Einer will noch zurück

Antonio Brown konnte in Tampa Bay wieder feiernBekanntermaßen haben die Tampa Buccaneers alle 22 Starter ihrer Super Bowl Mannschaft bereits für nächstes Jahr wieder an Bord holen können; ein prominenter Name fehlt jedoch noch: Wide Receiver Antonio Brown ist immer noch Free Agent.

Das könnte, obwohl er eine für seine Verhältnisse ruhige Saison (unabhängig von den Statistiken) verlebte, auch an seiner bewegten Vorgeschichte liegen.

Brown wurde 2010 von den Pittsburgh Steelers in der sechsten Runde mit Pick 195 gedraftet, nachdem er am (footballtechnisch gesehen kleinen) College bei Central Michigan gespielt hatte. Bei den Steelers wurde er in seinem zweiten Jahr gleich für den Pro Bowl nominiert – insgesamt sollte er das noch sechs Mal schaffen.

Abgesehen vom folgenden Jahr, wo er auf lediglich 787 Yards (und fünf Touchdowns) kam, schaffte er es immer weit über die magische 1.000 Yards Marke; 2015 gelangen ihm unglaubliche 1.834 Yards.

Trotzdem gab es immer wieder einmal kleinere Geschichten abseits des Felds bei den in der Außenwirkung üblicherweise konstant ruhigen Steelers rund um ihn. Abgesehen von der Wahl ausgefallener Fahrzeuge zu Beginn des Training Camps fiel er erstmals im Januar 2017 richtig negativ auf: Nach einem Playoffsieg gegen die Kansas City Chiefs übertrug er die Ansprache von Head Coach Mike Tomlin aus dem "heiligen" Lockerroom über Facebook Live.

Ein absolutes Tabu, das ihm viel Kritik und eine 10.000 Dollar Strafe einbrachte.

In Pittsburgh eskalierte der Konflikt Ende 2018, als Wide Receiver Ju-Ju Smith-Schuster von den Mannschaftskameraden zum Team-MVP gewählt wurde; Brown war stinksauer, schwänzte das Training in der Woche vor dem letzten Spiel gegen die Bengals, als sein Team noch um die Playoffs kämpfte, und schließlich sogar die Partie.

Pittsburgh verpasste die Playoffs und Brown provozierte die Franchise mit immer seltsameren Videos und Botschaften, bevor die genervt im Frühjahr 2019 die Tradefreigabe erteilten. Die Oakland Raiders schlugen für einen Dritt- und einen Fünftrundenpick zu, waren aber nicht das einzig interessierte Team. Allgemein hielt man die Tradeausbeute deutlich zu niedrig für einen Top-Receiver wie Brown, schnell wunderte sich aber niemand mehr, warum die Steelers ihn um jeden Preis loshaben wollten.

Bei den Raiders kam er geistig nie richtig an – schnell reihte sich Skandal an Skandal. Er schaffte das Kunststück gleich zwei Gerichtsverfahren zu verlieren und schien dann klein beizugeben.

Als Brown erfuhr, dass er für vereinsschädigendes Verhalten mit einer Geldstrafe von 200.000 Dollar belegt wird und dadurch seine garantierten Vertragsbestandteile von 30 Millionen Dollar nicht mehr garantiert waren, forderte er eine Entlassung. Die Raiders hatten genug gesehen und entließen Brown. Keine 12 Stunden später wurde bekannt, dass die Patriots ihn unter Vertrag genommen hatten für 15 Millionen Dollar, davon neun garantiert.

Dort absolvierte er genau ein Spiel: Es wurden nämlich schwere Vorwürfe gegen Brown laut, dass er 2018 seine Fitnesstrainerin vergewaltigt haben soll. Es folgte eine Story des MMQB, die eine ganze Reihe weiterer unglaublicher Vorkommnisse schilderte. Der zivilrechtliche Prozess bezüglich der Vergewaltigungsvorwürfe ist auch jetzt immer noch nicht abgeschlossen.

Es folgte eine Sperre der NFL, aber die Buccaneers ließen sich – auch auf ausdrücklichen Wunsch von Ex-Mitspieler Tom Brady – davon nicht abschrecken. Brady ließ ihn zunächst sogar bei sich wohnen, um ihn wohl auch etwas in den richtigen Bahnen zu lassen.

Der Erfolg gab ihnen recht: Brown war zwar nicht mehr der dominante Superstar seiner Steelers-Zeit, aber ein wichtiger Ergänzungsspieler. In acht Spielen, von denen er die Hälfte startete, kam er auf 483 Yards und vier Touchdowns. In drei Playoffspielen kamen noch einmal 81 Yards und zwei Touchdowns dazu.

Streitpunkt bei ihm ist offensichtlich noch die Kompensation: Er erhielt im Vorjahr ungefähr zwei Millionen Dollar – ein absolutes Schnäppchen – und das vorliegende Angebot ist wohl auch nicht wirklich höher. Das ist natürlich erheblich weniger als früher, aber bei Instagram postete er trotzdem den Wunsch, zurückkehren zu dürfen. Aber wohl nicht zu jedem Preis. Angesichts seiner Vorgeschichte reißen sich vermutlich einige Teams nicht gerade um ihn, so dass eine Rückkehr durchaus noch wahrscheinlich ist. Nur nicht zu jedem Preis.


Carsten Keller - 06.04.2021

Antonio Brown konnte in Tampa Bay wieder feiern

Antonio Brown konnte in Tampa Bay wieder feiern (© Getty Images)

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