Dem Abstieg und dem Gewitter entronnen

Jubel bei den Winterthur Warriors - der Klassenerhalt ist gesichert.Eine Liga mit nur sechs Mannschaften, in welcher der Tabellenletzte zum Relegationsspiel verdammt wird und die ersten vier Teams die Halbfinals erreichen, gibt es logischerweise immer auch einen 5. Platz. Und manchmal ist man froh, diesen fünften Platz auf sicher zu haben – insbesondere in einer Saison wie die der Winterthur Warriors im Jahr 2019. Einer Saison, die eigentlich gut begonnen hatte, aber danach von Verletzungen und einigen sehr knappen Niederlagen geprägt war. Dass eines der Teams, das gegen den Abstieg kämpfen wird aus Luzern kommen würde, war schon früh angenommen worden. Dass die Warriors hier wahrscheinlich auch mit von der Partie sein sollten, wurde in der Saisonhalbzeit aber auch klar. So kam es am vergangenen Samstag auf dem Deutweg zum Showdown zwischen den Winterthur Warriors und den Luzern Lions. Dieses Spiel wurde als Charity Spiel durchgeführt und die Warriors tauschten die weißen gegen pinke Socken.

Das Spiel begann ganz nach dem Gusto der Warriors. Ohne echten Raumgewinn mussten die Luzerner den Ball schon nach wenigen Minuten wieder abgeben. Weil Richard Wartmann nach wie vor nicht 100 Prozent fit ist, zauberten die Warriors einen neuen Quarterback hervor. Moritz Boller übernahm wieder einmal die Verantwortung für den Angriff und spielte wahrscheinlich das Spiel seines Lebens auf dieser Position. Zuerst schickte er Leon Simioni durch die Luzerner Defensive, diese konnte den jungen Winterthurer erst an der 4-Yard-Linie stoppen. Von da avisierte Boller den genesenen Finn Seidelmann, welcher sofort den ersten Touchdown markierte.

Im Gegenzug scheiterte die Luzerner Offensive an Vinzenz Honegger, der einen Pass aus der Luft pflückte und den Ball wieder in die Luzerner Hälfte trug. Von mehr als 30 Metern nahm Boller wieder Mass und fand wieder Finn Seidelmann zum zweiten Touchdown. Die Warriors spielten sich nun in einen Rausch während die Lions kaum Gegenwehr leisteten. So gab es einen weiteren Touchdown, dieses Mal durch Jonas Pflüger, zum 21:0, bereits im 1. Viertel.

Im zweiten Viertel erhöhte Timo Schneckenburger auf 28:0. Im folgenden Drive der Luzerner wurde der aufgestaute Frust offensichtlich. Zuerst kassierte ein Lions Spieler eine harte 15-Yard-Strafe wegen eines Late Hits. Gleich weitere 15 Yards wurden gegen den Head Coach verhängt, weil er offensichtlich von der Seitenlinie einen verbalen Aussetzer hatte. Die Warriors nahmen diese 30 Yards Raumgewinn gerne an und starteten bereits wieder an der Luzerner 15. Und wieder war es Finn Seidelmann mit einem sicheren Catch zum 35:0. War das bereits die Entscheidung? Nicht ganz, denn die Lions konnten kurz vor der Halbzeitpause einen Touchdown zum 35:7 erzielen.

In der zweiten Halbzeit wurden die Umstellungen auf Seiten der Lions offensichtlich. Bereits beim Kickoff wollte man verhindern, dass einer der schnellen Returner der Warriors an den Ball gelangt. Entsprechend kickte man kurz und Pflüger sicherte den Ball an der Warriors 30. Das Winterthurer Angriffsspiel verlor ein wenig an Fahrt und Boller warf seine einzige Interception des Tages. Weil die Lions aber nach der Interception ein Personal Foul begingen, wurden sie, zwar in Ballbesitz, an die eigene 8-Yard-Linie zurückgedrängt. Die Gäste konnten sich aber aus der misslichen Lage befreien und gelangen bis an die eigene 25. Im vierten Versuch setzten die Lions verständlicherweise alles auf eine Karte und spulten einen Fake Punt Spielzug ab – und scheiterten knapp. Deshalb griffen die Warriors wieder an und erzielten prompt das 42:7 kurz vor Ende des dritten Viertels. Damit war das Spiel endgültig entschieden, denn es war aussichtslos, dass die Lions diesen Rückstand gegen diese Winterthurer Defense noch aufholen konnten.

Kurz nach dem Start ins letzte Viertel näherte sich das angekündigte Gewitter dem Stadion. Eine kurze Besprechung der Referees mit den beiden Trainern ergab, dass man ab sofort die Uhr nicht mehr anhalten würde, sondern so rasch wie möglich das Spiel zu Ende bringen wollte. Die Entscheidung war richtig, denn nur wenige Minuten später fegte das Unwetter über Winterthur hinweg. Das Spiel wurde beim Stand von 42:7 offiziell beendet und die Spieler konnten knapp noch den Handshake abhalten, bevor sie vom Referee mit Nachdruck vom Feld gejagt wurden. Während sich die Winterthurer Spieler unter der Tribüne von den vielen Fans feiern lassen konnten, räumte der Wind das Feld kurzerhand ab. Werbebanden flogen davon und auch eines der Field Goals dürfte durch den Wind beschädigt worden sein.

Wittig - 16.06.2019

Jubel bei den Winterthur Warriors - der Klassenerhalt ist gesichert.

Jubel bei den Winterthur Warriors - der Klassenerhalt ist gesichert. (© WW/Michael Walch)

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