Sebastian Schumacher: „Beide Flag-Varianten müssen sich akzeptieren“

Die Flag-Nationalmannschaften werden wieder zusammen gestelltIm Frühjahr 2011 werden wieder die Kader für die deutschen Flag Football Nationalmannschaften vom AFVD zusammengestellt. Der Teammanager dieser Auswahlen, nimmt dabei, wie auch in den Vorjahren, eine koordinierende und organisierende Rolle ein. Amtsinhaber Sebastian Schumacher informiert exklusiv für football-aktuell.de über den Stand der Dinge und wagt einen Ausblick auf zukünftige Ligenstrukturen und Projekte. Die Fragen stellte Jörg Schlüter.


football-aktuell.de:
Hallo Herr Schumacher - Da es sein kann, dass nicht alle American Footballer Sie in Deutschland kennen, möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen.

Sebastian Schumacher:
Also, mein Name ist Sebastian Schumacher, ich bin 33 Jahre alt, verheiratet, bei der Lufthansa Technik tätig und spiele seit 1999 Flag Football. Ich habe die Kelkheim Lizzards 2001 gegründet und bis 2010 als Teammanager betreut. Als Spieler wurde ich mit den Lizzards fünfmal deutscher Meister, war Veranstalter von 5 deutschen Meisterschaften, spielte jahrelang DFFL sowie einige Turniere in ganz Europa und stellte 2006 bis 2009 die deutsche Herrennationalmannschaft. Seit 2008 bin ich im Bundesland Hessen für den Spielbetrieb der Flagliga Hessen zuständig, organisiere die jährlichen German Flag Open und betreue die Damen- und Herrennationalmannschaften als Teammanager und Sponsor und wurde 2010 ein MVP der WM in Kanada.

football-aktuell.de:
Es gilt nun, für die kommenden internationalen Flag Football Turniere neue Spielerinnen und Spieler zu rekrutieren. Das gilt dann für die kommende EM und WM. Wo werden diese Tryouts stattfinden?

Sebastian Schumacher:
Natürlich werde ich, soweit es meine Zeit erlaubt, bei den kommenden Turnieren in ganz Deutschland weiter auf Spielersuche gehen. Parallel dazu können sich alle interessierten Spieler und Spielerinnen sich bei mir für die Tryouts anmelden. Eine PM des AFVD gab es ja dazu schon. Bereits beim Snowbowl in Ilmenau vergangenes Wochenende knüpfte ich einige Kontakte. Mein nächster Sichtungstermin wird ein Turnier in Nürnberg am 6. März sein. Bis Mitte März werde ich die Spielersuche beenden und zu den Tryouts laden. Es kann sein, dass bereits am 5. März in Nürnberg das erste Tryout stattfinden wird. Übrigens sind auch noch nicht alle Trainerposten besetzt. Auch hier nehme ich noch Anmeldungen entgegen.

football-aktuell.de:
In den vergangenen Jahren kamen die führenden Flag Footballnationen aus Dänemark, Österreich, Kanada und den USA. Sogar Italien hat bei der letzten WM ein bemerkenswertes Turnier gespielt. Können Sie uns die möglichen Gründe verraten, warum es einen spürbaren Leistungsabstand zu diesen Nationen gibt?


Sebastian Schumacher:
Man darf nicht vergessen, dass gerade die Teams aus Italien und Dänemark seit mehreren Jahren mit demselben Spielern und Trainerstäben arbeiten. Hinzu kommt die internationale Erfahrung aller Akteure. Diese Länder sind uns einfach ein paar Jahre voraus, ich bin aber sehr zuversichtlich, dass wir diese Lücke vielleicht schon 2011 schließen können. Ob es gelingt, zu den USA und Kanada schon bei der WM 2012 in Schweden aufzuschließen hängt davon ab, wie konstant wir in den kommenden beiden Jahren arbeiten können. In den vergangenen Jahren haben die Lizzards als deutscher Meister die Nationalmannschaft gestellt. Sowohl organisatorisch als auch als wirtschaftlicher Träger, natürlich gemeinsam mit anderen Spielern aus ganz Deutschland, haben wir sogar einen Vize Europameistertitel vorzuweisen. Aber 2010 mussten wir einfach erkennen, dass das Leistungsniveau bei EM und WM immer weiter ansteigt. Um mithalten zu können, mussten wir auch in Deutschland zum Prinzip Leistungskader zurückkehren. Ich bin dem AFVD dankbar, dass wir diesen Schritt jetzt machen. In diesem Sinne möchte ich auch betonen, dass ab sofort wieder der AFVD die Nationalmannschaften stellt. Ich bin „nur“ der Teammanager und Organisator im Auftrag des Verbandes und danke für das in mich gesetzte Vertrauen. Ich träume von dem Gewinn der Europameisterschaft 2013 im eigenen Land.

football-aktuell.de:
Vielleicht noch einmal zum Mitschreiben für alle Interessierten. Die Tryouts sind an welchen Wochenenden geplant und eine Mail an Sebastian Schumacher reicht aus, um sich hierfür anzumelden?

Sebastian Schumacher:
Eine Email an mich reicht aus. Name, persönlich Daten, Position und Mannschaft benötige ich allerdings. Ich möchte auch noch einmal betonen, dass alle Anfragen keine garantierten Anmeldungen sind. Der AFVD plant zwei bis drei Tryouts. Im Norden, Süden und in Mitteldeutschland. Ob diese stattfinden, hängt natürlich davon ab, aus welchen Regionen sich die Spieler- und Spielerinnen anmelden. Die Termine kann ich leider noch nicht bekannt geben. Die Bewerbungsfrist läuft ja im März ab und dann werde ich bis April die Termine und Orte bekannt geben. Bisher haben sich bei den Damen 16 Spielerinnen und vier Trainer beworben, bei den Herren 17 Spieler und vier Trainer. Die Position des Head Coaches bei den Damen ist bereits vergeben.

football.aktuell.de:
Welche sportlichen Anforderungen muss ein solcher Kandidat, beziehungsweise eine solche Kandidatin erfüllen?

Sebastian Schumacher:
Alle Bewerber und Bewerberinnen müssen aktive Footballspieler in einem Verbandsteam sein. Und dieses sage ich ganz bewusst: Ob 9er oder 5er Flag oder auch Tacklefootballer - wer gut ist und in die Mannschaft passt, ist mit dabei. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre und einen deutschen Pass muss jeder aktiver Spieler haben. Leider muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass es bei Sportarten, wie wir sie spielen, üblich und auch notwendig ist, dass ein finanzieller Eigenanteil mitgebracht werden muss. Bei einer EM Reise kann dieser auch schon einmal bis 200,- pro Person hoch sein. Trotz Zuschüssen, natürlichen Zahlungen des AFVD und einigen Sponsoren war es uns auch in den vergangenen Jahren nicht möglich, die Reisen ohne Eigenanteil zu finanzieren. Die EM wird entweder am Wochenende des 17. oder 24.9.2011 stattfinden. Der Spielort steht noch nicht fest. Jeder Akteur sollte in der Woche vor der EM und an bis zu zwei Wochenenden zwischen Mai und August Zeit für die Trainingslager haben.

football-aktuell.de:
Während der letzten WM konnte man beobachten, dass viele Tacklefootballer auch für ihren Verband als Flag Footballer eingesetzt wurden. In Deutschland ist das eher die Ausnahme - Warum eigentlich?

Sebastian Schumacher:
In den vergangenen Jahren haben auch aktive Tacklefootballer für Deutschland gespielt und ich begrüße dies sogar. Flag ist schon fast eine andere Sportart, aber die Technik, die jeder Spieler erlernen muss, ist doch irgendwo gleich. Ich denke, dass auch in Zukunft einige aktive Tackler dabei sein werden. Bisher war es aber eher eine Zeitfrage. Bei einem so engen GFL- und Ligenspielplan wird es schwierig, noch Zeit für zusätzliche Trainingslager zu finden. Zudem wird Flag von vielen nicht so wirklich ernst genommen, was ich persönlich sehr schade finde. In anderen Ländern ist dieses nun mal anders.

football-aktuell.de:
Das offizielle Regelwerk basiert auf den 5vs5 Modus. Wir hörten, dass es Überlegungen gibt, eine überregionale 5vs5 Liga mit regionalen Staffeln zu schaffen. Wie weit sind diese Pläne fortgeschritten und in der Umsetzungsphase?

Sebastian Schumacher:
Es gibt ein Pilotprojekt eines Teams aus NRW, welches 2010 erprobt worden ist. Das Team ist allerdings nicht Mitgliedes des Footballverbandes und genau da liegt das Problem der 5er Flag Szene. Viele Teams machen den Schritt zum „Verbandsteam“ nicht. Es bilden sich dennoch Jahr für Jahr immer mehr Teams. NRW spielt 2011 wieder eine Flagliga mit acht Mannschaften, in Hessen wird die Flagliga auch wieder mit acht bis neun Mannschaften an den Start gehen. Ich habe Kontakt zu mehr als 20 Verbandsteams im Bundesgebiet und einige Ideen im Kopf. Ich möchte dem AFVD diese gerne Ende des Jahres vorstellen und vielleicht haben wir dann 2012 wieder einen „German Flagbowl“ mit dem entsprechenden Spielbetrieb im Vorfeld. Ich denke aber auch, dass die Ligen in den jeweiligen Bundesländern bleiben sollten und man sich dann zu einem gemeinsamen Meisterschaftswochenende trifft.

football-aktuell.de:
In der DFFL wird traditionell im 9vs9 Modus gespielt. Besteht jenseits des offiziellen Regelwerkes weiterhin ein Bestandschutz für den 9vs9 Modus in Deutschland?

Sebastian Schumacher:
Ich plädiere stark dafür. Warum sollen nicht beide Varianten in Deutschland weiter existieren? Wichtig ist nur, dass sich „beide Gruppen“ akzeptieren und wir als Gemeinschaft unsere Sportart repräsentieren. Fakt ist aber auch, dass eine deutsche Meisterschaft ab 2012 eine 5er Flag Veranstaltungen werden muss, denn dieses ist nun mal auch die Variante, die international gespielt wird. Auch um eine Nationalmannschaft aufzubauen und stellen zu können, benötigen wir einen 5er Spielbetrieb. Ich würde dennoch jeder Zeit wieder 9er Flag spielen und hoffe auch, dass die vielen Akteure und Vertreter der 9er Variante meine Worte verstehen. Es ist nicht das Ziel des AFVD 9er Flag mit aller Gewalt „auszurotten“. Die DFFL spielt dieses Jahr mit neun Mannschaften denke ich und es gibt weitere drei Teams in Deutschland, die nur aus organisatorischen Gründen kein 9er in der Liga spielen. Es gibt mehr als 20 Mannschaften die 5er spielen. Hier wird jedoch regional gespielt und nicht in einer bundesweiten Liga, was auch gut so ist. Es mangelt bei allen Flagmannschaften Deutschlands an der Öffentlichkeitsarbeit und wenn diese besser wird, können wir gemeinsam Flag Football weiter vorantreiben. Wir haben die Unterstützung des AFVD, wir müssen nur wollen. Den Anfang werden wir als AFVD jetzt machen und die www.flagfootball.de Seite über das Jahr gesehen vermehrt aktualisieren und auch aus den regionalen Ligen berichten.

Schlüter - 20.01.2011

Die Flag-Nationalmannschaften werden wieder zusammen gestellt

Die Flag-Nationalmannschaften werden wieder zusammen gestellt (© Schlüter)

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