Claudio Spescha: Hoffnung auf den Herbst

Claudio SpeschaAm 30. November 2019 wurde Claudio Spescha zum neuen Präsidenten des schweizerischen American Football Verbandes (SAFV) gewählt. Als Geschäftsführer der Luzern Lions und ehemaliger Spieler der Nationalmannschaft ist Spescha eine bekannte Größe in der Szene. Zudem ist der 35-jährige bei dem American Football Equipment Händler SNAP-SHOP mit Standorten in Luzern und Zürich involviert.

Neben seinen Tätigkeiten im Football engagiert sich Spescha auch in seiner Gemeinde. Vor zwei Wochen wurde er zum Sozialvorsteher von Malters (Gemeinde nahe Luzern) gewählt. Eine Stelle, die in Deutschland in etwa einem Bezirksstadtrat für Soziales entspricht. Wir befragten Claudio zu seiner Einschätzung der aktuellen Situation in der Schweiz.

Ihr musstet die gesamte Herren-Saison der Nationalliga A absagen? Damit wird es erstmals seit 1986 keinen Meister in der Schweiz geben. Das ist euch sicherlich schwer gefallen?

Claudio Spescha:
Ja, das ist uns schwer gefallen und es war in dem Moment irgendwie unwirklich. Es ist traurig, dass man das mal erleben muss.

Die Nationalliga B und C sind erst etwas später abgesagt worden, gab es da mehr Spielraum für eine zeitliche Verschiebung?

Claudio Spescha:
Der Hauptunterschied sind die Arbeitsverträge mit den Import-Spielern, welche fast ausschliesslich nur A-Teams haben. Diese Arbeitsverträge erzeugen hohe Fixkosten und ob sie über den 15. Juli verlängert werden könnten, war sehr unsicher. Da die A-Teams diesbezüglich frühe und klare Signale brauchten, hat man die Absage der Meisterschaft früher entschieden. Bei den anderen Ligen konnte man noch einige Wochen warten und hoffen, ohne dass für die Teams hohe Kosten angefallen wären, die man dann im Nachhinein bereut hätte.

Auch die Juniorensaison kann nicht gespielt werden. Bleibt lediglich noch die U16-Saison, die in der Schweiz im Herbst gespielt wird. Wird diese eventuell stattfinden können?

Claudio Spescha:
Wir hoffen es! Die Timeline wurden gestern verschickt. Der erste Spieltag der U16-Saison wäre am 22. August geplant und unsere Voraussetzung ist, dass alle Teams vorher mind. 6 Wochen lang einen normalen Trainingsbetrieb durchführen konnten. d.h. ab dem 13. Juli müssten die Lockerungen in der Schweiz genügend gross sein, damit ein Mannschaftstraining mit Kontakt wieder möglich wäre. Daher wird die Geschäftsleitung auch am 13. Juli spätestens entscheiden, ob die U16-Saison pünktlich starten kann oder nicht.

Eines deiner Ziele in deiner neuen Funktion war die Schaffung von klaren Strukturen im Verband? Konnte dort schon einiges trotz der aktuellen Lage umgesetzt werden?

Claudio Spescha:
Ja, wir hatten einen sehr ertragsreichen Workshop unter der Leitung von Swiss Olympic mit vielen wertvollen Inputs. Die anschliessende Erarbeitungsphase wurde durch den Corona-Ausbruch stark gebremst und auch die ausserordentliche Delegiertenversammlung, wo wir die Clubs über die Richtung der Prozesse befragen wollten, mussten wir absagen. Aber nun arbeiten wir bereits wieder an den nötigen Dokumenten und hoffen, dass wir auf der Delegiertenversammlung Ende November 2020 die Resultate präsentieren können.

Die Nationalmannschaft der Schweiz zeigte im Jahr 2019 eher enttäuschende Auftritte. Gibt es dort Planungen für die Zukunft?

Claudio Spescha:
Ja, ein Leistungssport-Konzept für unseren Nachwuchs, welches von Patrik Gabriel erarbeitet wurde, ist aktuell in der Vernehmlassung bei unseren Clubs. Sobald dieses umgesetzt wird, schaffen wir regionale Leistungszentren und hoffen so, die Spieler langfristiger und professioneller auf ihrem Athletenweg voranzubringen und unsere eigene nationale Elite qualitativ zu verbessern. Gleichzeitig wurde unter der Leitung von Sascha Gaveau der Scouting-Prozess verbessert und wir erhoffen uns dadurch eine bessere Übersicht über die Talente in der Schweiz. Die Nationalteams haben aber bei uns im Verband in den letzten Jahren an Credit verloren und es liegt nun an uns, die Teams alle wieder an Bord zu holen und zusammen dieses wichtige Gefäss eines nationalen Sportverbandes wieder mitzutragen und zu fördern.

Ihr seid aktuell auf dem Weg eine J+S-Sportart zu werden. Was ist das genau und welche Auswirkungen wird dies für den schweizer American Football haben?

Claudio Spescha:
Ich erwarte sehr, sehr grosse Auswirkungen. Jugend und Sport (J+S) ist ein Erfolgsmodell und ist die wichtigste Grundlage für den Breitensport in der Schweiz. In den nächsten zwei Jahren dürfen wir nun mit Hilfe der Fachleute von J+S eine komplette Ausbildungsstruktur aufbauen, inkl. Lehrmittel, Kursprofile usw. Sobald diese Struktur steht, können sich die American Football Coaches in der Schweiz zum J+S-Leiter American Football ausbilden lassen. Diese Anerkennung ermöglicht es den Vereinen dann für jede Trainingsstunde einen staatlichen Beitrag zu verlangen und auch Camps werden grosszügig unterstützt. Durch die Anerkennung als J+S-Sportart erhalten wir in den nächsten Jahren "automatisch" ein Gütesiegel, eine dringend notwendige Ausbildungsstruktur und staatliche Unterstützung für den Verband und die Vereine. Da geben mir die meisten wohl recht, dass das sehr, sehr grosse und positive Auswirkungen sind.

Ab dem 1. September 2020 wirst du als Sozialvorsteher von Malters aktiv werden. Dies ist sicherlich auch ein Fulltime-Job. Lässt sich dies mit deiner Tätigkeit im SAFV gut kombinieren?

Claudio Spescha:
Offiziell ist es ein 50 Prozent Amt, wobei ich sicher zu Beginn von einer höheren Arbeitsbelastung ausgehen muss. Aber Fulltime sollte er eigentlich nicht sein, deswegen gehe ich davon aus, dass sich die Tätigkeit gut kombinieren lässt. Aktuell investiere ich ca. 10 Stunden pro Woche in den Verband und ich hoffe, dass dies nach Etablierung der neuen Strukturen weniger werden wird. Ausserdem habe ich ein hervorragendes Team um mich, welches mich auch in Phasen mit mangelnden Zeitressourcen immer unterstützt. Mein Ziel für alle unbezahlten Ehrenämter im SAFV ist eine Belastung von max. 6 Stunden pro Woche im Jahresschnitt.



Wittig - 02.05.2020

Claudio Spescha

Claudio Spescha (© privat)

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