Eine Überraschung, die wenig ändert

WR Ainias Smith war mit zwei Touchdowns einer der Besten beim Sieg von Texas A &  gegen Alabama.Der sechste Spieltag hatte zwar nicht so viele Überraschungen zu bieten, wie die Wochen davor, dafür die wohl größte bisher. Titelverteidiger und Top-25-Spitzenreiter Alabama verlor bei Texas A & M - richtig, dem Texas A & M, dass in der Woche zuvor zu Hause gegen Mississippi State verloren hatte - mit 38:41. Ein Erdbeben, das die Situation im Rennen um die Playoff-Plätze völlig verändern würde, ist dieses Ergebnis freilich nicht. Alabama kann immer noch alle Ziele (SEC Championship, Playoff-Teilnahme, National Championship) aus eigener Kraft erreichen und hat trotz dieser Niederlage auch die Qualität dazu, und Texas A & M, das mit dem Ziel in die Saison gestartet war, Alabama von der Spitze der SEC zu verdrängen und sich von diesen Ambitionen nach den Niederlagen bei Arkansas und gegen Mississippi State schon frühzeitig verabschieden musste, kommt trotz des Sieges am Samstag ohne fremde Hilfe am Rekordmeister nicht mehr vorbei. Im Grunde bleibt also ganz vorn alles beim Alten, auch wenn Alabama jetzt erst einmal ein paar Plätze in der Rangliste verliert. Georgia, das am Samstag auch bei Auburn souverän gewann (34:10) und die neue Nummer eins ist, und eben Alabama bleiben die beiden Hauptkandidaten auf das Erreichen der Playoffs.

Es passt zu dieser Saison, die bislang ganz anders verläuft als vorher gedacht, dass die größte Überraschung am Ende wahrscheinlich die geringste Auswirkung haben wird. Den Sieg der Aggies darf man gleich in mehrfacher Hinsicht mit dem Prädikat "Historisch" versehen. Zum einen war es Alabamas erste Niederlage gegen ein nicht in den AP Top 25 platziertes Team seit der 14:21-Heimniederlage gegen Louisiana-Monroe am 17. November 2007, in Nick Sabans erster Saison als Alabamas Head Coach. Seither hatte es 100 Siege in Folge gegen nicht platzierte Teams gegeben. Zum zweiten war es der erste Sieg eines ehemaligen Assistant Coaches von Saban gegen den einstigen Mentor. Zuvor hatte Saban 24 Mal gegen seine ehemaligen Assistenten gewonnen, darunter auch viermal gegen Jimbo Fisher, den aktuellen Head Coach von Texas A & M. Zum dritten war es im 15. Jahr unter Sabans Führung erst die 24. Niederlage für Alabama, eine Zahl, die noch beeindruckender wirkt, wenn man bedenkt, dass Alabama sechs dieser Niederlagen in Sabans erster Saison kassiert hatte. Und schließlich war es erst der dritte Erfolg der Aggies gegen Alabama überhaupt und der erste seit dem 10. November 2012, als sie mit ihrem damaligen Quarterback-Star Johnny Manziel in Tuscaloosa mit 29:24 gewannen.

Von all dem bleibt, wie gesagt, am Ende vielleicht wenig hängen, wenn diese Niederlage nicht der Anfang vom Ende der jahrelangen Dominanz von Alabama sein wird. Und im Moment sieht es danach noch nicht aus. Zugegeben, der Verlauf dieses Spiels hat, ebenso wie der knappe Erfolg bei Florida vor ein paar Wochen, gezeigt, dass Alabama in dieser Saison angreifbarer ist als erwartet. Und Einiges lief gegen die Aggies uncharakteristisch schief, vor allem in der Chancenverwertung. Zweimal reichte es kurz der der Endzone der Aggies stehend nur zu kurzen Field Goals, einmal verlor man ebenfalls kurz vor der Endzone mit einer Interception den Ball. Dazu kam die negative Turnover-Bilanz, inklusive eines Touchdowns der Aggies (zum 14:3 im ersten Viertel) im Anschluss an einen Fumble von Alabama an der eigenen 41-Yard-Linie. Und dass Texas A & Ms bislang so harmloser Angriff gegen Alabama mehr Punkte erzielte als in den zuvor drei Spielen gegen Teams aus den Power Five Conferences zusammen (32) passt auch nicht zu der gewohnten Defensivstärke der Saban-Ära.

All das sprach Saban nach dem Spiel selbst an. Es gäbe viel zu korrigieren und er hoffe, dass Mannschaft und Coaches aus dieser Erfahrung lernen, sagte er unter anderem. An den Ambitionen des Teams ändert diese Niederlage aber nichts, auch wenn der Spielraum für Ausrutscher mit dieser aufgebraucht ist und man die restlichen Gegner, von denen das zuletzt offensiv stark verbesserte Tennessee, Arkansas und der Lokalrivale Auburn die potenziell gefährlichsten sind, nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Gewinnt der Meister diese sechs Partien, dann ist die Zwischenstation SEC Championship Game geschafft. Ohne eine weitere Niederlage von Alabama kämen in der West Division weder Texas A & M noch Mississippi an Alabama vorbei. Und einer dieser Beiden wird auf jeden Fall selbst noch mindestens einmal verlieren, weil sie am 13. November direkt aufeinander treffen. Dazu kommt, dass Beide noch gegen Auburn spielen müssen (Texas A & M auf eigenem Platz, Mississippi auswärts) und Mississippi, das wegen seiner anfälligen Abwehr ohnehin kein wirklicher Playoff-Kandidat ist, auch noch bei Tennessee spielt (am kommenden Samstag).

Big Ten obenauf - vorerst

Ohne den Sieg der Aggies gegen Alabama wäre das eigentliche Top-Spiel, in dem die Big-Ten-Teams Iowa und Penn State als Dritter und Vierter der Top 25 aufeinander trafen, und der aktuelle Erfolg der Big Ten Conference als Ganzes das Gesprächsthema dieses Spieltages gewesen. Iowa gewann die Partie vor eigenem Publikum mit 23:20 und rückt in der Rangliste auf Platz zwei hinter Georgia vor, aber auch Penn State bleibt weiterhin in den Top Ten platziert. Und weil auch Ohio State (66:17 gegen Maryland), Michigan (32:29 bei Nebraska) und Michigan State (31:13 bei Rutgers) gewannen, besteht inzwischen die Hälfte der ersten Zehn der AP-Rangliste aus Mannschaften aus der Big Ten. So erfolgreich war die Conference schon lange nicht mehr. Dieser Erfolg hat allerdings auch eine Kehrseite: Er verringert die Chancen der Big Ten, ihren Champion in die Playoffs durchzubringen. Vier dieser Teams - Ohio State, Penn State, Michigan und Michigan State - spielen in der selben Division (East) und in den letzten fünf Wochen vor dem Conference-Finale alle noch gegeneinander. Damit ist so gut wie sicher, dass keiner dieser Vier ohne Niederlage durch dieses mörderische Restprogramm kommt, zumal Ohio State bereits eine Niederlage (gegen Oregon) auf dem Konto hat. Am "leichtesten" haben es in diesem Vierkampf Ohio State und Michigan State, weil sie zwei der drei direkten Duelle zu Hause bestreiten können. Und weil Ohio State trotz der Niederlage gegen Oregon immer noch als das talentiertesten dieser vier Teams gesehen werden muss, bleiben die Buckeyes erster Kandidat auf das Erreichen des Conference Championship Games.

Die besten Chancen, dort der Gegner der Buckeyes zu sein, hat nach dem Sieg am Samstag Iowa. Die Hawkeyes werden in ihre restlichen sechs Partien als zumeist klarer Favorit gehen. Die größte Gefahr droht ihnen im letzten Punktspiel Ende November bei Nebraska. Die Cornhuskers haben sich nach dem verpatzten Saisonstart mit der Niederlage bei Illinois in den letzten Wochen deutlich gesteigert und gegen Oklahoma, Michigan State und Michigan jeweils mit nur einem "Score" Differenz verloren. Iowa ist also gewarnt. Für den Einzug ins Big-Ten-Finale wird dieses Spiel wahrscheinlich keine Bedeutung mehr haben, weil Iowa zu diesem Zeitpunkt bereits als Erster der West Division feststehen wird. Mit Blick auf die Playoffs wäre es aber wichtig, ungeschlagen in das Duell mit dem Gewinner der East Division zu gehen. Als ungschlagener Big Ten Champion wäre man sicher in den Playoffs, und selbst bei einer Niederlage im Big Ten Championship Game, zum Beispiel gegen Ohio State, wäre der Einzug in die Playoffs noch möglich, wenn es denn die erste Niederlage wäre, diese nicht zu hoch ausfällt - und sich die Situation in den anderen Conferences günstig für die Big Ten entwickelt.

Der erste Kandidat der Big Ten für die Playoffs ist Iowa aber vorerst trotz des aktuellen Spitzenplatzes noch nicht. Das Team lebt von seiner starken Abwehr, vor allem in der Passverteidigung, den starken Special Teams und davon, dass es in der Regel die "Turnover Battle" gewinnt. Der Angriff ist für einen Playoff-Kandidaten aber eigentlich zu harmlos. Ein besonders auffälliges Manko ist, dass man häufiger als der Gegner Third-Down-Situationen überstehen muss, und das nicht nur gegen stärkere Gegner wie Penn State oder Iowa State sondern auch gegen die potenziell deutlich schwächeren Gegner. Zugegeben, gegen Penn State holte man sogar einen zwischenzeitlichen 14-Punkte-Rückstand noch auf, aber zur Wahrheit des Spiels gehört auch, dass Iowa dabei vom Ausfall von Penn States QB Sean Clifford nach dem Field Goal zur 17:3-Führung der Nittany Lions profitierte. Nach dessen Ausscheiden in der dritten Minute des zweiten Viertels holte Penn States Angriff im Rest des Spiels nur noch 67 Yards, und trotzdem brauchte es erst den längsten Spielzug der Partie, um Mitte des vierten Viertels zum ersten Mal seit dem frühen 3:0 wieder in Führung zu gehen (23:20). Head Coach Kirk Ferentz sieht aber auch einen solchen Spielverlauf pragmatisch. "Die Ziele sind jede Woche die selben: Am Ende im Ergebnis vorn zu liegen und sich zu verbessern. Und ein schweres Spiel wie dieses zu spielen, ist für uns eine gute Sache. Ich denke, das wird uns im weiteren Saisonverlauf helfen", so sein Fazit.

Hoch - 12.10.2021

WR Ainias Smith war mit zwei Touchdowns einer der Besten beim Sieg von Texas A &  gegen Alabama.

WR Ainias Smith war mit zwei Touchdowns einer der Besten beim Sieg von Texas A & gegen Alabama. (© Getty Images)

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