Wieder mit Heinicke

Taylor Heinicke soll erneut so stark spielen wie im Dezember gegen sein Ex-TeamDas Washington Football Team muss mehrere Wochen auf seinen Stamm-Quarterback Ryan Fitzpatrick verzichten. Der hatte sich (wie berichtet) bei der Auftaktniederlage gegen die Los Angeles Chargers an der Hüfte verletzt. Eine MRI-Untersuchung bestätigte jetzt eine Subluxation – also ein teilweises Ausrenken – des Hüftgelenks. Die Football Teamer setzten ihn auf die Injured Reserve Liste, wo er "wohl eine ganze Weile" bleiben muss. Minimum sind drei Spiele, die das Regelwerk vorschreibt, nach der ersten Diagnose wird das aber wohl nicht reichen.

Bislang überlegt man (offiziell) noch nicht, ob man zum Beispiel mit dem aktuell arbeitlosen Cam Newton Verhandlungen aufnimmt. Stattdessen bekommt erst einmal die Cinderella-Story von Taylor Heinicke ein weiteres Kapitel. Er wird die nächste Partie starten und Kyle Allen wird zum Backup befördert.

Heinicke hatte bereits in der Partie übernommen, als Fitzpatrick in der ersten Hälfte vom Feld genommen werden musste. Dabei kam er auf 11 angebrachte Pässe bei 15 Versuchen für 122 Yards und einen Touchdown.

Ähnlich war es ihm im Frühjahr ergangen: Als der damalige Starter Alex Smith in den Wild Card-Playoffs vor der Partie gegen die Buccaneers einige Stunden vor Spielbeginn aufgrund einer Verletzung offiziell abgemeldet worden war, schlug die Stunde des Backups; der war erst in der zweiten Dezemberwoche, nach weit über einem Jahr NFL-Pause, für die Practice Squad verpflichtet worden.

Er hatte am College bei der (footballtechnisch gesehen) bestenfalls zweitklassigen Old Dominion University gespielt; neben seinen guten Auftritten als Quarterback wurde er dort auch als Punter eingesetzt – eine mehr als ungewöhnliche Kombination. Anschließend wurde er 2015 jedoch nicht gedraftet und unterschrieb bei den Minnesota Vikings.

Weder dort noch bei den Patriots im Anschluss gab es Spielzeit für ihn, aber im Dezember 2017 durfte er für die Houston Texans erstmals aufs Feld. Das dauerte gegen die Steelers genau einen Snap, bevor er eine Gehirnerschütterung erlitt.

Am meisten Erfolg hatte er bei seiner zuvor letzten NFL-Station, den Carolina Panthers, wo er insgesamt sechsmal auflief und als Ersatz für den damals an der Schulter verletzten Cam Newton sogar einen Start bekam. Als er sich jedoch selbst verletzte und seine Bilanz dort gegen die Falcons (ein Touchdown und drei Interceptions) auch maximal durchwachsen war, endete der NFL-Traum vorerst.

Im Frühjahr 2020 stand er im Roster der St. Louis Battlehawks der XFL, sah dort jedoch nicht einmal das Feld, bevor die komplette Liga ihren Betrieb im April einstellte.

Heinicke belegte ein paar Onlinekurse an seiner Alma Mater Old Dominion, bevor sich Scott Turner, Offensive Coordinator Scott Turner, an ihn erinnerte. Sowohl zu Karrierebeginn in Minnesota als auch später bei den Panthers hatte man zusammengearbeitet. Durch die absolut nachvollziehbare Entlassung von Dwayne Haskins und die Verletzung von Alex Smith erfolgte ein fast kometenhafter Aufstieg für ihn in der US-Hauptstadt: In Woche 16 kam er als Backup aufs Feld und brachte 12 seiner 19 Passversuche mit einem Touchdown und keiner Interception an.

Dann erfuhr er ungefähr 24 Stunden vor Kickoff der Wild Card-Runde von Head Coach Ron Rivera, dass sein zweiter Start in der NFL, noch dazu gegen den übermächtigen Tom Brady, erfolgen würde. Der hatte schon mehr Touchdowns in Playoffspielen erworfen als Heinicke Passversuche in der NFL vorweisen konnte. Bei seinem kurzen Aufenthalt in New England 2017 hatten sich die Wege beider einmal für zwei Wochen gekreuzt.

Nach der 31:23 Niederlage Washingtons sprach jedoch jeder über Heinicke: Der hatte erst als fünfter ungedrafteter Quarterback der NFL-Geschichte in seinem ersten Playoffspiel mindestens 300 Yards (306) geschafft. Zudem war der mobile Heinicke mit 46 Rush Yards, darunter ein Hecht zum Touchdown, der Runner mit den meisten Yards seines Teams. Dabei renkte er sich die linke Schulter aus... und spielte nach kurzer Behandlung trotzdem weiter. Sein Team riss er damit noch einmal mit, auch wenn es am Ende knapp nicht reichte. Wide Receiver Terry McLaurin sprach sich quasi noch am Feld für eine Weiterverpflichtung von Heinicke aus.


Die klappte sehr zur Freude der Fans: Ein Vertrag über zwei Jahre kann ihm "bis zu" 8,75 Millionen Dollar bringen. Die absehbaren Starts jetzt erhöhen sicher sein Gehalt und womöglich kann er sich mit erneut starken Auftrittten als Starter "festspielen".

Carsten Keller - 13.09.2021

Taylor Heinicke soll erneut so stark spielen wie im Dezember gegen sein Ex-Team

Taylor Heinicke soll erneut so stark spielen wie im Dezember gegen sein Ex-Team (© Getty Images)

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