Nur noch Meister auf Abruf

LSUs Head Coach Ed Orgeron braucht nach dem verpatzten Saisonstart am Samstag bei Florida dringend einen Sieg.Die Saison 2020 ist noch nicht einmal zur Hälfte gespielt, aber schon jetzt ist klar, dass der letztjährige National Champion LSU nur noch ein Meister auf Abruf ist. Nach der 41:45-Niederlage bei Missouri, der zweiten in den ersten drei Spielen, ist theoretisch noch nicht alles verloren. Das Restprogramm bietet ausreichend Gelegenheit zur Rehabilitation. Mit Siegen gegen Alabama, bei Florida, Texas A & M und Florida und einem Erfolg im SEC Championship Game (wahrscheinlich gegen Georgia oder erneut Florida) könnten die Tigers auch mit zwei Niederlagen noch in die Playoffs schlüpfen. So viel zur theoretischen Chance. Man könnte es auch reines Wunschdenken nennen. Realistischer ist, dass LSU angesichts des strammen Restprogramms Mühe haben wird, überhaupt eine positive Bilanz zu erreichen. Angesichts der bisher gezeigten Leistungen werden die Tigers wohl nur in zwei ihrer letzten sieben Spiele als Favorit gehen, am 24. Oktober gegen South Carolina und am 21. November bei Arkansas.

Den Tigers droht schon am kommenden Samstag der nächste Tiefschlag, wenn sie bei Florida erneut gegen ein Team spielen, das seine Stärken im Passspiel hat. Da ist es nicht unwahrscheinlich, dass die schon gegen Mississippi State (623 kassierte Pass-Yards) und Missouri (430 kassierte Pass-Yards) arg gebeutelte Abwehr ein weiteres Mal mit Pässen ordentlich gerupft wird. Wenn schon ein College-Neuling, der sein erstes Spiel von Beginn an machte (Missouris QB Connor Bazelak) 85 Prozent seiner Pässe an den Mann bringen und damit über 400 Yards und vier Touchdowns holen konnte, was droht dann erst gegen Floridas Kyle Trask, den viele für den zurzeit besten Quarterback in der SEC halten? Das Bittere an der Situation für LSU: Eigentlich hatte man erwartet, dass der Titelverteidiger nach dem Verlust von QB Joe Burrow, WR Justin Jefferson und RB Clyde Edwards-Helaire (jetzt in der NFL) sowie WR Ja’Marr Chase (setzt die Saison aus) eher in der Offensive Probleme haben wird. Das ist aber gar nicht mal der Fall. Myles Brennan schlägt sich bis jetzt als Burrow-Nachfolger besser als erwartet, und Terrace Marshall, der beste Wide Receiver im bisherigen Saisonverlauf, sowie das Super-Talent Arik Gilbert auf der Tight-End-Position, gleichen den Verlust von Chase und Jefferson weitgehend aus. Das reicht im Grunde, auch wenn das Laufspiel noch schwächelt, was aber weniger an den Running Backs als viel mehr an der umgekrempelten Offensive Line liegt.

Massive Probleme hat LSU dagegen in der Abwehr, die nach der Saison 2019 auch viele Stammspieler verloren hatte, aber in den letzten Jahren nahezu jeden verlorenen Top-Spieler hatte ersetzen können. In der Saisonvorbereitung hatte Head Coach Ed Orgeron mal gesagt, dass die Abwehr in einer besseren Verfassung sei als zu irgendeinem Zeitpunkt in der letzten Saison. Das war schon damals eine steile These, aktuell wirkt sie völlig daneben. Die "Front Seven" machen schlicht zu wenig Druck an der Linie, und im umformierten Defensive Backfield, in dem der beste Mann, CB Derek Stingley, gegen Missouri spielte, obwohl er offensichtlich angeschlagen war, herrschte bei den beiden Niederlagen heilloses Durcheinander. Dazu kam in einigen Szenen einfach schlechtes Tackling, nicht nur im Defensive Backfield. Die Frage ist, ob all das eher an der Unerfahrenheit und der Qualität der nachgerückten Spieler liegt oder am Spielsystem des neuen Defensive Coordinators Bo Pelini. Die Fehler im Tackling sind natürlich individuelle Fehler, aber die Häufigkeit der falschen Zuordnung in der Passverteidigung sowie die Unfähigkeit, Druck auf den gegnerischen Quarterback zu machen, stellen eher Pelinis Konzept in Frage. Ein Kommentator von CBS Sports gab nach der Missouri-Pleite jedenfalls schon mal die Tonlage vor, auf die sich Orgeron und Pelini für die nächste Zeit einstellen müssen. Im Vergleich zu Pelinis Vorgänger Dave Aranda (jetzt Head Coach bei Baylor) postulierte der Mann kurz und knackig: Bo Pelini "just doesn’t have it".

Sich jetzt schon auf Pelini einzuschießen, ist ein Stück weit unfair, eine glückliche Wahl war er aber vielleicht von vornherein nicht. Der knapp 53-jährige war lange Zeit ein angesehener Defensive Coordinator und war in dieser Funktion auch an LSUs Titelgewinn in der Saison 2007 maßgeblich beteiligt. Als er 2008 den nächten Schritt auf der Karriere-Leiter machte und den Posten des Head Coaches bei Nebraska übernahm, begann sein Image aber nach und nach zu leiden. In den sieben Jahren unter seiner Führung holte Nebraska zwar immer neun oder zehn Siege, in dieser Zeit verlor der fünfmalige National Champion aber auch immer mehr den Anschluss an die Spitze des College Footballs. Und die sich anschließenden fünf Jahre als Head Coach des FCS-Teams Youngstown State (Bilanz: 33-28) haben Pelinis Image auch nicht gerade gut getan. Damit ist er in der aktuellen Krise für das erfolgsverwöhnte Umfeld von LSU natürlich die ideale Zielscheibe für Schuldzuweisungen.

Jetzt ist aber erstmal Schadensbegrenzung angesagt. Orgeron bezeichnete die Leistung seiner Abwehr am Samstag als "embarrasing" und forderte: "Wir müssen das reparieren". Das ist leichter gesagt als getan. Wenn es die Defensive Linemen allein nicht schaffen, an der Linie genug Druck aufzubauen, dann bleibt eigentlich nur, mit ständigen "Blitzes" von Linebackern und Defensive Backs zu arbeiten. Das setzt andererseits das bislang ohnehin schon überforderte Defensive Backfield weiter unter Druck, zumal man es gegen Florida mit zwei der bislang besten Passempfänger dieser Saison, TE Kyle Pitts und WR Kadarius Toney, zu tun bekommt. Orgeron forderte am letzten Samstag unter anderem auch, dass Spieler und Trainer in sich gehen und ihre Leistungen selbskritisch überprüfen sollten. Damit sugeriert er, dass die schlechte Vorstellung eher an persönlichen Dingen wie Einstellung und Einsatzbereitschaft gelegen hätte. Wenn dem so wäre, dann könnte man die Krise in der Tat mit "some soul searching" (O-Ton Orgeron) bewältigen. Eine ähnliche Situation hatte es im Übrigen in der letzten Saison auch gegeben - mit dem Spiel gegen Mississippi Mitte November, das man trotz einer katastrophalen Vorstellung der Abwehr immerhin noch gewonnen hatte. Nach diesem Schock steigerte sich die Abwehr deutlich, und rückblickend könnte man sagen, dass erst danach aus einer Top-Mannschaft eine Ausnahmemannschaft wurde. Dieses Mal hängt die Messlatte viel tiefer. Jetzt geht es erst einmal darum, dass aus dem erwarteten "drop-off" gegenüber 2019 nicht ein totaler "crash" wird.

Hoch - 13.10.2020

LSUs Head Coach Ed Orgeron braucht nach dem verpatzten Saisonstart am Samstag bei Florida dringend einen Sieg.

LSUs Head Coach Ed Orgeron braucht nach dem verpatzten Saisonstart am Samstag bei Florida dringend einen Sieg. (© Getty Images)

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