Erinnerung an den German Bowl XXXVIII

German Bowl XXXVIII: So sahen die Sieger aus. Bereits viermal, in den Jahren 2014 bis 2017, trafen die Schwäbisch Hall Unicorns und die New Yorker Lions aus Braunschweig in einem German Bowl Endspiel aufeinander. In diesem dritten Teil der kleinen Serie erinnert football-aktuell.de an den German Bowl Xxxviii:


Braunschweig erneut "German American Football Champion"
Schwäbisch Hall kann erneut seine Chancen nicht nutzen

Die New Yorker Lions aus Braunschweig blieben in Deutschland das Maß aller Dinge und gewinnen mit dem 38. Endspiel um die deutsche American Football Meisterschaft ihren elften nationalen Titel. Nach diesem 30:21 Erfolg über die Schwäbisch Hall Unicorns reifte vor allem die Erkenntnis heran, dass der sportliche Leistungsabstand zwischen dem Rekordmeister und seinem aktuell schärfsten Rivalen aus Baden-Württemberg kleiner geworden ist, obwohl die Unicorns verletzungsbedingt nicht in Bestbesetzung im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark vor genau 13047 Zuschauern antraten. Etwas einfacher hatten es in Berlin die Titelverteidiger. Neben der Rückkehr der ehemals Verletzten David McCants und Kerim Homri, unterstützte auf Seiten der Defense der US-Amerikaner John Clements, der bereits in der Saison 2013 für die Lions auflief, die Braunschweiger im Endspiel.

Die 38. Auflage des German Bowl wusste somit seine Kritiker auf seine Seite zu bringen und es gab von den relevanten Stimmen im Grunde keine negativen Meinungsäußerungen zu verkünden. "Der AFVD ist mit dem Ablauf des heutigen German Bowls sehr zufrieden. Wir haben heute eine sehr professionell organisierte Veranstaltung gesehen, die sich nicht verstecken muss. Wir hatten heute Gäste vom TV-Sender Pro Sieben und SAT 1 im Stadion, die bemerkten, dass die produzierten Fernsehbilder im German Bowl schon fast NFL Level erreicht haben. Der German American Football besitzt mit dem German Bowl ein echtes Leuchtturmprojekt. Das Stadion war auch deutlich voller, als im letzten Jahr. Wir befanden uns in der unerwarteten Position, dass bereits Tage vor dem German Bowl Haupt- und Gegentribüne ausverkauft waren. Mir wurde auch gesagt, dass jemand draußen gestanden hat, auf dessen Schild die Aufschrift "Suche Tickets" stand. Einen German Bowl Schwarzmarkt hatten wir auch noch nicht. Solche Probleme hat man gerne zu lösen", wusste AFVD Präsident Robert Huber zu berichten und bestätigte auch, dass der German Bowl XXXIX erneut in der Bundeshauptstadt veranstaltet werden wird.

Sein Vorgänger wusste somit vor allem im Übergang vom dritten zum vierten Viertel zu gefallen und blühte auf, als die Herausforderer aus Schwäbisch Hall es nicht schafften, einen knappen 20:24 Rückstand in die nicht unverdiente Führung zu verwandeln. Dabei waren die Unicorns mit einem positiven Gefühl nach Berlin gefahren und hofften nach ihren Meisterschaften der Jahrgänge 2011 und 2012, sowie ihren Vizemeistertiteln 2014 und 2015, dem Rekordmeister im dritten Anlauf den Rang abzulaufen. Auch bewiesen die Haller Kampfgeist, als sich am Morgen die beiden Leistungsträger Patrick Donahue und Cody Pastorino krank meldeten. Donahue beklagte einen Magen-Darm-Infekt und Pastorino litt an Fieber. Beide Athleten standen dem Head Coach trotzdem zur Verfügung, es musste aber damit gerechnet werden, dass der Unicorns Angriff nicht ganz so rasant agieren würde.

Trotzdem besaßen die Süddeutschen die erste Möglichkeiten des Matches. Die Schwäbisch Hall Unicorns gewannen den Coin-Toss und wählten zuerst das Angriffsrecht, mussten sich jedoch bereits nach kurzer Zeit der Verteidigung der Lions geschlagen geben. Damit vergab die Truppe von Sigfried Gehrke ihre erste Chance, mit einem innovativen Überraschungsspielzug für Aufsehen zu sorgen und dem Titelverteidiger ihren Willen aufzuzwingen. Besser lief es für den Angriff der Braunschweiger um den späteren MVP des Spiels, Quarterback Casey Therriault. Vor allen Running Back Chris Smith fand immer wieder die Lücken in der Abwehr der Unicorns und brachte sein Team Yard für Yard in Richtung Haller Endzone. Doch auch der Michigan Mann aus Grand Rapids benötigte seine Zeit und leistete sich frühzeitig an der 12 Yard Linie der Unicorns seinen einzigen Fehler des Abends, als er bei einem Passversuch in die Endzone, den stets aufmerksamen Haller Safety Christian Köppe übersah, der den Pass des Braunschweiger Spielmachers gekonnt abfing. Der Pass war ursprünglich für Christian Bollmann bestimmt. Doch auch diese zweite Chance sollte der Angriff der Unicorns um Quarterback Marco Ehrenfried nicht nutzen. Den überraschenden und spektakulären Angriffswechsel nutzte zunächst Running Back Anthony Bilal und erlief Raumgewinn für sein Team. Ein Play Action Spielzug wurde im Anschluss von QB Marco Ehrenfried überworfen und erneut mussten die Baden-Württemberger punten, auch wenn sie bereits in dieser Frühphase versuchten, mit risikoreichen Spielzügen aus der Trickkiste zu agieren. Halls Defense schaffte es ebenso, das stets gefährliche Passspiel der Braunschweiger zu verteidigen, doch Stirnrunzeln auf der Stirn der Haller Caches verursachten schließlich noch die Ereignisse nach dem folgenden Braunschweiger Punt, der vom Special Team der Unicorns zunächst engagiert geblockt wurde. Es misslang die dritte Chance für den Herausforderer und ihr Kicker Thomas Rauch verwandelte den ersten Field Goal Versuch für Schwäbisch Hall nicht. Nach unvollendeter Tat betrat die Lions Offenes zum zweiten Mal das Spielfeld und den Unicorns mag schon etwas mulmig zu Mute gewesen sein, als sie realisierten, dass sie mit durchaus zehn Punkte vorne hätten liegen können, die Scoringliste aber immer noch keinen Punkt für sie verzeichnete

Mit Läufen durch Routinier Running Back David McCants und Pässen von Therriault auf seine Receiver Jan Hilgenfeldt und Niklas Römer arbeitete sich die Offense der Braunschweiger bis zum ersten Seitenwechsel an die 34 Yard Linie der Einhörner voran. Das zweite Spielviertel läutete Evan Landi mit einem Catch an der drei Yard Linie der Haller, nach Passspiel von Therriault, ein. Die restlichen Yards zur 7:0 Führung überbrückte McCants nahezu mühelos und nutzte die Lücken in der Unicorns Verteidigung. Die Unicorns mussten nun ihrerseits die ersten Reserven aktivieren und fanden Mittel und Wege die Verteidigung der Löwenstädter zu überwinden. Besonders die Kombination Marco Ehrenfried auf Patrick Donahue sorgte zunächst für Raumgewinne. Ein Quarterback Sack von Christopher Cauvet änderte nichts daran ändern, das die Haller immer näher an die Endzone der Löwen herankamen und letztendlich durch ihren Running Back Christian Rycraw, mit einem Lauf über fünf Yards, den Ausgleich zum 7:7 realisierten. Doch die Antwort der New Yorker Lions ließ nicht lange auf sich warten. Mit vier vollständigen Pässen in Folge, der letzte dabei über fast 40 Yards auf Jan Hilgenfeldt, überbrückte der dynamische Therriault nahezu das gesamte Feld in kurzer Zeit. Das 14:7 erzielte seine Lieblingsanspielstation Christian Bollmann nach einem geglückten 14 Yard Pass in der neunten Spielminute des zweiten Viertels.

Der nächste Drive der Unicorns gehörte der Kombination Ehrenfried / Adegbesan. Insgesamt drei Mal für einen Raumgewinn von fast 40 Yards fand der Haller Spielmacher seinen über zwei Meter großen Receiver. Den erneuten Ausgleich zum 14:14 erzielte der amerikanische Running Back der Unicorns, Anthony Bilal, mit einem 17 Yard Lauf. Sein Lauf und Stadelmayrs Extrapunkt bescherten den Unicorns auch den Pausenstand, da die Lions bei noch etwas mehr als einer Spielminute, noch einmal bis in die Spielfeldhälfte der Haller vordrangen, doch keine weiteren Punkte mehr bis zur Halbzeitpause generierten, so dass Björn Werners Pre-Game Prognose "mit Schwäbisch Hall stehen die beiden besten Teams im GFL-Finale. Es ist ganz schwer zu sagen, wer das Endspiel gewinnt. Ich denke, dass es eine knappe Kiste wird. Die Fans können sich auf ein spannendes Spiel freuen", durchaus seine Berechtigung fand, auch wenn Schwäbisch Hall mehr Chancen besaß, die jedoch erst im zweiten Viertel zu nutzen wusste. Im Zugzwang befanden sich aber natürlich zunächst die Braunschweiger Footballer, die als Titelverteidiger und Rekordmeister gefordert waren, im dritten und vierten Viertel dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Nach der Pause erhielt der Angriff der New Yorker Lions umgehend erneut das Angriffsrecht und nutzte dieses zur erneuten Führung kompromisslos im Stile eines Champions aus. Mit Läufen von David McCants und Pässen von Therriault auf Bollmann, Hilgenfeldt und Landi arbeiteten sich die Löwen in kürzester Zeit wieder in Scoring-Reichweite bis an die ein Yard Linie der Haller heran. Für den Touchdown zum 21:14 war erneut David McCants zuständig.
 Jordan Neumans Schwäbisch Haller Offense konnte erneut nicht das eigene Angriffsspiel in Punkte umwandeln, so dass der Titelverteidiger langsam begann, das Spiel zu "verwalten". Es sollte zunächst viel Spielzeit von der Uhr durch Rushes genommen werden, um dann irgendwann die Regie an sich zu reißen und den Gegner mit dem gefürchteten Receivercorps, oder den durchtrainierten Running Backs zu überrumpeln. Doch dieser Plan ging nur teilweise auf. Ein vierter Versuch wurde ausgespielt, führte aber zunächst nicht zu vier weiteren Downs. Ein erzwungener anschließender Fumble durch Patrick Finke bescherte den Lions allerdings Sekunden später erneut den Ballbesitz. Ein Pass auf Hilgenfeldt erbrachte viel Raumgewinn und McCants rushte erneut nach vorne. Ein Ausflug von Therriault sollte noch einmal von Unicorns Defensive End Thomas Rauch gestoppt werden, doch das folgende Field Goal bescherte den Lions einen zehn Punkte Vorsprung zum 24:14 Zwischenstand, so dass es zunächst erschien, als wenn dieser taktische Vorteil das Pendel nun auf die Seite der Niedersachsen schwingen sollte.

Mit diesem Spielstand ging es in das vierte und letzte Spielviertel und dem nächsten Angriffsdrive der Haller.
Erneut störte die Verteidigung der Braunschweiger die Schwäbisch Hall Unicorns im entscheidenden Moment. Die Unicorns und ihre "Pistol Offense" versuchten noch einmal alle Energien zu sammeln, um die Partie offen zu gestalten. Der Erfolg ließ sich durch das gekickte Field Goal zum 17:24 aus Sicht der Unicorns auch messen, doch bis zum erhofften Ausgleich war noch ein weiter Weg zu gehen. Patrick Donahue sollte sich allerdings nicht lumpen lassen und lief nach einem fast schon toten Spielzug in die Lions Endzone. Ein illegaler Block in den Rücken, verhinderte den Ausgleich für Schwäbisch Hall, die ohne die zu Recht verhängte Strafe der aufmerksamen Unparteiischen, erneut hätten gleichziehen können. Ein folgender illegaler Snap zu Lasten der Haller veränderte noch einmal die Gesamtsituation, doch die Unicorns wollten sich noch nicht beugen und Adegbesans Catch hielt den Drive und das Match weiter am Leben. Ein zweiter Pass auf den Receiver wurde von Braunschweigs Tissy Robinson verteidigt, das folgende Unicorns Field Goal beendete allerdings den Drive zumindest mit Punkten zu Gunsten der Schwäbisch Haller, die mittels Field Goal auf 20:24 verkürzten. Der Vorsprung der Lions schmolz somit in der Mitte des vierten Quarters auf vier Punkte zusammen und keiner der über 13000 Zuschauer wolle frühzeitig aus Langeweile nach Hause gehen und freute sich auf den zu erwarteten Schlussspurt der beiden aufopferungsvoll kämpfenden Mannschaften, die völlig zu Recht als die aktuell besten deutschen Teams vor, während und nach dem German Bowl XXXVIII bezeichnet wurden.

Das Endspiel befand sich nun in der spielentscheidenden Phase, da sich der Angriff der New Yorker Lions keine Blöße mehr gab und seine letzten Reserven mobilisierte, um sich den elften nationalen Titel endgültig sichern wollte . Von der eigenen 20 Yard Linie startend, arbeiteten sich die Braunschweiger Schritt für Schritt Richtung Haller Endzone. Läufe von David McCants und Pässe von Therriault auf Römer, führten die Löwen bis kurz vor die 40 Yard Linie. Es folgte ein sehenswerter 52-Yard-Pass von Therriault auf Römer bis an sechs Yard Linie der Haller. Einem kurzen Lauf von McCants folgte ein fünf-Yard-Pass von Therriault auf Landi zum 31:20 in die Endzone der Unicorns.


Braunschweig präsentierte sich in der Schlussphase erneut als das besser gecoachte Team und fand im 38. German Bowl weiterhin eine Antwort auf Schwäbisch Haller Herausforderungen. Die Löwenstädter setzten in den letzten zwei Minuten auf Läufe von David McCants, spielten ihr Restprogramm souverän herunter, während die Haller Defense es nicht mehr schaffte, für ein dringend benötigtes Turnover zu sorgen. Somit reichte dem Angriff der Löwen noch ein First Down durch drei Läufe von McCants, bevor Casey Therriault das Spiel bei auslaufender Uhr abkniete und damit den insgesamt elften Meistertitel und den vierten in Folge, für die Braunschweiger Footballer sicherte.

"Es war das knappste von den drei Spielen", bemerkte Halls Head Coach Siegfried Gehrke nach dem Spiel anerkennend. "Wir waren bis auf vier Punkte an Braunschweig dran. Dann ist es uns aber nicht gelungen in der entscheidenden Situation das richtige Play zu machen." Er machte keinen Hehl aus der Enttäuschung über die Niederlage: "Dass es enger war ist nur wenig Trost für uns, denn wir waren schon der Meinung, dass wir das Spiel heute gewinnen können." Nach einer starken Saison, in der man bis zum German Bowl kein Spiel verloren hatte, ging Gehrkes Blick aber schon kurz nach dem Spiel auch gleich wieder nach vorne: "Wir bleiben dran und werden daran arbeiten, im nächsten Jahr wieder hier zu sein." Ob Gehrke nächstes Jahr erneut im German Bowl 2017 an der Sideline als Head Coach stehen wird, ist nach der neuesten Entwicklung allerdings zu bezweifeln. Am 14. Oktober gaben die Unicorns bekannt, dass nach 26 Jahren seine Tätigkeit als Head Coach des Bundesligateams endet. Seine Nachfolger werden Jordan Neuman als Head Coach und Johannes Brenner als Defensive Coordinator. Gehrke soll den TSG-Footballern als Sportdirektor erhalten bleiben. Auf Seiten des alten und neuen Champions aus der Löwenstadt wird sich in punkto Trainerbesetzung nicht so viel ändern. Das Erfolgstrainergespann der Löwen, Head Coach Troy Tomlin und Defensive Coordinator 
Dave Likins, hatten bereits vor dem German Bowl ihre Verträge um mehrere Jahre verlängert und bleiben damit dem deutschen Rekordmeister im American Football auch in den kommenden Jahren erhalten. Head Coach Troy Tomlin erhielt einen neuen Vertrag, der ihn die nächste fünf Jahre an das Team der Lions bindet, Dave Likins unterschrieb eine Verlängerung für vier weitere Jahre und erklärte nach dem Abpfiff: "Ich bin richtig stolz auf meine Jungs. Wir haben in dieser Saison 20 Spiele gespielt, wahrscheinlich mehr als jede Football-Mannschaft der Welt".

Schlüter - 11.10.2019

German Bowl XXXVIII: So sahen die Sieger aus.

German Bowl XXXVIII: So sahen die Sieger aus. (© Wulf Eike)

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