Kerim Homri ist bei den New Yorker Lions ein richtiger Senkrechtstarter geworden. Der 23-jährige Linebacker kam 2008 in das Team des GFL-Clubs und Rekordmeisters und hat seitdem eine bemerkenswerte Laufbahn absolviert. Für seine bemerkenswerten Leistungen des Jahres 2011 wurde der Linebacker mit dem AFVD Award „Spieler des Jahres“ ausgezeichnet. Über seine bisherigen Erfahrungen in Braunschweig, seine neuen Ziele und Erwartungen unterhielt sich der sympathische Multi-Athlet mit Jörg Schlüter.
football-aktuell.de:
Hallo Herr Homri, wie fühlt man sich als frischgebackener AFVD-Sportler des Jahres?
K. Homri:
Es ist schon ein ganz tolles Gefühl, einen solchen Preis gewonnen zu haben. Wenn man bedenkt, dass ich vor ein paar Jahren noch mit in der Südkurve des Eintracht Stadions stand, ist so eine Nominierung schon etwas ganz Tolles und das es gleich im ersten Versuch geklappt hat, eine unglaubliche Sache.
football-aktuell.de:
Sie sind von Haus aus ein Boxer und waren sogar schon norddeutscher Junioren Meister. Wie sind Sie eigentlich zum Football gekommen?
K. Homri:
Ich stamme aus Salzgitter und an meiner Schule wurde mit Hilfe der Lehrte Renegades eine Football AG gegründet. Als das Projekt auslief, bin ich zu den Junior Lions gegangen. Dort habe ich schnell gemerkt, dass die Ansprüche höher waren. Das hat mir gefallen. Über die Landesauswahl Niedersachsen bin ich dann 2008 in das GFL-Team nachgerückt.
football-aktuell.de:
Ist der Trainingsaufwand beim Boxen größer, als beim American Football?
K. Homri:
Beim Boxen bereitet man sich intensiver auf Meisterschaften oder Sportevents vor. Dann wird sieben Mal in der Woche auf den Punkt genau trainiert. Ein Amateurboxer kann rund 17 Kämpfe in zwei Jahren absolvieren. Die Kämpfe sind über das ganze Jahr verteilt, so dass es auch viel Leerlauf gibt. Beim American Football wird das ganze Jahr über trainiert und die Saison ist auf sechs Monate beschränkt. In der Saison ist der Athlet in der GFL ohne Playoffs gerechnet, 14 Mal auf dem Platz. Die Vorbereitung auf den Punktspielbetrieb ist nach meiner Erfahrung beim Football komplexer, als beim Boxen und damit auch schwieriger.
football-aktuell.de:
War der Sprung von den Junioren zum GFL-Team für Sie ein großer Schritt?
K. Homri:
Es war 2008 wirklich ein riesiger Sprung und Intensitätswechsel. Als Rookie musste ich mich erst an die neue Spielkultur gewöhnen, Spielzeiten ergattern und vor allem die notwendige körperlichen Voraussetzungen aufbauen. Von acht Leuten, die mit mir in das Herrenteam gewechselt sind, sind vier übrig geblieben. Bei so einem Leistungsunterschied ist es unheimlich wichtig, eine zweite Mannschaft zu unterhalten. Der ehemalige Jugendspieler kann sich dort in Ruhe weiter entwickeln und später immer noch in das GFL-Team wechseln.
football-aktuell.de:
Am Ende der Saison 2011 haben Sie sich verletzt. Ist die Verletzung mittlerweile ausgeheilt?
K. Homri:
Ja, bei einem der letzten Punktspiele ist an einem Knie der Knorpel gerissen. Im Oktober musste ich operiert werden und seit drei Wochen stehe ich wieder voll im Training. Die Ärzte haben dem auch zugestimmt und ich hoffe, dass ich für Braunschweig vom ersten Spieltag an wieder voll durchstarten kann.
football-aktuell.de:
Sie kennen das Team 2011 und das Team 2012. Letztes Jahr gab es eine Reihe von Veränderungen. Kann Braunschweig in dieser Saison wieder an alte Erfolge anknüpfen?
K. Homri:
Das Ziel der Mannschaft ist es, den German Bowl zu erreichen. Ich glaube, dass es in diesem Jahr mindestens für die Playoffs reichen wird. Der Unterschied zum Vorjahr ist es, dass Phil Hickey bisher viel Ordnung und Strukturen gesetzt hat. Er hat Ziele definiert und er hat klare Vorstellungen, wie man eine Mannschaft führt. Die Leidenschaft hat er nach Braunschweig zurück gebracht und es macht wieder viel Spaß, ein Teammitglied zu sein.
football-aktuell.de:
Sie sind jetzt im 23. Lebensjahr. Wie lange wollen Sie in der GFL auf diesem Niveau noch an den Start gehen? Hat der Beruf nicht irgendwann Vorrang?
K. Homri:
Zur Zeit absolviere ich ein duales Fernstudium zum Fitnessökonom an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Die berufliche Praxis erwerbe ich bei der Firma Aspria in Hannover und alle sechs bis acht Wochen muss ich Präsenzphasen in Hamburg an der Universität der Bundeswehr wahrnehmen. Dadurch habe ich viele Möglichkeiten zu trainieren. Mein Ziel ist es, auf jeden Fall in der Nationalmannschaft eine EM und/oder WM Teilnahme zu erreichen und vielleicht auch bis zum 34. Lebensjahr dabei zu bleiben. Irgendwann wäre ein Trainerschein wünschenswert und ich will dann auf jeden Fall Jugendliche fördern.
Schlüter - 14.03.2012

LB Kerim Homri (© Zelter Media Service)
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