Antonio Brown kassiert lange Sperre

Antonio Brown bei seinem einzigen Spiel im Patriots Dress (mit Touchdown und 56 Yards)Bis vor einigen Tagen war es – endlich – ruhig geworden um ex-Steelers, ex-Raiders und ex-Patriots Wide Receiver Antonio Brown. Dann erklärte er zum wiederholten Mal seinen Rücktritt aus der NFL, um nur wenig später seine Rückkehr in Aussicht zu stellen. Business as usual bei dem mental angeschlagenen ex-Star.

Einem potenziellen Comeback stand jedoch noch die abschließende Entscheidung der NFL in Sachen Suspendierung im Weg. Hier gab es jetzt Klarheit, die Antonio Brown natürlich nicht gefallen haben dürfte: Sollte ihn ein Team unter Vertrag nehmen, so würde er die nächsten acht Spiele aufgrund einer Vielzahl von Verstößen gegen die "Personal Conduct Policy" der NFL, also die Richtlinien, wie man sich das Verhalten eines Spielers gemeinhin von Seiten der Liga vorstellt, aussetzen müssen. Das offizielle Statement der Liga wies auch noch darauf hin, dass zukünfte Verstöße höhere Strafen nach sich ziehen dürften und er seinen Behandlungsplan weiter einhalten muss.

Kaum eine Story in den letzten Jahren sorgte für so viele aufsehenerregende Wendungen wie die "Saga" um Antonio Brown, der binnen eines Jahres gleich bei drei Teams aufarbeitete.

Brown wurde 2010 von den Pittsburgh Steelers in der sechsten Runde mit Pick 195 gedraftet, nachdem er am (footballtechnisch gesehen kleinen) College bei Central Michigan gespielt hatte. Bei den Steelers wurde er in seinem zweiten Jahr gleich für den Pro Bowl nominiert – insgesamt sollte er das noch sechs Mal schaffen.

Abgesehen vom folgenden Jahr, wo er auf lediglich 787 Yards (und fünf Touchdowns) kam, schaffte er es immer weit über die magische 1.000 Yards Marke; 2015 gelangen ihm unglaubliche 1.834 Yards.

Trotzdem gab es immer wieder einmal kleinere Geschichten abseits des Felds bei den in der Außenwirkung üblicherweise konstant ruhigen Steelers rund um ihn. Abgesehen von der Wahl ausgefallener Fahrzeuge zu Beginn des Training Camps fiel er erstmals im Januar 2017 richtig negativ auf: Nach einem Playoffsieg gegen die Kansas City Chiefs übertrug er die Ansprache von Head Coach Mike Tomlin aus dem "heiligen" Lockerroom über Facebook Live.

Ein absolutes Tabu, das ihm viel Kritik und eine 10.000 Dollar Strafe einbrachte; nicht allzu lange Zeit davor hatte ihm Quarterback Ben Roethlisberger geraten, etwas bedachter im Bezug auf seine Social Media Nutzung zu werden, was offensichtlich nicht gefruchtet hatte. Später wurde übrigens bekannt, dass ihm Facebook vor Saisonbeginn über 240.000 Dollar gezahlt hatte, damit er "Content" – also Inhalte – dort bereitstellt.

In Pittsburgh eskalierte der Konflikt Ende 2018, als Wide Receiver Ju-Ju Smith-Schuster von den Mannschaftskameraden zum Team-MVP gewählt wurde; Brown war stinksauer, schwänzte das Training in der Woche vor dem letzten Spiel gegen die Bengals, als sein Team noch um die Playoffs kämpfte, und schließlich sogar die Partie.

Pittsburgh verpasste die Playoffs und Brown provozierte die Franchise mit immer seltsameren Videos und Botschaften, bevor die genervt im Frühjahr 2019 die Tradefreigabe erteilten. Die Oakland Raiders schlugen für einen Dritt- und einen Fünftrundenpick zu, waren aber nicht das einzig interessierte Team. Allgemein hielt man die Tradeausbeute deutlich zu niedrig für einen Top-Receiver wie Brown, schnell wunderte sich aber niemand mehr, warum die Steelers ihn um jeden Preis loshaben wollten.

Bei den Raiders kam er geistig nie richtig an: Zunächst benutzte er eine Cryo-Therapie-Kammer, bei der der Körper quasi schockgefrostet wird, um die Regeneration zu beschleunigen, ohne die streng vorgeschriebenen Strümpfe / Schuhe. Das Ergebnis waren erfrorene Fußsohlen, so dass er gleich einen Teil des Trainings seines neuen Teams verpasste.

Anschließend klagte er gegen die von NFL und Spielergewerkschaft NFLPA ausgehandelte Regelung, dass nur noch sichere Helme in der Saison 2019 eingesetzt werden dürfen. Auch hier dachte er, dass Regeln wohl für alle, jedoch nicht für ihn gelten. Er schaffte das Kunststück gleich zwei Gerichtsverfahren zu verlieren und schien dann klein beizugeben.

Es kam zu einer Auseinandersetzung mit den Raiders, bei der Brown Mayock zumindest beleidigte und ihn aufforderte, ihn dafür zu bestrafen, als er einen Ball wegpuntete.

Als Brown erfuhr, dass er für vereinsschädigendes Verhalten mit einer Geldstrafe von 200.000 Dollar belegt wird und dadurch seine garantierten Vertragsbestandteile von 30 Millionen Dollar nicht mehr garantiert waren, forderte er eine Entlassung. Ein Video, bei dem er ein (vermutlich illegal mitgeschnittenes) Telefongespräch mit Coach Gruden verwendete, sorgte für noch mehr Feuer.

Die Raiders hatten genug gesehen und entließen Brown. Keine 12 Stunden später wurde bekannt, dass die Patriots ihn unter Vertrag genommen hatten für 15 Millionen Dollar, davon neun garantiert.

Die Verschwörungstheorien hatten Hochkonjunktur, ob Brown seinen Abschied nur provoziert hatte, damit er zu den Patriots wechseln kann. Dort absolvierte er genau ein Spiel: Es wurden nämlich schwere Vorwürfe gegen Brown laut, dass er 2018 seine Fitnesstrainerin vergewaltigt haben soll. Es folgte eine Story des MMQB, die eine ganze Reihe weiterer unglaublicher Vorkommnisse schilderte.

Alles in allem ist er wohl in der Summe mit acht Spielen Sperre gut bedient. Wobei er ja sowieso im sportlichen Ruhestand ist. Möglicherweise zumindest.

Vermutlich kennt er selbst seinen Status nicht immer ganz genau.

Carsten Keller - 02.08.2020

Antonio Brown bei seinem einzigen Spiel im Patriots Dress (mit Touchdown und 56 Yards)

Antonio Brown bei seinem einzigen Spiel im Patriots Dress (mit Touchdown und 56 Yards) (© Getty Images)

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