1992: Krisen kommen - Krisen gehen

Der Georg M. Tschurer WanderpokalWie anfällig für Krisen in den Jahren 1992 und 1993 die deutsche und europäische American Football Organisation aufgestellt war, bewiesen die Vorgänge des Sommers 1992, die erst im Frühjahr 1993 beendet werden sollte. Die eigentlich erfreuliche Tatsache, dass der seinerzeit amtierende AFVD Präsident Georg M. Tschurer zum Präsidenten des damaligen europäischen Verbandes EFL gewählt wurde, bescherte dem Düsseldorfer nur wenig Freude. Zunächst musste er sich um die austrittswilligen Briten kümmern und nur wenige Wochen später seinen Hut als AFVD Präsident nehmen, da am 12. September auf einer außerordentlichen Bundesversammlung eine neue Satzung verabschiedet wurde. Die Delegierten beschlossen, dass ein AFVD-Präsident keine weiteren Ämter in einer höherwertigen Football-Organisation ausüben dürfe. Neuwahlen, waren mangels Masse allerdings nicht möglich, da sich kein Kandidat finden ließ. Die Vakanz sollte dem AFVD nicht gut bekommen, da durch das Fehlen eines Präsidenten das Schiff zu schlingern anfing und lange Zeit nicht fest stand, wo der German Bowl 1993 ausgetragen werden würde.

Erst Ende März 1993 wurde in Fulda ein neuer "Lotse" an Bord genommen. Den Vorzug erhielt der Geschäftsführer der Munich Cowboys und Vizepräsident Sport des AFV Bayern Wolfgang Büchner. Gleichzeitig wurden mit Helene Busse, Präsidentin des AFV Bayern, und Rüdiger Labenski, dem 2. Vorsitzender des AFV Berlin, zwei neue Vizepräsidenten gewählt, so dass ein nach der alten Satzung (ohne die im September 1992 in München beschlossenen Änderungen) ein komplettes Präsidium wieder im Amt war. Büchner wurde mit 146 von insgesamt 255 Stimmen gewählt. Bei der Abstimmung unterlag Gegenkandidat Roland Wingenroth, Präsident des AFV Nordrhein-Westfalen, der die restlichen 109 Stimmen auf sich vereint hatte. Für Büchner votierten die Landesverbände Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nord (Bremen) und Saarland. Die Delegierten Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Berlins stimmten für Wingenroth. Krankheitsbedingt hatte der AFV Hamburg nicht an der Bundesversammlung teilgenommen. Einvernehmlich hatten die Delegierten die Abstimmung durchgeführt, ohne dass die Gesamtvorstands-Mitglieder (wie die Vorsitzenden der Ausschüsse) stimmberechtigt waren, da nicht geklärt werden konnte, ob ein solches Stimmrecht nach der alten Satzung gegeben war. Beide Kandidaten hatten kurz Gelegenheit, ihr "Programm" vorzustellen. Beide waren sich einig, dass alle Landesverbände des AFVD "an einem Strang" ziehen müssten. Unterschiede gab es in der Gewichtung der zu lösenden momentanen Aufgaben. Büchner stellte die Ordnung der Finanzen über alle anderen Aufgabengebiete. Wingenroth setzte die Prioritäten anders. Für ihn wären im Fall der Wahl zunächst der German Bowl 1993, dann die Nationalmannschaft und erst danach die Finanzen wichtig gewesen.

Im Footballjahr 1992 klärten sich übrigens zwei weitere Fragen. Die Entscheidung über die Zukunft der Herren Football Nationalmannschaft besaß dabei auch eine Signalwirkung für die kommenden Jahrzehnte. Eine erste deutsche Nationalmannschaft in der Sportart American Football trat bereits 1981 erstmals gegen Italien vor fast 20000 Zuschauer an. 1983 führte die kurz zuvor gegründete EFL die Europameisterschaft der Nationalteams ein. Deutschland belegte damals auf Anhieb einen dritten Platz und besiegte Frankreich mit 27:20 im "kleinen Finale". Zwei Jahre später wurde dieser Erfolg wiederholt und 1987 verlor die deutsche Auswahl im Finale in Finnland gegen Italien mit 22:24. 1989 reichte es im eigenen Land wieder "nur" zum dritten Platz". Danach verschwand das Thema Nationalmannschaft aufgrund von hausgemachten Finanzierungsschwierigkeiten zeitweise von der Agenda. 1991 nahm Deutschland nicht an der EM 1991 teil. Am Tag nach dem German Bowl des Jahrgangs 1992 traf sich nun der Verwaltungsrat der AFVD, also das damalige Gremium der Landesfachverbände, in Hannover und beschloss, zu einem Sichtungslehrgang zusammen zu ziehen. Als Ziel wurde das Erreichen der EM Endrunde 1993 in Ischia / Italien definiert, dieses setzte jedoch voraus, dass die Qualifikationsrunde überstanden werden würde, zudem mit Frankreich und Österreich als Gruppengegner zwei "dicke Brocken" warten würden. Fixiert wurde auch schon der Termin für das erste Spiel gegen Österreich. Die Berliner Radrennbahn in Schöneberg sollte am 1. November der Schauplatz der Wiedergeburt der Herren Nationalmannschaft werden. Dass bis dahin die Kommunikation zwischen Deutschland und Österreich nicht ganz so reibungslos wie heute abliefen, zeigten auch die folgenden Ereignisse.

Ende Oktober verdichteten sich die Gerüchte, dass Österreich die Meinung vertrat, dass Deutschland kampflos aus der EM-Qualifikation ausgeschieden sein. Gegenüber dem AFV Berlin Präsidenten und Huddle-redakteur Wolfgang Wilke bekräftigte der damalige AFBÖ-Präsident Raabe telefonisch diese Meinung. Letztlich nahm Österreich nicht am Endrundenturnier 1993 in Bergamo teil. Aus deutscher Sicht wurde kurzfristig umdisponiert und noch in der Kalenderwoche 45 ein Testspiel gegen die Wiesbaden Flyers, einem US-Air Force Team vereinbart. Am Ende stand ein 40:6 zugunsten der Deutschen in einer Partie zwischen zwei Welten, die zuvor so selten aufeinandergeprallt waren, auf dem Papier.

Ebenfalls Neuland betraten im German Bowl 1992 die Munich Cowboys nach 14 Jahren Bundesligaligamitgliedschaft. Erstmals trat das "Grand old team of the South" in einem deutschen Endspiel an, welches auch nur ganz knapp erreicht wurde. Wenige Sekunden waren im Halbfinale gegen die Cologne Crocodiles noch zu spielen, da gelang den Munich Cowboys vor 3500 Zuschauern der ersehnte Sprung in das Finale mit einem Touchdown Pass gegen den noch amtierenden Vizemeister aus der Domstadt. Beim zweiten Halbfinale in Berlin gab es sogar eine Verlängerung, in der die Düsseldorf Panther den Titelverteidiger in der dritten Serie des Tie Breakers aus dem Wettbewerb und damit vom Thron stießen. Den 14. German Bowl gewannen im Niedersachsenstadion zu Hannover vor 8750 Zuschauern die Düsseldorf Panther. Nach 1983, 1984 und 1986 war dieses der vierte deutsche Titel für den rheinischen Traditionsverein. Nach anderer Lesart wäre es sogar die sechste Meisterschaft gewesen, nachdem die Panther 1980 und 1981 in der damaligen Konkurrenzliga des AFV/NRW Erfolge feierten. Walter Rohlfing, der damalige Defensive-Coordinator der Panther erinnerte sich damals treffend über die zeitweise geteilten Zustände: "Für mich gibts für das Jahr 1981 eigentlich gar keinen echten deutschen Meister. Wir wollten damals gegen Ansbach spielen, aber die wollten nicht. Keiner kann wissen, wie das damals ausgegangen wäre."

Schlüter - 04.09.2020

Der Georg M. Tschurer Wanderpokal

Der Georg M. Tschurer Wanderpokal (© Tillmann)

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