierten, autonomen Sportverein. Stattdessen soll ein "Start-up" die European League of Football erobern: die Helvetic Guards.


Als Franchise in die ELF

Bei der European League of Football handelt es sich um die semiprofessionelle europäische Liga im American Football. Sie startete am 19. Juni 2021 in ihre erste Spielzeit – damals noch mit acht Mannschaften. Seither expandiert sie stetig. 2022 treten bereits zwölf Teams gegeneinander an, 2023 sollen es 16 sein. Darunter befinden sich die Helvetic Guards aus Zürich.

Bereits während einer Pressekonferenz zur Eröffnung der ELF-Saison 2022 wurde der künftige ELF-Eintritt der Schweizer bekanntgegeben. Im Gegensatz zu vielen anderen Mannschaften in der europäischen Footballliga handelt es sich nicht um einen autonomen Verein. Stattdessen agieren die Guards als Franchise, also als Lizenznehmer der ELF. Bisher war das Sport-Franchising vorwiegend aus den nordamerikanischen Sportligen bekannt, sodass damit neue Wege beschritten werden.

Die beiden Gründer Toni Zöller und Mukadder Erdönmez bauten die Helvetic Guards als Organisation auf, um dem American Football in der Schweiz zu noch mehr Bekanntheit zu verhelfen. Zusammen mit anderen Investoren erwarben sie die Lizenz, um 2023 in die ELF einzusteigen und dort schweizerische Werte wie Disziplin und Loyalität zu repräsentieren. Wie wichtig diese bei den Helvetic Guards sind, zeigt bereits der Franchise-Name, der an die Päpstliche Schweizergarde angelehnt sein soll.

Unabhängig vom unternehmerischen Konzept, das hinter den Helvetic Guards steht, ist um das noch im Aufbau befindliche Team bereits jetzt ein nationaler und internationaler Hype entstanden. Für die Schweiz ist dieser Vorstoß in die ELF und damit aktuell die aufstrebenste Football Liga Europas ein Meilenstein der Sportgeschichte. Bereits jetzt geht man in der Football-Community davon aus, dass man die neuen Player künftig auf dem Zettel haben sollte.

Das gilt besonders für Fans, die auf die Siege erfolgversprechender Mannschaften wie die Vienna Vikings oder die Hamburg Sea Devils setzen. In den Wettbüros haben sich nun auch die Helvetic Guards einen Platz gesichert. Spätestens mit dem Start der ELF-Saison 2023 werden Football-Fans nicht nur bei Sportwetten in der Schweiz auf das brandneue Team setzen können.


Der Name ist Programm

Bei ihrer Namens- und Logowahl entschieden sich die Helvetic Guards – auf Deutsch "Schweizer Wächter" oder eben "Schweizer Gardisten" – bewusst für eine Anlehnung an die Schweizergarde. Diese bewies in der Vergangenheit immer wieder, welchen Erfolg auch vermeintlich kleinere Truppen gegen einen größeren Feind haben können. Was sie dafür brauchen: Einsatz, Wille und Disziplin.

Auch dass die Guards die gesamte Schweiz und keine einzelne Stadt im Mannschaftsnamen tragen, ist kein Zufall. Wie Mukadder Erdönmez, Mitbegründer des Franchise, erklärt: "Wir hätten uns auch die Zürich Zebras nennen können. Aber wir wollen die gesamte Schweiz repräsentieren [...]". Man wolle wesentliche Werte vertreten. In der ELF sehen sich die Helvetic Guards als "Neuling aus einem kleinen Land". Als eine Art Underdog wollen sie sich mit mächtigen Gegnern messen.

Bei der Logoverkündung hieß es daher: Seit jeher machten sich Schweizer als gefürchtete Kämpfer einen Namen. Ihren besonderen Ruf verdankten sie ihrer Zuverlässigkeit, Härte und der bereits mehrfach betonten Loyalität.

Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass für die Kaderzusammenstellung aktive Schweizer Footballer aus anderen Ländern wieder zurückgeholt werden sollen. Von den 50 Teammitgliedern müssen laut den Regularien der ELF mindestens 40 aus der Schweiz stammen oder hier ausgebildet worden sein. Die Helvetic Guards gehen noch einen Schritt weiter und wollen 45 Akteure aus ihrem Heimatland verpflichten.


Kader füllt sich langsam

Bei der Kaderplanung begannen die Guards bei null. Vorteilhaft für das Franchise: Die beiden Athletic Directors J. C. Williams und Matt Hammer sind College-erfahrene Kräfte. Die Tryouts oder Sichtungstrainings, bei denen neue Spieler die Coaches von sich überzeugen können, begannen bereits im Oktober 2022. Bis Februar 2023 soll der gesamte Kader stehen.

Einige personelle Entscheidungen konnten bereits gefällt werden. So gehörten Dominik Liechti und Andreas Buri – beide aus den Reihen der Bern Grizzlies – zu den ersten Spielern, die von den Helvetic Guards verpflichtet wurden. Während Liechti das Team als Defensive Linemen bereichert, fungiert Buri als Linebacker. Auch Richard Wartmann, früher bei den Winterthur Warriors, gibt seinen Posten als "Krieger" auf, um stattdessen als "Wächter" anzufangen. Weitere Schweizer Eigengewächse, die sich bislang für einen Platz in der Schweizergarde des Footballs entschieden haben, sind:
- Timo Hager
- Ibony Mbungu
- Pascal Rüegg
- Cayman Andre Bailey Jr.
- Federico Ferretti
- Filip Kovljencic
- Michael Kimpiabi
- Milos Panic
- Philipp Leimgruber
- Florian Ziegler
- Fabian Bruhin.

Als ersten Importspieler stellten die Helvetic Guards den 22-jährigen Franzosen Maceo Beard-Aigret vor, der die Position als Safety einnehmen soll. Wenige Tage später folgte sein Landsmann Chaska Remy Perron, der 2022 für die Stuttgart Surge spielte und damit bereits ELF-Erfahrung aufweisen kann. Auch zwei deutsche Spieler sollen den Kader der Guards auffüllen: David Marty als Wide Receiver und Oliver Marty als Defensive Backs. Aus Italien gesellt sich Gregorio Calonego zum Kader und wird wie der Schwede Anton Jallai als Wide Receiver agieren.

Auch das siebenköpfige Trainerteam der Helvetic Guards ist bereits bekannt. Als Head Coach konnte die Mannschaft Norm Chow für sich gewinnen. Der 76-jährige bringt als ehemaliger NFL-Coach reichlich Erfahrung mit. Ebenso wird Mike Wilson, viermaliger Gewinner des Super Bowls, die Guards mit seiner Expertise unterstützen.


Lidl Arena in Wil wird das erste Zuhause der Guards

Um die Stadionfrage machten die Helvetic Guards lange Zeit ein Geheimnis. In Interviews wurde betont, man suche ein Stadion im "Großraum Zürich", das bestenfalls mit einer Kapazität von 5.000 bis 15.000 Zuschauern aufwarten kann. Letzigrund, Heimstätte des Schweizer Fußballmeisters FC Zürich, stehe dabei nicht zur Debatte.

Inzwischen haben die Guards eine Wahl getroffen: In der Lidl Arena in Wil sollen im Sommer 2023 die ersten Heimspiele ausgetragen werden. Der Lidl Sportpark Bergholz habe mit einer Kapazität von 6.000 Zuschauern eine gute Größe, wie Toni Zöller anmerkte. Ebenso habe die Nähe zum Flughafen den Ausschlag für die Stadionwahl gegeben.

Trotz dieser Entscheidung können sich die Helvetic Guards vorstellen, zukünftig auch Heimspiele in Genf, Lugano oder Basel auszutragen. Damit zeigen sie erneut, dass sie sich als Repräsentant der gesamten Schweiz verstehen. Abzuwarten bleibt, wie sich die Franchise-Mannschaft bei ihren ersten Spielen und dem Einstieg in die ELF 2023 behauptet.

Thomas Koch - 21.11.2022

(© Pixabay.com/schausi )

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