Vor 10 Jahren: Japan besucht Düsseldorf - Kiels Sternstunde

Die Power Party vor der ESPRIT-Arena am 24.04.2010.  Das deutsche Footballjahr 2010 sollte ein ganz besonderes mit vielen Ereignissen und Sportevents werden. Zu den Höhepunkten der Saison 2010 gehörte vor allem die Europameisterschaft im eigenen Lande und ein angemessenes Vorbereitungsspiel gegen ein wirklich renommiertes Footballteam. Von den sogenannten Großen Drei im Welt-Football - USA, Japan und Mexiko - fehlte der deutschen Mannschaft eigentlich nur noch eine Begegnung gegen den zweifachen Weltmeister aus Fernost. Auf Seiten der AFVD-Führung wurden alle Möglichkeiten geprüft, wie, wann und wo sich ein Spiel gegen Japan realisieren lassen würde. Mit der Esprit-Arena in Düsseldorf wurden rasch ein Kooperationspartner und eine angemessene Austragungsstätte gefunden. In der Kalenderwoche 16 war es endlich soweit. Das Spiel diente auch der Vorbereitung auf die EM vom 24. bis 31. Juli in Frankfurt und Wetzlar, da beide Nationen jeweils für sich aber eine Führungsrolle im internationalen Football außerhalb Nordamerikas reklamieren, stand einiges an "Ehre" auf dem Spiel. Und da in Düsseldorf eine große japanische "Community" arbeitet und lebt, sollte sich dies möglicherweise auf den Tribünen auch stimmungsvoll niederschlagen. Mit einer Kulisse von rund 10.000 Zuschauern wurde gerechnet - was für die Nationalmannschaft eine absolute Rekordkulisse gewesen wäre, sieht man vom World-Games-Finale 2005 in Duisburg ab. In den 90er Jahren waren in Braunschweig einmal 5.700 Zuschauer zum Spiel gegen Österreich gekommen, ohne das spezielle Japan-Argument in Düsseldorf sowie die logistische Unterstützung der Esprit Arena wären die Chancen nicht hoch, diese Marke knacken zu können. Wie stark die Auswahl Japans wirklich war, zeigte das Ergebnis dieses Freundschaftsspieles. Für die deutsche Nationalmannschaft war es auf jeden Fall phasenweise eine echte Lehrstunde, die ihr vom amtierenden Vizeweltmeister im ersten German-Japan-Bowl erteilt wurde. Der 24:14-Erfolg der Gäste aus Fernost vor dann doch mehr als 11.000 Besuchern in der Düsseldorfer Esprit Arena ging auch in der Höhe vollkommen in Ordnung. Vor allem in der Offense mangelte es der deutschen Mannschaft immer wieder an der Abstimmung. Kritik musste sich vor allem Joachim Ullrich anhören müssen, der in den ersten beiden Vierteln nicht immer sehr souverän wirkte und sehr oft keine Bindung zu seinen Passempfängern hatte. Nur drei von elf Pässen beendete der Marburger komplett.

Für die Berlin Adler begann die neue Saison genauso, wie die alte aufgehört hatte - mit einem Sieg. Bei den Prag Panthers gewann der deutsche Meister seine Auftaktbegegnung im diesjährigen Eurobowl Wettbewerb mit 40:30. Dabei taten sich die Berliner vor allem im ersten Viertel noch sehr schwer, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Die Gastgeber in der Goldenen Stadt an der Moldau setzten die Defense der Adler vor allem durch ihr variables Laufspiel immer wieder unter Druck, leisteten sich in den entscheidenden Momenten aber zu viele individuelle Fehler. Im Eurobowl Wettbewerb folgte für die Hauptstädter ein ungefährdeter 35:9-Sieg über die Stockholm Mean Machines. Damit belegten die Adler ungeschlagen Platz eins in der Vorrundengruppe 2 und qualifizierte sich damit für das Viertelfinale.

Der Saisonauftakt in der GFL wurde in der GFL Nord für die Braunschweig Lions zu einem kleinen Desaster. Sie kassierten gegen die Dresden Monarchs eine schmerzhafte 20:34-Auftaktniederlage. Die Königlichen schafften es, in den letzten zwei Vierteln den Spieß umzudrehen und aufgrund zweier kurzer Läufe von Jeffrey Wollin als Sieger das Stadion an der Hamburger Straße zu verlassen. Eine erwartete 14:31-Niederlage mussten die Weinheim Longhorns zum Saisonauftakt gegen die Plattling Black Hawks einstecken. Dabei zeigte sich, wie schwer die Saison für die Weinheimer Footballer wirklich werden sollte. Mit einem für GFL-Verhältnisse kleinen Kader angetreten, musste Weinheim nicht nur personell, sondern auch spielerisch dem Favoriten aus Bayern Tribut zollen.

Zum offiziellen GFL-Season-Opener 2010 in Kiel wurde Einiges vorbereitet. Der Vorverkauf meldete mehr als 4.000 verkaufte Karten, und im Holstein Stadion wurde erstmals ein Musik Act nach einem Bundesliga-Football-Spiel angeboten. Auch wurden vor dem Aufeinandertreffen nette Höflichkeitsfloskeln zwischen den Trainern ausgetauscht, so dass einem gelungenen GFL-Auftakt nichts entgegenstand. Aus Sicht der Marburger Gäste wurden die Erwartungen auch vollends erfüllt. Die Truppe von Head Coach Joe Roman nutzte die beiden Niederlagen des Vorjahres zur eigenen Motivation und versalzte den Norddeutschen kräftig den Saisonauftakt, obwohl man vor dem Anpfiff noch annehmen mochte, dass durch die Nichtverpflichtung von Sean Cooper, die Kreuz- und Innenbandverletzung von Marcel Duft und den folgenden Diskussionswellen die Hessen zumindest im Offense-Bereich eher geschwächt nach Schleswig-Holstein gefahren waren. Die Baltic Hurricanes verloren aber mit 19:22 und haben sich den misslungenen Start zum größten Teil selbst zuzuschreiben. Klarheit herrschte auch im Süden. Die Stuttgart Scorpions hatten gegen ihre Gastgeber, den Schwäbisch Hall Unicorns nichts auszurichten und mussten nach dem Württemberg Derby der GFL die Heimreise mit einer 6:45-Niederlage im Gepäck antreten.

Die Partie zwischen den Berlin Rebels und den Munich Cowboys war noch kein wirklicher Nachweis über den Leistungstand der beiden Mannschaften. Die Rebels gewannen zwar vom Ergebnis her klar mit 28:7, zeigten aber, dass die Zeit zwischen dem Vorbereitungsspiel gegen Magdeburg und dem eigentlichen Saisonstart doch sehr lang war. Aber immerhin gelang es dem GFL-Neuling, sich mit einem Sieg nach 15 Jahren Abstinenz in der obersten deutschen Spielklasse zurückzumelden. Die Munich Cowboys zeigten trotz der Niederlage eine ansprechende Leistung, müssten aber schleunigst die zahlreichen Strafen wegen Fehlstarts und Illegaler Shifts zu vermeiden lernen. In einer dramatischen Schlussphase mussten sich die Plattling Black Hawks gegen Rekordmeister Braunschweig Lions durch einen Touchdown-Pass von Dennis Zimmermann in der letzten Sekunde mit 21:22 geschlagen geben. 850 begeisterte Zuschauer sahen dabei, wie die Black Hawks in einem hochklassigen Spiel über drei Viertel dominierten, nur um dann in den letzten fünf Minuten die 21:9-Führung noch aus der Hand zu geben. Für eine kleine Überraschung sorgte dagegen der Berliner Aufsteiger gegen die Dresden Monarchs. War der Erfolg über die Munich Cowboys ein Spielausgang, der noch in den Bereich des zu Erwartenden gehört hatte, gelang gegen Dresden etwas Unerwartetes. Eine Woche nach der witterungsbedingten Spielabsage gegen die Braunschweig Lions zeigte der GFL-Neuling, dass er nicht ohne Grund in der höchsten deutschen Spielklasse spielte und dort auch seine Existenzberechtigung hatte. Denn gegen die favorisierten Dresden Monarchs gewannen die Berliner mit 7:0. Auch die Adler sollten weiter für positive Schlagzeilen sorgen. Nach einer großen kämpferischen Leistung konnten die Berlin Adler auch in ihrem fünften Spiel der Saison als Sieger vom Feld gegen. Mit 20:17 wurden die Braunschweig Lions im GFL-Spitzenspiel der Gruppe Nord vor 1.323 Zuschauer im heimischen Jahn-Sportpark in die Knie gezwungen, nachdem man noch zur Pause mit 10:17 zurücklag. Genauso schlecht wie die Vorzeichen des Spiels gegen die Stuttgart Scorpions, war am Ende auch das Resultat für die Gäste. Mit 8:48 verloren die Weinheim Longhorns im Stuttgarter GAZi-Stadion, zeigten dabei jedoch eine Leistung, die weit besser war, als es das Ergebnis ausdrückt. Bis zur Halbzeit war man in Schlagdistanz und hatte sogar die Chance, selbst in Führung zu gehen. Doch war es am Ende erneut die angespannte Personalsituation, sowie auch das fehlende letzte Quäntchen Glück, das die Longhorns jegliche Siegchancen kostete.

In die Schranken wurden die Rebels erstmals von den Hurricanes gewiesen. Die Baltic Hurricanes errangen gegen die bisherige GFL-Überraschungsmannschaft der Berlin Rebels einen 20:6 Heimsieg und damit vorläufig den zweiten Tabellenplatz in der Nordgruppe. Gegen die Rebels wurde der ehemalige Lübecker Julian Dohrendorf der Spieler des Tages, der mit zwei gekickten Field Goals und zwei Extrapunkten die meisten Punkte der Partie erzielte. Ob die als Glücksbringerin anwesende "Miss Schleswig-Holstein", die den Münzwurf durchführte, entscheidenden Einfluss hatte, wird sich sicherlich nicht beweisen lassen. Die Auseinandersetzung wurde jedenfalls von demjenigen der beiden Teams entschieden, der das Angriffsspiel des Gegners besser zu stören vermochte. Mit 17:15 besiegten die Munich Cowboys beim Kings Hotels Gameday die Gäste aus Stuttgart. Eine Partie, die zur Halbzeit eigentlich zugunsten der Hausherren entschieden schien und zum Ende noch spannend wurde. Das Spiel begann durchwachsen. Münchens QB Travis Harvey unterlief gleich im ersten Wurf eine Interception, die zunächst folgenlos blieb. Die Offense der Cowboys wurde im Anfang von starken Läufen von RB Florian Spitzweck getragen, der viele Meter für sein Team erzielen konnte. Leider wurden diese durch Strafen gegen die Munich Cowboys zunichte gemacht beziehungsweise annulliert. Nach zehn gespielten Minuten warf Travis Harvey die zweite Interception. Der Stuttgarter Fänger konnte erst kurz vor der Endzone der Munich Cowboys gestoppt werden. Die Scorpions nutzten die Chance durch einen Lauf von RB Timo Müller zur 7:0-Führung der Gäste.

Ihre Heimpremiere verloren die Dresden Monarchs gegen den amtierenden Meister. Vor mehr als 5.000 Fans im Dresdner Rudolf-Harbig Stadion unterlagen die Sachsen den Berlin Adlern knapp mit 26:27. Dabei hatten die Gastgeber über weite Strecken die Führung inne gehabt und schienen auch kurz vor Spielende noch einmal auf dem Weg zu einem entscheidenden Field Goal. Bevor die Monarchs aber zum entsprechenden Versuch antreten konnten, lief die Spielzeit aus. Langsam kamen auch die Lions in Fahrt. Vor 4.150 Zuschauern im Stadion an der Hamburger Straße besiegten die Löwenstädter die Assindia Cardinals deutlich und überlegen mit 35:7. Matchwinner des Tages war RB Austin Scott, der das Aufeinandertreffen der beiden Teams maßgeblich mitprägte und zu seiner ganz persönlichen Highlight-Show machte. Bei den Hof Jokers wollte es zum gleichen Zeitpunkt in dieser Saison einfach nicht Klick machen. Denn auch im fünften Saisonspiel bezogen die Franken eine klare Niederlage, unterlagen den Starnberg Argonauts mit 0:34. Sportlich waren die Rollen an diesem Tag klar verteilt. Zwar konnten die Argonauts nicht wie gewohnt ihr Passspiel aufziehen, dennoch war es deren Spielmacher, der die ersten Akzente setzte. Justin Dunk erzielte die ersten beiden Touchdowns für sein Team kurzerhand per Pedes. "In der Defense sind wir trotz einiger verletzungsbedingter Ausfälle recht sicher gestanden. Dadurch haben wir den Vorsprung aus dem dynamischen ersten Offense-Viertel, durch ein mageres zweites transportieren können. Wie schon in der Vorwoche hat im zweiten Quarter einfach nichts geklappt, das müssen wir gegen stärkere Gegner definitiv abstellen", resümierte Starnbergs Head Coach Jan Radewald. War die Partie bis zur Halbzeit vielleicht noch offen, schafften es die Gäste aus Oberbayern dann aber im dritten Viertel den Sack endgültig zu zumachen. "Die zwei Punkte in Hof waren die Pflicht. So wie die Saison läuft, sollte das ursprüngliche Saisonziel Klassenerhalt damit abgehakt sein. Ab hier folgt die Kür und die gehen wir nun Schritt für Schritt an. Als erstes gilt die Konzentration den starken Allgäu Comets", beschrieb Argo-Präsident Ludwig Kastenmeier die Situation nach dem Spiel.

Nachdem die Berlin Adler den finnischen Vertreter Porvoo im Viertelfinale besiegten, war die Reise im Eurobowl-Wettbewerb für die Hauptstädter noch lange nicht zu Ende. Als "Meister der engen Spiele verhinderten die Berliner mit 29:27 in Innsbruck rein österreichisches Eurobowl-Finale. Egal ob man nun Trainer, Spieler oder Fan der Berlin Adler war, 2010 war im Lager der Schwarz-Gelben von der Spree einfach Nervenstärke gefragt. Denn die letzten drei Spiele vor dem Halbfinale gewann der amtierende deutsche Meister mit nur insgesamt sechs Punkten Vorsprung - meist nach einer Aufholjagd im letzten Viertel - und hatte auch im zum GFL-Auftakt in Schwäbisch Hall nur mit einem Field Goal die Nase vorn gehabt. Doch kein Erfolg dürfte den Adlern so gut geschmeckt haben wie der 29:27 Sieg gegen die Tirol Raiders. Denn mit diesem Sieg haben die Berliner nicht nur zum ersten Mal seit 1991 das Finale um den Eurobowl erreicht, sondern gleichzeitig auch den Titelverteidiger aus dem Rennen geworfen. Außerdem konnten die Hauptstadt-Footballer im deutsch-österreichischen Vergleich, wer die bessere Footballnation in diesem Jahr ist, zunächst vorlegen und das zweite rein österreichische Finale nach 2008 verhindern. Drei Wochen vor dem EM-Auftaktspiel zwischen Deutschland und Österreich in Frankfurt standen sich im Eurobowl Finale der deutsche und der österreichische Meister von 2009 (Vienna Vikings) gegenüber. Weitere Brisanz lieferte die "ewige Tabelle" des Eurobowls. In der Eurobowl-Geschichte lagen beide Nationen bislang mit je sechs Titelgewinnen gleichauf. Die Österreicher gewannen die letzten sechs Endspiele in Folge, und es erschien nur gerecht, dass ein siebter Triumph in Serie und damit die Überflügelung Deutschlands nun nur möglich ist, wenn der amtierende österreichische Champion den amtierenden deutschen im direkten Vergleich bezwingen würde. Der Tisch für eine besondere Partie war also gedeckt und die Zuschauer sollten auch nicht enttäuscht werden. Ein Gipfeltreffen auf höchstem Niveau bot die 24. Auflage des Eurobowl-Finales. Die Vienna Vikings hatten auf der Hohen Warte die Berlin Adler zu Gast. 5.000 Zuschauer sahen eine Partie, die eines Finalspieles in jeder Hinsicht würdig war und buchstäblich bis zur letzten Sekunde spannend blieb. Würdig - anders kann man dieses Endspiel nicht beschreiben. Angefangen vom Rahmen, einer seit langer Zeit das erste Mal wieder richtig vollen Hohe Warte, über den Einsatz der Mannschaften, bis zur nicht enden wollenden Spannung. Zwei ebenbürtige Teams, die nicht fehlerfrei spielten, aber sehr diszipliniert und mit vollem Einsatz kämpften. Die Vikings vertrauten wie immer auf ihr Laufspiel mit Josiah Cravalho, der Wikinger des Tages war aber eindeutig Chauncey Calhoun mit zwei Interceptions und zwei Touchdowns. Zu Beginn des Spieles konnten die Wiener das Berliner Laufspiel gut kontrollieren, die kurzen Pässe - meist auf WR Hemaseh Heidary - fanden bei den Adlern aber zu oft ihr Ziel. Die Gäste aus Berlin zeigten lediglich zu Anfang des zweiten Viertels - mit elf Punkten Rückstand - eine leichte Unsicherheit. Der Touchdown vor der Pause brachte das Momentum auf die deutsche Seite, selbst die dritte Interception von QB Kyle Callahan konnte ihnen nichts mehr anhaben. Nach der Pause funktionierte das Laufspiel noch besser, QB Kyle Callahan zeigte neben einem starken Wurfarm die eigene Schnelligkeit und erzielte den letzten Touchdown selbst. Ein Wahnsinns-Field-Goal beendete die Partie, machte Kicker Benjamin Scharweit zum MVP und kürte die Berliner Adler zum - verdienten - europäischen Clubmeister.


Bereits wenige Wochen nach dem Berliner Eurobowl-Sieg stand für eine deutsche Mannschaft die nächste Probe auf dem Programm. Die Europameisterschaft stand vor der Tür und das Bundesland Hessen sollte der Gastgeber sein. Groß waren die Erwartungen im deutschen Lager vor der Europameisterschaft im eigenen Land. So nahm niemand ein Blatt vor den Mund und jeder sprach das Offensichtliche aus: Alles andere als der Titelgewinn wäre eine Enttäuschung gewesen. "Deutschland hat den größten Verband, das größte Spielerpotenzial, die größte internationale Erfahrung und den Heimvorteil auf seiner Seite", wusste auch AFVD-Leistungssportdirektor Marshall Happer zu berichten. Mit dem Eröffnungsspiel Deutschlands gegen Österreich in der Commerzbank-Arena Frankfurt startete die 12. Europameisterschaft für Nationalmannschaften im Football. Zum vierten Mal in der EM-Geschichte sollte am 31. Juli ein Europameister in Deutschland gekürt werden, zum allerersten Mal stritten sechs Teams in der Endrunde um den Pokal und zum ersten Mal sollten auch EM-Endrunden-Spiele in einem der Top-Stadien des Kontinents entschieden werden.

Deutschland schrammte während des "Ein Sieg ist ein Sieg", so lautet das Fazit der Trainer der deutschen Herren-Nationalmannschaft. Mit 22:20 wurde das Team aus Österreich niedergerungen und eine Blamage zu Beginn der Europameisterschaft verhindert. Doch auch wenn das deutsche Team mit einem Sieg ins Turnier gestartet war und sich so alle Chancen auf den fünften Finaleinzug erhalten hat, so lagen in den kommenden Tagen noch viel Arbeit vor den Trainern. Denn viele Strafen - darunter vier wegen Auswechselfehlern - sorgten dafür, dass die deutsche Mannschaft sich nie klar vom Gegner absetzen konnte, ja sogar in den Schlussminuten um den Erfolg zittern musste. Letztendlich war es ein Safety, verursacht durch eine Holding-Strafe in der Endzone, der den Ausschlag zum Sieg gegeben hat.

Das Team Frankreichs überraschte bei seinem ersten EM-Auftritt. Gegen den amtierenden Europameister Schweden gewann die "Equipe Tricolore" in Wetzlar durchaus verdient mit 14-7. Schon am kommenden Dienstag konnten die Franzosen mit einem Sieg gegen Großbritannien den Einzug in das EM-Finale perfekt machen, was auch gelang. Etwas mehr als 1.100 Zuschauer gaben dem EM-Start von Europameister Schweden und Herausforderer Frankreich einen durchaus würdigen Rahmen und es zeigte sich, dass es eine gute Idee der EFAF-Offiziellen war, das Spiel nicht in Frankfurt stattfinden zu lassen.

Im Finale des EM-A-Pools in der Frankfurter Commerzbank Arena besiegte Deutschland den Rivalen aus Frankreich vor 8.523 Zuschauern mit 26:10. Damit holte sich Deutschland zum zweiten Mal nach 2001 den Titel des Europameisters. Von Beginn an machte die deutsche Mannschaft klar, dass sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen wollte. Dabei vermied das Team vor allem jene Leichtsinnsfehler und Unkonzentriertheiten, die gegen Österreich noch zu einigen Schwierigkeiten geführt hatten. Vor einem Jahr hatte Deutschland Frankreich in einem Freundschaftsspiel in Valence mit 49:21 bezwungen und daraus offensichtlich genügend Selbstbewusstsein geschöpft, um im EM-Finale nie den Eindruck aufkommen zu lassen, die Franzosen könnten dem Team ernsthaft gefährlich werden.

Zurück in Deutschland ging in der GFL der Kampf weiter. Die Kiel Baltic Hurricanes nutzten die Gunst der Stunde und schlugen im Spitzenspiel den GFL Nord Tabellenführer Berlin Adler vor 1.638 Zuschauer im Jahn-Sportpark mit 14:7. Damit gewannen die Kieler auch den direkten Vergleich mit dem amtierenden deutschen Meister, da sie auch das Hinspiel schon mit 14:10 gewonnen hatten. Gegen die Assindia Cardinals führten die Rebels nach dem ersten Viertel bereits mit 14:0, und es hatte den Anschein, dass die Berliner den Weggang von WR Brian Allbrooks gut verkraftet hatten. Die Defense war gewohnt sicher, nur die Offense um QB Darius Outlaw hatte ein paar Startschwierigkeiten. So musste der Spielmacher bereits im ersten Viertel zwei Auszeiten nehmen, da die Ansage der Spielzüge nicht so richtig klappen wollte. Am Ende kassierte der eigentliche Denker und Lenker im Angriff acht Mal eine Strafe wegen Spielverzögerung. Offensichtlich immer noch Nachwirkungen der Umstellung im Offensivsystem der Rebels. Auch dies war einer der Gründe dafür, dass die Cardinals zurück ins Spiel fanden und am Ende noch ein 14:14 holen konnten und einen Punkt aus Berlin entführten. Die Dresden Monarchs durften im Abstiegskampf der GFL Boden gut machen. In einem bis zur letzten Minute spannenden Match besiegten die Sachsen die Braunschweig Lions mit 28:27 und zeigten vor 1.400 Fans im heimischen Heinz-Field längst vergessene Qualitäten. Sie punkteten, agierten unter Druck, bewahrten Nerven und machten am Ende den Sack zu. Auf dieser Basis rückten neben der Vermeidung der Relegation auch die Playoffs als Ziel noch in den Blickpunkt. Die Berliner Wochen überstanden die Kiel Baltic Hurricanes gut und kehrten auch nach dem Besuch im Mommsenstadion mit einem doppelten Punktgewinn an die Förde zurück. Mit einem 24:14-Auswärtserfolg gegen die Berlin Rebels eroberten sich die Nordlichter zudem auch nach Pluspunkten gerechnet die Tabellenführung in der GFL Nord.

Im Spiel zweier über weite Strecken gleichwertiger Mannschaften verloren die Marburg Mercenaries das Spitzenspiel der GFL gegen die Kiel Baltic Hurricanes am Ende mit 19:28. An der Tabellensituation im Süden änderte dies nichts, da der direkte Konkurrent aus Schwäbisch Hall sein Interconference-Spiel in Berlin ebenfalls verlor. Die Mercenaries konnten sich die Südmeisterschaft damit immer noch aus eigener Kraft sichern, ein Ausrutscher in den verbleibenden drei Partien durfte indes nicht mehr passieren. Die Canes machten durch den Sieg einen großen Schritt in Richtung Nordmeisterschaft. Einen wichtigen Sieg konnten die Berlin Adler im Interconference-Spiel gegen die Schwäbisch Hall Unicorns mit 17:10 feiern. Mit diesem Sieg blieben sie vorerst weiter im Rennen um die Nordmeisterkrone. 846 Zuschauer im Jahn-Sportpark sahen ein hart umkämpftes Spiel, dass von vielen Fehlern beider Teams geprägt war und bis in die Schlussminute spannend war. Eine Intereecption von LB Mario Novak in der eigenen Endzone wenige Sekunden vor Schluss sicherte den Adlern den Sieg. Die Dresden Monarchs konnten dank eines überragenden Jake Christensen, der 433 passing Yards und fünf Touchdown-Pässe verbuchte, auch im zweiten Spiel mit ihrem neuen Quarterback punkten. In einer Hitzeschlacht bei den Stuttgart Scorpions gingen die Sachsen am Ende mit 52:30 als Sieger vom Feld. Zwei Punkte gegen den Abstieg, aber auch zwei Punkte für neuen Optimismus in der sächsischen Footballgemeinde. Vor allem eine starke, dominante Leistung in der ersten Halbzeit sicherte den Sieg, der Mitte des dritten Viertels allerdings fast auf der Kippe stand. Die Plattling Hawks bereiteten den Braunschweig Lions mehr Mühen als erhofft und sorgten im Braunschweiger Stadion für eine offene GFL-Partie. Entsprechend dominierten in der Anfangsphase beide Defensereihen. Während die Lions versuchten, schnell den Plattlinger Quarterback Jimmy Robertson zu attackieren, so setzten vor allem die Niederbayern in den ersten beiden Vierteln auf tiefes Tackling gegen die Running Backs Austin Scott und Jabari Johnson.

Hatte man sich in der Woche vor dem Spiel bei den Weinheim Longhorns noch auf eine 20-Jahr-Feier und ein ereignisreiches Spiel gefreut, so wurden die Fans der Weinheim Longhorns am Samstagnachmittag enttäuscht. Wegen des schlechten Wetters wurden die Feierlichkeiten kurzerhand auf den 12. September nach dem Heimspiel gegen die Marburg Mercenaries verlegt, und das Spiel gegen die Schwäbisch Hall Unicorns ging auch noch mit 20:49 verloren. Drei Spiele, drei Siege. Wer hätte diese Leistungssteigerung noch vor einem Monat für möglich gehalten? Plötzlich funktioniert, was lange Zeit misslang - die Dresden Monarchs präsentieren sich als schlagkräftiges Team. Auch das dritte von vier "Endspielen" konnte gewonnen werden. Die Stuttgart Scorpions durften die Sachsen in Dresdens Heinz-Steyer-Stadion beim 31:14 nicht stoppen. 15 Jahre lang musste die Hauptstadt auf ein GFL-Derby warten. 1995 trafen die Berlin Adler und die Berlin Rebels das letzte Mal im Football-Oberhaus aufeinander. Beide Spiele konnten die Adler damals gewinnen; an der Seitenlinie im Defense Staff der Adler ein gewisser Shuan Fatah als Defensive Coach. 15 Jahre später, konnte Fatah sich wieder über einen Sieg freuen. Vor der Rekordkulisse von 1.742 Zuschauern im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark gewannen seine Adler mit 32:14 gegen den Aufsteiger und zementierten damit ihre Vormachtstellung in Berlin. Im letzten Heimspiel der GFL-Saison 2010 gab es für die Plattling Black Hawks gegen die Marburg Mercenaries eine vermeidbare 21:28-Niederlage. Ein kollektiver Blackout zu Beginn des dritten Viertels verhinderte eine mögliche Überraschung vor 400 Zuschauern im Karl-Weinberger-Stadion. Die Kiel Baltic Hurricanes schlugen bei ihrem "Homecoming-Spiel" gegen die Assindia Cardinals die Gäste aus dem Ruhrpott eindrucksvoll und klar dominierend mit 42:7 und führten mit diesem für sie eher ungewohnten "High-Score-Ergebnis" auch weiterhin die Tabelle in der GFL Nord an. Zwei Punkte fehlten nun noch aus den beiden letzten Spielen gegen die Braunschweig Lions, um den ersten Platz der Nord-Staffel und damit das Heimrecht auch im eventuellen Halbfinale endgültig zu sichern. In der entscheidenden Partie um den Einzug in die Playoffs 2010 zogen die Assindia Cardinals den Kürzeren mussten den Dresden Monarchs durch ihre 17:24-Niederlage den Vortritt lassen. Nach Abpfiff der Begegnung im Essener Stadion richteten sich die Augen zunächst gen Berlin, da das Derby zwischen Rebels und Adler erst um 18 Uhr angepfiffen wurde. Hier sollte sich nun entscheiden, wer Fünfter wird und wer in die Relegation gegen die Düsseldorf Panther gehen wird. Da die Rebels gegen die Adler mit 24:28 verloren, sicherten sich die Essener den Klassenerhalt. Am Ende des Tages kannte die GFL-Partie Lions gegen Baltic Hurricanes zwei Gewinner. Während sich die Kieler Wirbelstürme mit ihrem 20:7 Auswärtserfolg zum zweiten Mal in ihrer Geschichte die Nordmeisterschaft sicherten, sollten auch die Braunschweig Lions ein wenig jubeln dürfen. Vor rund 4.028 Zuschauern zogen sie als viertplatzierte Nordmannschaft in die Playoffs ein. Mit dem 36:12-Sieg im letzten regulären Heimspiel der Saison haben die Marburg Mercenaries sich das Heimrecht in den Playoffs nunmehr für alle Spiele so gut wie gesichert. Auch der zweite Teil im Hauptstadtduell zwischen den Berlin Adlern und den Berlin Rebels konnte der amtierende Meister für sich entscheiden. Doch beim 28:24 Erfolg hatten sich die Adler im Rückspiel bei den Rebels nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Denn die Rebels hatten mit ihrer besten Saisonleistung den Eurobowl Champion sogar mal kurz am Rande der Niederlage, führten nach einem Touchdown-Lauf von QB Darius Outlaw über 80 Yards im letzten Viertel mit 24:21. Doch Adler RB Oliver Schmeling sorgte mit seinem Lauf rund viereinhalb Minuten vor dem Abpfiff dafür, dass die Schwarz-Gelben die reguläre Saison doch noch mit einem Sieg beenden konnten. In Kiel begann die GFL mit dem diesjährigen Season Opener, in Kiel schloss die "regular season" der Nordstaffel ihre Tore. Mit nur einer Saisonniederlage und elf aufeinander folgenden Erfolgen klopften die Kiel Baltic Hurricanes erneut an die German-Bowl-Pforte und besiegten in ihrer Nord-Abschlusspartie vor 3.150 Zuschauern die Braunschweig Lions mit 35:20. Keine Blöße gab sich Tabellenführer Marburg Mercenaries beim Gastspiel bei den Weinheim Longhorns. Mit 52:8 wurden die Mercenaries ihrer Favoritenstellung gerecht und sicherten sich damit die GFL-Südmeisterschaft.

Die Marburg Mercenaries gewannen ihr Playoff-Spiel gegen die Braunschweig und sorgten damit für eine Sensation und die Lions selbst für eine Premiere sind in der Lage, ein Viertelfinale zu verlieren, beides Premieren in den jeweiligen Vereinshistorien. Das Spiel selbst, welches mit einem 31:21 Sieg der "Söldner" endete, startete furios und wurde spätestens ab der Halbzeit von den Hessen klar beherrscht. Letztendlich wäre sogar noch ein höherer Sieg möglich gewesen. Das schwere Geläuf des Holstein-Stadions und die andauernden Regenfälle machten aus dem Viertelfinale der Kiel Baltic Hurricanes gegen die Stuttgart Scorpions eine wahre Rutschpartie. Trotzdem überwog die Routine der Norddeutschen den Fleiß der Schwaben, und die Kiel Baltic Hurricanes erreichten mit einem knappen 23:21-Erfolg das Halbfinale. Die satte Zahl von 14 Touchdowns durften die 1.462 Zuschauer im Haller Hagenbachstadion beim Viertelfinalspiel zwischen den Schwäbisch Hall Unicorns und den Dresden Monarchs bewundern. Am Ende waren es für die Gastgeber zwei zu wenig, und die Monarchs konnten mit einem 56:45-Erfolg den Halbfinaleinzug feiern. Die Berlin Adler haben ihre Hausaufgaben erfolgreich gestalten können und siegten im Playoff-Viertelfinale vor 1.005 Zuschauern gegen die Plattling Black Hawks mit 17:3. Bei regnerischen und kühlen Witterungsbedingen mussten die Adler hart arbeiten, um den Gegner niederzukämpfen, doch letztlich war der Sieg verdient.

In einem Halbfinale auf Augenhöhe setzte sich am Ende die größere Abgeklärtheit und Routine des Titelträgers gegen die Nachlässigkeit des Herausforderers durch. Trotz etlicher Chancen in der "Red Zone" der Berliner erzielten die gastgebenden Mercenaries für ihre Verhältnisse mickrige sechs Punkte und scheiterten erneut, schlussendlich auch verdient, an der letzten Hürde vor dem großen Ziel: dem Einzug in das Endspiel, den German Bowl am 09. Oktober in Frankfurt. Dorthin begeben sich nun abermals die Berlin Adler auf die Reise, die es trotz Ausfall ihres amerikanischen Import-Quarterbacks Kyle Callahan zur Saisonmitte zum erneuten Finaleinzug gebracht haben. In Marburg waren die Hauptstädter mit 17:6 der Sieger.

Berlin und Kiel spielten also im zweiten Jahr in Folge um den German Bowl und zum dritten Mal wurde der deutsche Meister in der Frankfurter Commerzbank-Arena ermittelt - zum dritten Mal waren die Kiel Baltic Hurricanes dabei. Gewonnen hatten sie das Finale bei beiden Anläufen 2008 und 2009 indes nicht, und 2010 war nun auch der Gegner wieder derselbe wie im Vorjahr. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass das harte Saisonprogramm der Berliner, die sich im Sommer den Eurobowl erkämpft haben, und der damit einhergehende körperliche Verschleiß ihnen diesmal spätestens im Halbfinale zum Verhängnis werden würde, hatten die Berlin Adler Chancen auf die Titelverteidigung, die aber die Kiel Baltic Hurricanes im dritten Anlauf besser nutzten. Die Canes gewannen den German Bowl XXXII mit 17:10 . Mit dem ersten Triumph ihrer Geschichte wurden die Kieler zum zehnten Verein in Deutschland, der seinen Briefkopf mit einem Verweis auf einen GFL-Titelgewinn schmücken konnte. Es war vor 11.212 Zuschauern in der Frankfurter Commerzbank Arena sportlich nicht das beste Finale, das in den letzten Jahren gespielt wurde. Doch der Sieger war mit den Kiel Baltic Hurricanes ein würdiger, der es nicht nur aufgrund der im Finale gezeigten Leistungen verdient hat, sondern auch die gesamte Saison über das bestimmenden Team in der GFL war. Zum German-Bowl-MVP wurde verdientermaßen Kiels Spielmacher Jeff Welsh gekürt. Für die Berlin Adler blieb es ein schwacher Trost, dass man in dieser Saison immerhin nur gegen Kiel verloren hatte und sich im Sommer 2010 über den Sieg im Eurobowl freuen konnte. Berlins Head Coach Shuan Fatah verkündete nach der Niederlage, dass er die Adler in Richtung Innsbruck verlassen werde. Auch Assistent Lee Rowland wechselt von der Spree zu den Swarco Raiders nach Tirol. Von beiden sollten die Footballfans in Europa noch viel hören.

Schlüter - 22.08.2020

Die Power Party vor der ESPRIT-Arena am 24.04.2010.

Die Power Party vor der ESPRIT-Arena am 24.04.2010. (© Tillmann)

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