Kein Finale der Herzen

Alabama und Ohio State bestreiten am 11. Januar in Miami das diesjährige National Championship Game und das ist, gemessen an dem, was sich in den beiden Halbfinals abgespielt hatte, völlig okay so. Beide waren ihren Gegnern so klar überlegen, dass am Ausgang der Spiele schon frühzeitig kein Zweifel mehr bestand. Alabama hatte Notre Dame beim 31:14-Erfolg im Rose Bowl schon von Beginn an fest im Griff, Ohio State musste beim 49:28 gegen Clemson im Sugar Bowl zwar mehr Widerstand brechen, spannte im zweiten Viertel aber einmal ordentlich die Muskeln an und war dann nach 21 im zweiten Viertel erzielten Punkten bei Halbzeit auch klar auf Endspiel-Kurs. Immerhin, ein Finale Alabama gegen Ohio State ist ein Novum in der siebenjährigen Geschichte der Playoffs, und die beiden am wenigsten attraktiven Endspiel-Konstellationen blieben der College-Football-Gemeinde erspart. Ein drittes Duell Clemson gegen Notre Dame innerhalb von zwei Monaten hätte die Masse der Fans wohl ebenso ungern gesehen wie zum vierten Mal in sechs Jahren Alabama gegen Clemson.

Ein Finale der Herzen wird aber auch die Partie Alabama gegen Ohio State wohl nicht sein. Nachdem das Playoff Selection Committee am 20. Dezember die vier Halbfinalisten bekannt gegeben hatte, herrschten eher Enttäuschung, Ernüchterung und Kritik vor statt Begeisterung - zumindest in der medialen Berichterstattung. Statt in dieser ungewöhnlichen Saison die Gunst der Stunde zu nutzen und mal weniger prominenten Playoff-Kandidaten wie dem ungeschlagenen Champion der American Athletic Conference, Cincinnati, oder dem zweitbesten Team der SEC, Texas & M, eine Chance zu geben, entschied sich das Gremium - mal wieder, muss man leider sagen - im Zweifel für die Kandidaten mit den großen Namen und dem großen Prestige und nicht für die mit dem besseren sportlichen "Resumee". Und so standen im diesjährigen Halbfinale nur Teams mit Playoff-Erfahrung von denen drei (Alabama, Clemson und Ohio State) fünf der bisherigen sechs Titel der Playoff-Ära gewonnen hatten.

Nach den Ergebnissen der letzten Tage verliert die Kritik an der diesjährigen Entscheidung des Playoff Selection Committees natürlich an Kraft. Mehr noch, Ohio States klarer Sieg gegen Clemson gepaart mit Cincinnatis 21:24-Niederlage gegen Georgia im Peach Bowl ein paar Stunden zuvor bestätigen das 13-köpfige Gremium geradezu, sowohl mit der Einschätzung, dass die Buckeyes eines der vier besten Teams sind (auch wenn sie das in der Regular Season gegen deutlich schwächere Gegner kein einziges Mal gezeigt hatten), als auch mit der Nicht-Berücksichtigung Cincinnatis, des besten Teams der Group of Five Conferences. Und wenn es jetzt noch, nach zwei Finals in Folge mit einseitigem Ausgang, mal wieder ein richtig packendes Endspiel geben sollte, dann wäre für das Playoff Selection Committee zumindest vordergründig alles im Lot. Die Kritik am jetzigen Playoff-System wird aber nicht verstummen, weil die Probleme bleiben.

Das Hauptproblem ist, dass es seit Einführung der Playoffs an der Spitze immer eintöniger geworden ist. Ein paar Teams qualifizieren sich immer wieder: Alabama, Clemson und Ohio State plus Oklahoma, das es dieses Mal zwar nicht schaffte, aber auch schon viermal dabei war. Und diese Teams dominieren dann auch die Spiele. Nur vier Teams haben bislang mehr als ein Playoff-Spiel gewonnen: wieder Alabama, Clemson und Ohio State plus der letztjährige National Champion LSU. Richtige Überraschungsmannschaften in den Playoffs gibt es auch nicht, abgesehen vielleicht von Michigan State 2015, das dann aber auch im Halbfinale gegen Alabama mit 0:38 glatt unterging. Dieses Problem wird inzwischen nicht mehr nur von frustrierten Fans oder von Journalisten gesehen. In einem Artikel von CBS Sports zu diesem Thema vor den diesjährigen Halbfinals wurde der Vertreter eines TV-Senders - anonym, versteht sich - so zitiert, dass es für die Playoffs nicht gerade hilfreich ist, wenn man die Teams, die am Ende der Saison für die Playoffs in Frage kommen, schon im August (also vor dem Saisonstart) an den Fingern einer Hand abzählen kann.

Ein weiteres Problem ist, dass die Playoffs noch nicht einmal die Erwartung nach spannenden Spielen auf hohem Niveau erfüllen. Gewiss, die ersten beiden Duelle Alabama gegen Clemson (2015 und 2016), das Finale Alabama gegen Georgia 2017 sowie das Halbfinale Georgia gegen Oklahoma 2017 lieferten Spiele der Kategorie "Instant Classic", aber drei der Endspiele und nahezu alle Halbfinal-Begegnungen waren eben auch alles andere als spannend. Insgesamt wurden die 18 Playoff-Partien der Jahre 2014 bis 2019 mit durchschnittlich knapp 19 Punkten Differenz entschieden, und in den beiden diesjährigen Halbfinals wurde es mit 21 und 17 Punkten Differenz nicht besser.

Diese Entwicklungen sowie die zusätzliche Schwachstelle, dass die Champions der Group of Five Conferences praktisch keine Chance haben, für die Playoffs berücksichtigt zu werden, führen offenbar zu sinkendem Interesse der Fans an den Playoffs. Laut dem bereits erwähnten CBS-Sports-Artikel sind die TV-Einschaltquoten der Playoffs zwischen 2014 und 2018 um 25 Prozent zurückgegangen. Das schmerzt sowohl die TV-Sender als auch die FBS Conferences, die die Playoffs als GmbH betreiben, weil es sie Geld kostet. All jenen, die sich eine baldige Erweiterung der Playoffs wünschen, möglichst vor Ablauf des derzeitigen, noch fünf Jahre laufenden TV-Vertrages, spielt es dagegen in die Hände. In ihrer jetzigen Form sind die Playoffs jedenfalls nicht attraktiv genug und das können die Conference Commissioners nicht länger ignorieren.

Hoch - 04.01.2021

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Ohio State Buckeyes

1.000

5

0

1.000

5

0

233

:

116

Indiana Hoosiers

.857

6

1

.857

6

1

211

:

136

Maryland Terrapins

.400

2

3

.400

2

3

118

:

160

Penn State Nittany Lions

.375

3

5

.375

3

5

212

:

228

Rutgers Scarlet Knights

.333

3

6

.333

3

6

240

:

289

Michigan Wolverines

.333

2

4

.333

2

4

170

:

207

Michigan State Spartans

.286

2

5

.286

2

5

126

:

246

Northwestern Wildcats

.857

6

1

.857

6

1

177

:

102

Iowa Hawkeyes

.750

6

2

.750

6

2

254

:

128

Wisconsin Badgers

.500

3

3

.500

3

3

134

:

94

Minnesota Golden Gophers

.429

3

4

.429

3

4

191

:

211

Nebraska Cornhuskers

.375

3

5

.375

3

5

185

:

235

Purdue Boilermakers

.333

2

4

.333

2

4

163

:

179

Illinois Fighting Illini

.286

2

5

.286

2

5

140

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223

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