Spielerwechsel mischen die Karten neu

Seit die NCAA im Frühjahr 2021 die Transfer-Regeln änderte und Spielerwechsel ohne die zuvor obligatorische einjährige Sperre zuließ, haben hunderte von Spielern in der FBS die Teams gewechselt. Was zunächst als Herausforderung gesehen wurde, vor allem von den Coaches, bringt aber sowohl den Spielern als auch den Teams Vorteile, weil sich jetzt Karrieren schneller neu beleben und Schwächen im Kader kurzfristig angehen lassen. Wie wichtig diese Wechsespieler, "Transfers" genannt, inzwischen sind, zeigte sich auch am dritten Spieltag, der eher arm an Höhepunkten war. Bei der größten Überraschung des Spieltages, dem 39:28-Erfolg von Washington gegen den Ranglisten-Elften Michigan State, war einer dieser Spieler der entscheidende Faktor, und auch in einigen anderen Spielen drückten Neuzugänge über das "Transfer Portal" den Partien ihren Stempel auf.

Der unerwartete Erfolg von Washington war geradezu ein Paradebeispiel für die Vorzüge der neuen Wechselfreiheit. Die Huskies waren im letzten Jahr eines der offensivschwächsten Teams der FBS und beendeten die Saison mit einer indiskutablen 4-8-Bilanz. Das kostete Head Coach Jimmy Lake nach nur zwei Spielzeiten den Job. Sein Nachfolger Kalen DeBoer holte mit QB Michael Penix einen alten Bekannten. Penix kam von Indiana, wo er 2019 unter DeBoer (damals Offensive Coordinator und Quarterbacks Coach der Hoosiers) zum Stammspieler wurde und dessen Angriffssystem er bestens kennt. Mit Penix als Angriffsführer war Indiana 2020 eine der größten Überraschungen der Saison gewesen. Eine Verletzung Mitte der Saison 2021 hatte Penix' Karriere dann unterbrochen. Der Wechsel zu Washington scheint eine, wie man sagt, Win-Win-Situation zu sein. Mit Penix spielt der Angriff der Huskies bis jetzt auf einem ganz anderen Niveau als im letzten Jahr. Die ersten beiden Spiele gegen Kent State und das unterklassige Portland State waren natürlich noch kein richtiger Gradmesser gewesen, umso bemerkenswerter war sein Auftritt gegen Michigan State. Seine 24 erfolgreichen Pässe brachten 397 Yards, 19 neue First Downs und vier Touchdowns. "Er wirft den Ball da hin, wo er hinkommen muss. Mit ihm haben wir einen Jungen bekommen, mit dem man Spiele gewinnen kann, der nicht nur ein Spiel managt. Seine Mitspieler glauben an ihn, und er ist so ruhig und konzentriert", lobte ihn DeBoer anschließend.

Mit dem unerwarteten Sieg gegen eines der besten Teams der Big Ten Conference setzten die Huskies gleich mal ein starkes Zeichen an die Konkurrenz in der eigenen Conference, der Pac-12. Galten vor der Saison der letztjährige Conference Champion Utah, das durch den neuen Head Coach Lincoln Riley sowie die beiden "Transfers" Caleb Williams (Quarterback, kam mit Riley von Oklahoma) und Jordan Addison (Top-Receiver der letzten Saison, kam von Pittsburgh) personell deutlich verstärkte USC und mit Abstrichen Oregon als die Kandidaten auf den Conference-Titel, so muss man jetzt wohl auch mit Washington rechnen, zumindest in Sachen Erreichen des Conference Championship Games. Der Umstand, dass man in den Punktspielen weder auf Utah noch auf USC trifft, erhöht die Chancen der Huskies – vorausgesetzt natürlich, dass die Mannschaft das Niveau von Samstag jede Woche bringen kann. In dem Punkt ist DeBoer zuversichtlich. "Dieser Sieg wird den Glauben an sich selbst bei unseren Jungs weiter steigern. Wir werden immer mehr zu einem kompletten Team werden. Wir waren heute besser gegen das Laufspiel, haben besser getackelt. Ich denke wir haben heute einen guten Schritt nach vorn gemacht", sagte er dazu.

Weitere Transfer-Gewinner

Washington war, wie schon erwähnt, nicht das einzige Team an diesem Spieltag, bei dem Neuzugänge von anderen Teams stark auftrumpften und die Saisonperspektiven ihrer neuen Teams positiv veränderten. Eines davon ist Washingtons Conference-Rivale Oregon. Der gewann überrschend souverän gegen den Ranglisten-Zwölften BYU mit 41:20 und das vor allem auch dank einer starken Leistung von QB Bo Nix, der in diesem Jahr von Auburn, wo er von 2019 bis 2021 gespielt hatte, bis zu einer Verletzung kurz vor Ende der Regular Season meist als "Starter", zu den Ducks gewechselt war. Sein Einstand war am 3. September noch gründlich in die Hose gegangen, weil er im Spiel gegen den letztjährigen National Champion Georgia genauso überfordert war, wie der Rest des Teams, aber gegen BYU war er die Verstärkung auf der Schlüsselposition im Angriff, die man sich von ihm erhofft hatte. Mit zwei Touchdown-Pässen und drei Touchdown-Läufen war er an allen Touchdowns seines Teams unmittelbar beteiligt. "Von Woche zu Woche wächst sein Vertrauen in das, was wir erreichen wollen. Es sind die kleinen Dinge, die Sie nicht sehen, die ihn zu einem besonderen Quarteback machen", sagte Head Coach Dan Lanning auf der anschließenden Pressekonferenz über Nix unter anderem. Zu einem direkten Duell zwischen Penix und Nix wird es im Übrigen am 12. November kommen, wenn Washington bei Oregon antritt. Gut möglich, dass es dann für beide Teams um den Einzug ins Pac-12 Championship Game geht.

An so große Ziele denkt man bei Florida State und LSU im Moment noch nicht, aber auch diese Beiden profitieren von Spielern, die in der letzten Saison noch für andere Teams im Einsatz waren. Genauer gesagt für ein anderes Teams, denn sowohl QB Jayden Daniels als auch WR Johnny Wilson spielten in der letzten Saison bei Arizona State, Daniels als "Starter", Wilson als College-Neuling noch in einer Nebenrolle. Daniels hat sich bei LSU erwartungsgemäß als neuer Stamm-Quarterback durchgesetzt, nachdem die letztjährige Nummer eins der Tigers, Max Johnson, zu Texas A & M gewechselt war, Wilson spielt jetzt bei Florida State. Am Samstag führte Daniels sein Team zu einem 31:16-Sieg gegen Mississippi State. Mit seiner Laufstäke und Improvisationskunst ist Daniels ein ganz anderer Spielertyp als Johnson und genau so einen Mann braucht der Angriff angesichts des Fehlens von guten Running Backs, die bis 2019 jahrelang eines der Markenzeichen von LSUs Angriff gewesen waren. Mit den Top-Teams der SEC, Alabama und Georgia, wird LSU noch längst nicht wieder mithalten können, aber wenn sich der Angriff mit Daniels gegenüber der Saison 2021 signifikant steigert, dann ist ein deutlich besseres Saisonergebnis als 2021 möglich.

Wilson hatte am Freitag bei Florida States 35:31-Sieg bei Louisville seinen ersten großen Auftritt, und der war so gut, dass ihm die Kommentatoren-Crew des übertragenden TV-Senders sogleich attestierte, dass er alles mitbringt, um sich später auch in der NFL durchsetzen zu können. Das ist vielleicht noch ein bisschen sehr weit nach vorn geschaut, aber zumindest in diesem Spiel erwies sich Wilson als wichtiger Neuzgang, waren die Wide-Receiver-Positionen zuletzt doch eine der großen Schwächen des Teams. Mit sieben Fängen für 149 Yards und zwei Touchdowns war Wilson der auffälligste Spieler bei den Seminoles und besonders wichtig, als das Team nach dem verletzungsbedingten Ausfall von QB Jordan Travis kurz vor Ende der ersten Halbzeit in der zweiten mit dessen unerfahrenen Ersatzmann Tate Rodemaker spielen musste. Dieser notgedrungene Wechsel schwächte Florida State nicht, vor allem auch, weil Rodemaker und Wilson gut zueinander zu passen scheinen. Das sah offenbar auch Head Coach Mike Norvell so. "Johnny war unglaublich, vor allem, wenn man sieht, wie er sich seit dem Spring Practice entwickelt hat. Wir sind überzeugt davon, dass wir mit ihm einen besonderen Spieler bekommen haben. Das heute war eine beeindruckende Vorstellung. Und dann zu sehen, wie die Beiden (Wilson und Rodemaker) harmonieren, darum geht es doch", schwärmte Norvell später regelrecht. Man darf gespannt sein, ob sich dieser Eindruck in den kommenden Wochen bestätigt. Nach einer lösbaren Aufgabe gegen Boston College am kommenden Samstag stehen in den ersten drei Wochen im Oktober Spiele gegen Wake Forest, North Carolina State und Clemson an. Nach diesen wird man wissen, was für Florida State in dieser Saison möglich ist.

Hoch - 19.09.2022

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