Wild, Wild, .. nur wo blieb der Westen?

QB Justin Fields (Ohio State)Mit dem National Championship Game am 11. Januar endet eine der bemerkenswertesten College Football Spielzeiten aller Zeiten und alle Beteiligten haben viel gelernt. Wollen wir hoffen, dass sie auch viel Gelerntes einen hoffnungsvollen Impfstoff in das neue Jahr 2021 mitgenommen haben.

College Football benötigt dringend einen Commissioner und eine neue Struktur. Während der NCAA Hochschuldachverband und ihr Präsident Mark Emmert schon seit geraumer Zeit beim College Football Spitzensport nicht viel zu sagen haben, von den Conferences quasi entmachtet wurden und an der Sideline nur zuschauen, so hat das Covid 19 Virus entlarvt, dass jede Conference unterschiedliche Testmethoden, unterschiedliche medizinische Protokolle, unterschiedliche Starttermine und unterschiedlich lang andauernde Spielzeiten anwendete. Schließlich musste das Selection Committee unterschiedliche Teams mit einer unterschiedlichen Anzahl an absolvierten Spielen bewerten und der Rose Bowl wurde erstmals nicht im Süden von Kalifornien, sondern in Texas vor natürlich einer spärlichen Anzahl von Spieler-Eltern und anderen Verwandten und Bekannten ausgetragen. Die Pac-12 startete schließlich so spät dass das Selection Committee den Westen kaum zu Notiz nahm. Was sollte nur der Meister aller Footballregelwerke, Walter Camp denken, wenn er dieses Chaos miterleben müsste. Er würde ein neues Regelwerk schaffen, neue Strukturen entwerfen und vor allem, einen neuen Gralshüter, beziehungsweise endlich einmal einen College Football Commissioner benennen, um Ordnung in das Chaos zu bringen.

Das Covid-19 Virus zeigte aber auch weitere Verbesserungsmöglichkeiten im College Football auf, an die in früheren Dekaden nie gedacht wurde. So zeigte Ohio State, dass es möglich, am gleichen Tag zum Zielort zu fliegen, sein Spiel zu gewinnen und am gleichen Abend wieder zurück nach Hause zu fliegen. Es zeigte auch, dass es möglich ist, mit nur 54 Spielern ein Auswärtsspiel zu bestreiten und trotzdem zu gewinnen (LSU vs. Florida). Erstmals wurden Coaches Gehälter reduziert, ohne dass es eine Kündigung durch einen Coach gab. Das hieß aber im Umkehrschluss nicht, dass Ende 2020 keine Coaches gefeuert wurden. Als es darum ging, Auburns Head Coach Gus Malzahn vor die Tür zu setzen, war keine Rede mehr von Finanzkrise und Sparzwängen aufgrund der größten Pandemie seit 100 Jahren. Auburn wird es rund 40 Millionen US-Dollar kosten, sich von Malzahn zu trennen und South Carolina wird 30 Mio US-Dollar aufwenden müssen, um das "Buy Out" von Will Muschamp zu finanzieren. Gerettet hat sich vorerst LSU Head Coach Ed Orgeron mit einem späten Sieg gegen Florida, der vor einem Jahr noch hoch gefeiert wurde und nun kleinlaut als erster Landesmeister in die College Football Geschichte eingehen wird, der nach einer meisterlichen Saison, die folgende Spielzeit mit nur fünf Siegen und fünf Siegen abschloss. Für diese Leistung mussten Defensive Coordinator Bo Pelini und einige andere Assistant Coaches gehen, doch Coach "O" durfte vorerst genauso bleiben, wie Michigans Jim Harbaugh, der wiederum seinen Defensive Coordinator Don Brown opferte.

Immerhin wurde aber auch Football gespielt und am Ende der regulären Saison ging es auch um die Conference Championship Games. In der Big 12 hat Oklahoma seinen sechsten Big12 Titel in Folge erobern können, tat sich aber beim 27:21 Erfolg erneut etwas schwer. Gegen die Cyclones gelangen den Sooners nach der Pause nur ganze drei Punkte, während sie zur Pause noch einen komfortablen 17 Punktevorsprung besaßen. Den entscheidenden Pass von QB Brock Purdy fing in der letzten Minute Tre Brown und schenkte den Sooners damit eine Teilnahme an einem New Years Six Bowl. Vor zwei Jahren hätte niemand in Norman geglaubt, dass Oklahoma in der Lage gewesen wäre, mit seiner Defensemannschaft, Conference Championship Games zu gewinnen. Defensive Coordinator Alex Grinch hat diesen utopischen Traum wahr gemacht.

Seinen mittlerweile vierten Big Ten Conference Titel hat Ohio State gegen Northwestern gewonnen. Doch auch den Buckeyes fiel dieser Erfolg nicht in den Schoß. Ohio State scorte seinen ersten Touchdown erst im dritten Viertel, als es die Führung zum 13:10 übernahm. QB Justin Fields erlebte somit keinen glanzvollen Abend und sein Team verwandelte erstmals nicht seinen Eröffnungsdrive in zählbare Touchdownpunkte, da eine Holdingstrafe verhängt wurde. Northwestern antwortete schnell mit einem Touchdown zur 7:3 Führung. Erst Graduate Transfer RB Rey Sermon rettete die Ehre von Ohio State. Seine beiden rushing Touchdowns und die sagenhaften 331 rushing Yards verbesserten den alten internen von Eddie George aus dem Jahr 1995 und Big Ten Championship Game Rekord um 17 Yards. Northwestern schaffte als Team nur 329 total Offense Yards.

Alabama hat seinen neunten SEC Titel gegen Florida in Atlanta im Mercedes-Benz Superdome mit 52:46 gewonnen und die SEC Saison ungeschlagen beendet. Crimson Tide Receiver DeVonta Smith sicherte zwei Minuten vor dem Ende einen Onside Kick von Florida, nachdem QB Kyle Trusk einen 22 Yard Touchdown-Pass auf Kyle Pitts warf und auch eine Conversion erfolgreich ausgespielt wurde. Spielentscheidend sollte diese Aktion aber nicht mehr werden, da zuvor bereits Alabamas QB Mac Jones mit einem 15 Yard Pass auf DeVonta Smith den 52:38 Zwischenstand uneinholbar herstellte. Star des Abends wurde auf jeden Fall Senior RB Najee Harris. Er eroberte 245 Yards und fünf Touchdowns und setzte mit seinem 54. Touchdown eine neue Bestmarke in den Statistikbüchern seiner Universität. Aber auch Florida zeigte sich gut erholt nach seiner Niederlage gegen LSU und bäumte sich nach einem 17:35 Pausenrückstand noch einmal auf, um sich so teuer wie möglich zu verkaufen. Die Gators scorten im dritten Viertel durch einen 50 Yard Catch von Trevon Grimes und einem Lauf über die kurze Distanz durch Nay’Quan Wright und im vierten Viertel durch einen ein Yard Lauf durch Dameon Pierce. Diese Leistungen brachten die Gators auf 38:45 an Alabama heran. Smiths 15 Yards Passfang setzte dann aber aus Sicht von Alabama den Schlussstein zum Sieg und den eindeutigen Einzug in die CFP-Playoffs zum sechsten Mal innerhalb von sieben Jahren.

Die sportliche Größe von Quarterback Trevor Lawrence zeigte sich in Charlotte im ACC Championship Game gegen Notre Dame auf eindrucksvolle Art und Weise. Mit einem 41 Yard Touchdown-Pass auf Receiver Travis Etienne im vierten Versuch und 21 Sekunden vor dem Pausenpfiff sorgte der Spielmacher für einen komfortablen 24:3 Vorsprung, den Clemson auch nicht mehr aus der Hand gab. Die Tigers gewannen letztlich verdient mit 34:10 und sicherten sich damit einen Platz in den CFP-Playoffs und den sechsten ACC Titel in Folge. Lawrence beendete 25 Pässe komplett und sicherte 322 passing Yards und warf zwei Touchdown-Pässe, während seine Lieblingsanspielstation Etienne im Rematch viel Raum vorfand, um über 124 Yards zu rushen und die entscheidenden Punkte zu erzielen.

In dieser Saison erlebten die College Football Fans aber auch eine Verfestigung von Verhältnissen. Am Ende erreichten die großen Namen die vier Playoff Plätze. Ohio State bekam seine Chance, weil eine Regel ausgesetzt wurde und Notre Dame nur aufgrund der Spielstärke des eigenen Programmes 2020. Die Group of Five Conferences mit dem ungeschlagenen Cincinnati genauso außen vor, wie Texas A&M, dass sich nur Alabama geschlagen geben musste. Vor dem Jahr 2025 wird es aber keine Änderungen und vor allem keine Vergrößerung des Playoff Teilnehmerfeldes geben. Bis 2025 läuft der Vertrag und für ESPN macht es auch gar keinen Sinn, den 7,2 Mrd. US-Dollar Vertrag zu zerreißen und einen teureren Preis im Zeitalter der Pandemie für ein paar Footballspiele mehr in leeren Stadien zu bezahlen.

Der Spätsommer 2020 zeigte auch, dass die unbezahlten Athleten viel mächtiger waren, als früher angenommen. Spieler und Eltern zwangen die Pay-12 und Big Ten dazu, den Spielbetrieb zu eröffnen, während Utah State Spieler sich weigerten gegen Colorado State zu spielen. Rund zwanzig Teams wollten nicht an einem Bowl Spiel teilnehmen, so dass über 16 Bowls gar nicht stattfanden konnten und ein Spieler brachte es auf den Punkt: "Wir sind ausgebrannt." Army und Navy verbrachten dagegen die meiste Zeit der Saison in Selbstisolation. Zu neuer Stärke fand schließlich die University of Alabama in Birmingham. Bei den Blazers fielen zunächst 31 Spieler pandemiebedingt aus. Dann gewannen sie ihre Division, später das Championship Game der Conference USA und das zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. 2015 wurde das Football-Programm eingestellt und 2017 zum Leben wieder erweckt. Im nächsten Herbst wird das neue Stadion eröffnet und vielleicht sind dann auch schon alle Footballspieler und Trainer, Schiedsrichter und Fans erfolgreich gegen Covid 19 geimpft, um 2021 die großen Football Stadien wieder prall aufzufüllen. Wer hätte diese vielen kleinen Tragödien, Geschichten und Anekdoten im Januar 2020 vorhersehen können?

Schlüter - 11.01.2021

QB Justin Fields (Ohio State)

QB Justin Fields (Ohio State) (© Getty Images)

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