Freier Fall ohne Fallschirm

NCAA Präsident Mark Emmert soll seinen Job bis 2025 behalten, sofern die NCAA so lange noch existieren wird. Die NCAA als größter Hochschuldachverband der USA ist in diesen Tagen fast schon zu bemitleiden. Am 1. August erscheint das neue, 464 Seiten starke Manual Book, also das Buch welches unter anderem bisher stets die Verhaltensregeln zwischen NCAA und Studentensportlern, beziehungsweise Universitäten und Universitäten definiert hat. In diesem Jahr werden allerdings Teile des Buches bereits veraltert sein, bevor sie veröffentlicht werden.

So wurde im Kapitel 12 stets das Thema "Amateurism and Athletics Eligibility" auf 34 Seiten behandelt, welches mittlerweile komplett vom US Supreme Court als nicht mehr legal angesehen wird, obwohl diese 34 Seiten das Rückgrat der NCAA bisher überhaupt ausmachten. "Die NCAA implodiert gerade, stellte auch der ehemalige US-Congress Abgeordnete Tom McMillen, fest und meinte damit die mittlerweile lange Reihe von Klagen und Urteile, die der NCAA zu schaffen und vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung immer unbeliebter machen. Dazu gehörten in der Vergangenheit Bestrafungen von Universitäten und Spielern, die Reduzierung von Stipendien auf eine Höchstgrenze, regionale Gerichtsurteile in Kalifornien und Florida, die Bildung von Interessensgruppen innerhalb der Studentenschaft genauso wie die Klage von Ed O'Bannon, der an seinem Bildnis auf einem Basketballvideo mit verdienen wollte. Und am Ende der Schlacht, schlug schließlich der NCAA Präsident selbst vor, dass der College Sport dezentralisiert und in die Hände der Conferences und Universitäten gegeben werden sollte. Mehr Autorität kann man kaum in kürzester Zeit verlieren und es macht auch Sinn, einmal darüber nachzudenken, was als Nächstes passiert.

Es kann ein Wettbewerb zwischen den Conferences ausbrechen, schließlich waren die Power Five Conferences noch nicht einmal in der Lage, sich während der Pandemie Covid-19 auf ein einheitliches Vorgehen zu verständigen. Wer das attraktivste Deregulierungsmodell den Sportlern anbietet, der erhält auch am meisten Zuspruch von den besten Talenten des Landes. So könnten die Spieler einer Conference als Angestellte der Universität angesehen und von Spiel zu Spiel bezahlt werden. Diese Tarife werden dann von einer Spielergewerkschaft und der Conference vereinbart. Eine Folge, diverse Universitäten, die Wert auf ausbalancierte Bildungsstandards und Sportniveaus auch für Sportstudenten legen, werden sich aus diesem neuen Zirkus schnell verabschieden. Athletic Director Jack Swarbrick (Notre Dame) hat bereits vor sechs Jahren ein solches Szenario skizziert und erklärt, dass die Fighting Irish so einen Irrsinn nicht mit machen würden.

Verändern wird sich auf jeden Fall der Einfluß der Athleten. Sie werden zu Mitinhabern des Produktivitätskapitals und dürfen sich natürlich auch organisieren. Damit werden Sie praktisch zu Soloselbständigen, Lieferanten, oder vielleicht auch zu Mitarbeitern der Universität. Ihr Rechtsstatus muss aber noch genauer definiert werden. Welche Rolle die NCAA überhaupt noch spielen wird, ist ebenfalls unklar. Sie veranstaltet heute lukrative Endspielrunden, wie das Basketballturnier (March Madness) und wird sicherlich auch noch als Hüterin der Regelwerke und im Schiedsrichterwesen eine große Roll spielen und Einfluß auf die Division II und III behalten. Wie sich die 27 Conferences unterhalb der Power Five Gruppe ausrichten werden, ist bis heute ebenfalls noch unklar. Nicht jede Universität verdient Geld mit College Football und wird daher kaum die Mittel aufbringen können, die nun die College Athleten einfordern werden.

Die einflußreiche Knight Commission der John S. and James L. Knight Stiftung hat bereits damit begonnen, Szenarien zu entwickeln, wie die neue College Welt zukünftig aussehen soll. "Es gibt einige Personen, die planen bereits heute ganz ohne die NCAA. Sie soll noch ihre Endspiele veranstalten und alles andere den Conferences überlassen", so Amy Perko, CEP der Knight Commission. Sie kann sich wiederum auch vorstellen, dass die 130 Hochschulen der Division I, FBS Klasse, die alle Football als Sportart anbieten und die CFP Organisation komplett aus der NCAA austreten. "Löst College Football komplett aus dieser Sportfamilie heraus und parkt es irgendwo in einer neuen Organsation." Bob Bowlsby, Commissioner der Big 12 will so weit nicht gehen und befürchtet Anarchie, wenn sich jeder "Hans und Franz" neue Regeln für jede College Sportart ausdenkt, die irgendwann nicht mehr zueinander passen. Das Schicksal der NCAA bleibt somit bis auf Weiteres unklar. Für Spannung ist aber auch weiterhin gesorgt.

Schlüter - 20.07.2021

NCAA Präsident Mark Emmert soll seinen Job bis 2025 behalten, sofern die NCAA so lange noch existieren wird.

NCAA Präsident Mark Emmert soll seinen Job bis 2025 behalten, sofern die NCAA so lange noch existieren wird. (© Getty Images)

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