Covid-19 dünnt das Programm aus

Wisconsin gewann nach zweiwöchiger COVID-19-Zwangspause bei Michigan souverän und verschärfte damit die Krise bei den Wolverines.Der letzte Spieltag war nicht unbedingt der prickelndste im bisherigen Saisonverlauf, aber mal abgesehen davon, dass man sich in Zeiten der Corona-Pandemie über jedes Spiel freuen sollte, das überhaupt stattfindet, hatte auch er das eine oder andere Highlight zu bieten. Den 25:24-Erfolg des Ranglisten-Neunten Miami bei Virginia Tech müsste man zuerst nennen, ein Spiel, das fast nicht stattgefunden hätte, weil bei Miami Corona-bedingt 13 Spieler ausgefallen waren. Eine Niederlage eines Top-25-Teams gab es auch, in Gestalt von Tulsas 28:24-Sieg gegen SMU - nach 0:21-Rückstand. Ebenso weitere packende Aufholjagden, zum Beispiel von Oregon (43:29 bei Washington State dank 22 Punkten im vierten Viertel), USC (34:30 bei Arizona mit einem Touchdown 25 Sekunden vor Spielende) und North Carolina (59:53 gegen Wake Forest mit Hilfe von 28 Punkten im letzten Viertel). Und der Höhenflug der bislang größten Überraschung, Indiana, hielt mit einem 24:0-Sieg bei Michigan State auch an und sorgt dafür, dass das Spiel der Hoosiers am Samstag bei Ohio State das Top-Spiel des kommenden Spieltages sein wird.

Getrübt wurde die Freude aber dadurch, dass die Corona-Pandemie, die in den USA ständig für neue Höchststände bei den Neuinfektionen sorgt, jetzt auch im College Football voll durchschlägt. Spielausfälle hatte es ja die ganze Saison über gegeben, aber bis Ende Oktober waren es immer nur wenige Spiele gewesen. Am ersten November-Wochenende war die Anzahl der verlegten oder gleich komplett abgesagten Spiele dann auf neun angestiegen, und an diesem Wochenende waren es gar 15 Partien, die wegen des Infektionsgeschehens in den Teams nicht stattfinden konnten. Darunter waren auch die Spiele von drei der ersten Fünf der AP Top 25. Das Spiel des Spitzenreiters Alabama bei LSU konnte nicht stattfinden, ebenso das Gastspiel des Dritten Ohio State bei Maryland und das des Fünften Texas A & M bei Tennessee. Das Problem daran: Nur einen Teil dieser Spiele (und der zuvor schon abgesagten) wird man später nachholen können. In der Big Ten Conference und der Pac-12 Conferences fallen die ausgefallenen Spiele ganz weg, weil es bis zum Wochenende vor Weihnachten, an dem die Conference Championship Games gespielt werden, keine freien Wochenenden gibt, an denen man Spiele nachholen könnte.

Und das kann Konsequenzen bei der Vergabe der vier Plätze in den nationalen Playoffs haben. Wie würde das Playoff Selection Committee verfahren, wenn es zum einen in der SEC und der ACC je zwei Teams mit einer Niederlage in der Bilanz gibt (im Moment ein wahrscheinliches Szenario), bei elf (SEC) beziehungsweise 12 Spielen (ACC) der Kandidaten, während die Champions von Big Ten und Pac-12, selbst wenn sie ohne Niederlage blieben, im Extremfall bis zu sechs Spiele weniger bestritten hätten? Ohio State etwa kann nach der Absage des Maryland-Spiels maximal noch auf acht Spiele kommen, inklusive Big Ten Championship Game. Würde eine 8-0-Bilanz reichen, um Teams mit 11-1- oder 10-1-Bilanzen hinter sich zu lassen? Und wenn ja, wäre das sportlich gerecht, angesichts eines Programms der Buckeyes, das deutlich leichter ist als das der Playoff-Kandidaten aus SEC und ACC, vor allem auch wegen des Absturzes von Penn State und Michigan, die vor der Saison als härteste Konkurrenten von Ohio State in der Big Ten gegolten hatten?

In der SEC sind die bisherigen Spielabsagen auf andere Art ein Problem und sogar noch kniffliger. Die SEC hat zwar in ihren Spielplan ein Wochenende, dass des 12. Dezember, als möglichen Termin für nachzuholende Partien eingebaut, aber wenn Teams von mehreren Spielabsagen betroffen sind, dann geht die Rechnung nicht mehr auf. Und das ist bei LSU passiert, das ausgerechnet die Spiele gegen die beiden aussichtreichsten Playoff-Kandidaten der SEC, Alabama und Florida, nicht bestreiten konnte. Letztere brauchen eigentlich jedes Spiel, aber nur einer kann am 12. Dezember gegen LSU spielen. Im Falle von Alabama haben zudem auch andere Teams ein Interesse daran, dass die Partie des Rekordmeisters in Baton Rouge noch stattfindet. Sollte Alabama am 28. November das Lokalderby gegen Auburn verlieren, dann könnten im Falle einer weiteren Niederlage von Alabama entweder Texas A & M (zurzeit eine Niederlage, gegen Alabama) oder Auburn selbst (zurzeit zwei Niederlagen) in der West Division noch an Alabama vorbeiziehen. Ein Wegfall des Spiels bei LSU würde Alabama, das nach dem Spiel gegen Auburn am 5. Dezember noch bei Arkansas spielt, also begünstigen, weil damit das Risiko einer weiteren Niederlage wegfallen würde. Wie die SEC dieses Dilemma auflösen würde, wird sich natürlich erst in den kommenden Wochen zeigen. Florida bräuchte mit Blick auf die Situation innerhalb der Conference das Nachholspiel wahrscheinlich nicht. Die Gators müssten noch mindestens dreimal verlieren, damit ihr Verfolger in der East Division, Georgia, noch an ihnen vorbeikommen kann. Sollten sie also ihre nächsten beiden Spiele bei Vanderbilt (21. November) und gegen Kentucky (28. November) gewinnen, dann wäre ihnen Platz eins in der Division und der Einzug ins SEC Championship Game nicht mehr zu nehmen. In diesem Fall wäre das Spiel gegen LSU verzichtbar. Ob all das so eintreffen wird, ist aber Moment ungewiss. Wer weiß, wie viele Spiele noch ausfallen und welche Szenarien sich daraus ergeben werden.

Schlimmer geht (n)immer

Ein anderes, allerdings auch wenig erbauliches Thema des letzten Spieltages war der oben schon kurz erwähnte weitere Absturz von Penn State und Michigan, denen man vor der Saison zugetraut hatte, dem Top-Favoriten in der Big Ten, Ohio State, gefährlich werden zu können. Für Beide geht es inzwischen nur noch darum, die Saison anständig zu beenden. Penn State kassierte am Samstag mit dem 23:30 bei Nebraska die vierte Niederlage im vierten Spiel, Michigan zu Hause gegen Wisconsin mit 11:49 die dritte Niederlage in Folge. Besonders erschreckend war das Auftreten von Michigan. Der Mannschaft unterliefen bei ihren ersten beiden offensiven Spielzügen der Partie Interceptions - im ersten Fall durch einen von einem Verteidiger abgelenkten Pass, im zweiten durch einen klaren Fehler von QB Joe Milton - und kassierten jeweils einen Touchdown zum schnellen 0:14-Rückstand. Danach fiel das durch die Niederlagen gegen Michigan State und Indiana verunsicherte Team in sich zusammen. Es gab keinerlei Aufbäumen, obwohl in dieser Saison schon mehrfach, auch an diesem Spieltag, andere Teams gezeigt hatten, dass man noch viel höhere Rückstände aufholen kann.

Die verherende Zwischenbilanz und die Aussicht, dass die Wolverines wahrscheinlich nicht mal mehr eine ausgeglichene Abschlussbilanz erreichen werden, erhöht den Druck auf Head Coach Jim Harbaugh. Der coacht das Team im sechsten Jahr und war nach der Saison 2014 mit der Hoffnung geholt worden, dass die Wolverines unter seiner Führung wieder Anschluss an die Spitze im College Football finden, nachdem sie unter seinen beiden Vorgängern Rich Rodriguez (2008 bis 2010, Bilanz 15-22) und Brady Hoke (2011 bis 2014, Bilanz 31-20) ins Mittelmaß abgerutscht waren. Mit Harbaugh wurde es zwar in der Tat etwas besser (drei Ten-Win Seasons in seinen ersten vier Jahren), aber ein Playoff-Kandidat waren sie nie, und in der Big Ten kommt das Team einfach nicht an den Erzrivalen Ohio State heran. Vor allem letzteres nimmt ihm das Umfeld in Ann Arbor übel. Michigan hat vor allem das Problem, dass man seit dem Karriere-Ende des einstigen Head Coaches Lloyd Carr (1995 bis 2007), unter dessen Führung die Wolverines regelmäßig an der Spitze mitmischten und 1997 ihre letzte National Championship gewonnen hatten, nicht mehr so viele Top-Talente aus den High Schools anziehen wie früher. Wenn eine solche Entwicklung über viele Jahre läuft, verliert man irgendwann zwangsläufig den Anschluss, und das lässt sich dann nicht einfach mit einen Wechsel des Head Coaches innerhalb von ein, zwei Jahren umkehren. Dieser Trend lässt sich auch mit Zahlen belegen. Während des Wisconsin-Spiels am Samstag blendete der übertragende TV-Sender dazu eine interessante Statistik ein: Unter Lloyd Carr brachte Michigan 28 All-Americans, also Spieler, die in die All-Star-Teams der Saison gewählt wurden, hervor, seit Carrs Abgang nur noch elf. An dieser Entwicklung hat sich auch unter Harbaugh nichts geändert. Und wenn es am Ende einer schon jetzt verkorksten Saison für ihn wieder nicht zu einem Sieg gegen Ohio State reicht, dann dürfte es für ihn eng werden.

Dem gegenüber hat Penn State kein substanzielles Problem sondern vor allem ein Ausführungs- oder Umsetzungsproblem. Klar schlechter als der Gegner war man nur bei der Niederlage gegen Ohio State im zweiten Spiel. In den übrigen Spielen machte man sich aber vor allem selbst das Leben schwer. Gegen Indiana und Nebraska, als man jeweils mehr als 200 Yards mehr holte als der Gegner, trugen Ballverluste, in deren Folge die Gegner jeweils zehn Punkte erzielten, maßgeblich zur Niederlage bei, und bei der Heimniederlage gegen Maryland waren die Nittany Lions vor allem zu Beginn völlig von der Rolle, als sie zunächst ziemlich sinnfrei beim ersten Ballbesitz einen vierten Versuch an Marylands 7-Yard-Linie ausspielten und scheiterten, sich dann zwei zu kurz geratene Punts leisteten und in der Abwehr zwei lange Touchdown-Pässe (42 und 62 Yards) zu einem frühen 0:14-Rückstand kassierten. Das sind Dinge, die sich abstellen lassen. Natürlich wird das die Saison für Penn State nicht mehr wirklich retten, aber das Potenzial, die letzten vier Spiele zu gewinnen, hat das Team. Die Gegner in diesen sind: Iowa, Rutgers, Michigan State und Michigan.

Hoch - 16.11.2020

Wisconsin gewann nach zweiwöchiger COVID-19-Zwangspause bei Michigan souverän und verschärfte damit die Krise bei den Wolverines.

Wisconsin gewann nach zweiwöchiger COVID-19-Zwangspause bei Michigan souverän und verschärfte damit die Krise bei den Wolverines. (© Getty Images)

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