In den Bowl-Spielen zum Abschluss der Saison ist oft eine Menge Tradition im Spiel, die den Partien eine Bedeutung verleiht, die sonst nur selten zu finden ist. Seien wir ehrlich: Beim Beef’O’Brady’s Bowl St. Petersburg wird man noch eine Zeit warten müssen, bis es so weit ist. Denn das Spiel im Tropicana Field in Florida fand erst zum vierten Mal statt. Die einzige Konstante im Spiel eines Teams von der Halbinsel und einer Mannschaft von außerhalb war bisher, dass die „Heimmannschaft“ immer die Oberhand behalten konnte.
Diese Bürde kam dieses Mal Florida International zu. Passenderweise ist das Programm nur wenig älter als der Bowl, wurde nämlich erst 2002 gegründet und nahm letztes Jahr erstmals an einem der großen Spiele zum Jahresende teil. Während die Premiere im Little Caesars Pizza Bowl gegen Toledo gewonnen werden konnte, war der Gegner dieses Mal eine Nummer zu groß: Gegen die Thundering Herd von Marshall hatte FIU nicht nur in Sachen Tradition das Nachsehen. 10:20 hieß es am Ende, wobei die Entscheidung erst in den letzten fünf Minuten des Spiels fiel.
Irgendwie darf man dann aber auch doch von einem Sieg einer Heimmannschaft sprechen, da Marshall zwar in West Virginia beheimatet ist, doch 28 Spieler im Kader aus Florida rekrutiert wurden. Unter anderem Freshman Quarterback Rakeem Cato, der seinen Einsatz forderte, weil es sich „wie Tom Brady fühlte“. Mit 226 Yards für zwei Touchdowns und einer Interception kam er zwar nicht an die Werte des zukünftigen Hall of Famers heran, doch in den entscheidenden Momenten hatte er seine Nerven im Griff. So legte er eine halbe Minute vor Schluss Aaron Dobson das Ei mit einem 35 Yard Pass in die Arme und sorgte für die Entscheidung.
Knackpunkt im Spiel war aber ein geblockter Punt beim Stand von 10:10 ca. fünf Minuten zuvor. Den Fehler der Special Teams von FIU münzte Marshall in ein Field Goal um und brachte mit der Führung auch das Momentum des Spiels auf seine Seite. Der Rest war dann mehr oder weniger Formsache. Ganz im Gegenteil zur Vertragsverlängerung von Coach Tom Cristobal bei Florida International. Der Mann, der die Universität auf die Landkarte des College-Sports brachte, wird unter anderem von Pittsburgh umworben. Zumindest in Sachen Tradition würde er da einen ganz großen Sprung machen. Ob ihm das reicht, muss er in den kommenden Wochen entscheiden.
Garn - 21.12.2011
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