Unvergessliche Momente bei den Cardinals

Drei Spieler der Saarland Hurricanes folgten der im Juni ausgesprochenen Einladung von Arizona Cardinals Coach Rick Courtright und besuchten ihn in seiner Heimat. Das Receiver-Trio Michael Freis, Bastian Schmitt und Mathias Rollwa verbrachte in der Folge drei Tage mit dem Teilnehmer am letztjährigen Super Bowl in Glendale – drei Tage, die für die Sportler unvergesslich bleiben werden; Tage für die sie sich bei Rick Courtright gar nicht genug bedanken konnten.

Michael Freis hat nachfolgend die Tage in einem Erlebnisbericht zusammengefaßt:

Im Juni dieses Jahres war es wieder soweit, Rick Courtright trat die lange Reise nach Deutschland an, um mit den Saarland Hurricanes eine intensive Trainingswoche zu starten. Zur Freude der Hurricanes brachte der Assistant Defensive Back Coach der Arizona Cardinals massive Verstärkung in Form des Nose Tackles Gabe Watson (#98) mit. Am Ende einer harten, lehrreichen und nachhaltigen Trainingswoche bot Coach Courtright den Hurricanes an, ihn in seiner Heimat zu besuchen. Wie ernst er diese Einladung meinte, konnten wir Spieler uns gar nicht vorstellen. Angesichts der laufenden Saison traten unsere Urlaubsplanungen zu dieser Zeit auch in den Hintergrund. Das änderte sich dann mit dem Ende der Spielzeit. Wir, drei Jungs aus dem Receivercorps der Canes, planten einen gemeinsamen Urlaub im Heimatland des ovalen Lederballs. Die Flüge wurden gebucht und mit Coach Courtright ein Wiedersehen vereinbart. Insgeheim hofften wir noch auf Karten für das kommende Heimspiel, aber was dann kam, übertraf unsere kühnsten Erwartungen um ein Vielfaches.

Am 25.09.09 in Phoenix angekommen, nahmen wir Kontakt mit Coach Courtright auf. Zu unserem Erstaunen stellte sich bei dem Telefonat heraus, dass der Coach in einem nahe gelegenen Hotel bereits Zimmer reserviert hatte und wir uns dort mit ihm gegen späten Nachmittag treffen würden. Gegen 17 Uhr Ortszeit war es dann soweit. Nach einer herzlichen Begrüßung lud uns Rick Courtright zum Abendessen ein. Im Restaurant angekommen nutzten wir die Chance, ausgiebig über Spieler, Saison, neusten Ereignisse und allgemeine Themen rund um den Football zu diskutieren. Nach dem Essen und der Input an Insiderwissen überraschte uns der Coach mit der Nachricht, dass wir jetzt noch das Trainingsgelände und die Räumlichkeiten der Arizona Cardinals besichtigen.

Mit „echtem NFL-Feeling“ an unserem ersten Abend hatten wir im Traum nicht gerechnet. Wir freuten uns wie die Schneekönige und konnten es kaum noch erwaten in den heiligen Hallen anzukommen. Quasi wie ein Kind an Weihnachten, das kaum noch erwarten kann die Geschenke auszupacken. Nach einer gefühlten Ewigkeit, ca. 15 Meilen, parkten wir schließlich vor der Trainingsstätte. Voller Erwartungen betraten wir das Gelände und wurden keineswegs enttäuscht. Angefangen vom Spielfeld, den drei Trainingsplätzen, über Fitnessstudio und Physioräume, Umkleide und Wellnessbereich bis hin zu den Meetingräumen wurde alles gezeigt und ausführlich erläutert. Ein unbeschreiblicher Moment der NFL so nah zu sein. Überwältigt von dem Gesehenen, aber auch fasziniert von der Professionalität hieß es nach über einer Stunde den Rückweg anzutreten. Noch auf der Heimfahrt folgte die nächste Überraschung. Coach Courtright erklärte, dass am nächsten Tag das übliche Walk Through stattfinden würde und wir eingeladen wären. Wieder eine Nachricht die kaum zu toppen war.

Am nächsten Tag erschienen wir wie vereinbart vor dem Trainingsgelände und meldeten uns wie besprochen beim Pförtner an. Wir waren gespannt, wie ein Walk Through in der NFL ablaufen würde. Nach nur kurzer Wartezeit kamen die ersten Spieler aus dem Trainingsgebäude. Am Anfang einige der Offense- und Defenseliner und danach weitere Stars wie Tim Hightower, Kurt Warner, Larry Fitzgerald, Anquin Boldin und viele mehr. Ein unglaublicher Moment, einige der weltbesten Footballspieler hautnah zu erleben. Wir freuten uns auch Gabe Watson wiederzusehen. Er wusste, dass wir kommen würden und hatte seine Mitspieler schon auf uns vorbereitet. Mit der Folge, dass wir direkt nach dem Walk Through mit in die Umkleidekabinen durften. Dort angekommen wurden uns die Spieler nacheinander persönlich vorgestellt. Einige nahmen sich Zeit im Gespräch näheres über uns und den Grund unseren Aufenthalt zu erfahren. Durch die Reihe waren alle Spieler absolut höflich, freundlich und zuvorkommend, keinerlei Anflug von Starallüren oder ähnlichem Verhalten, was uns angenehm überrascht hat. Im Anschluss an das großartige Erlebnis gab es noch Eintrittskarten für das Spiel gegen die Indianapolis Colts am nächsten Tag. Ein Highlight jagte das Nächste.

Sonntags war es dann soweit. Die rund 25 Meilen bis zum Stadion in Pheonix waren schnell gefahren und so hatten wir noch Zeit die Fan-Meile rund um das Stadion zu begutachten. Bei 45° Celsius im Schatten entschloss wir uns jedoch relativ schnell die Karten zu lösen und die reservierten Plätze im klimatisierten Stadion zu suchen. Uns erwartete ein phänomenaler Anblick der für uns alle einen bleibenden Eindruck hinterlassen sollte. Die Stimmung beim Spiel, bei dem über 75.000 footballbegeisterte Menschen Ihrem Jubel freien Lauf ließen, jagte uns einen angenehmen Schauer über den Rücken. Das Spiel an sich war hart aber fair, leider auch immer wieder von mentalen Fehlern der Gastgeber durchzogen, so dass nach einem kurzweiligen und actionreichen Spiel die Partie mit 31:10 für die Gäste aus Indianapolis endete. Der anschließende After-Game-Brunch mit der Mannschaft und deren Angehörigen stellte den krönenden Abschluss dieser erlebnisreichen (Football-) Reise dar. Hier hatten wir noch die Gelegenheit das Spiel zu reflektieren und über Football in Deutschland zu diskutieren. Danach war es an der Zeit sich voneinander zu verabschieden und so gingen drei eindrucksvolle, footballreiche Tage leider zu Ende. Schade eigentlich, denn hätten die Cards an dem Tag gewonnen, hätten die Spieler zur Strafe nach dem Brunch nicht direkt wieder zum Rapport und zu einer ersten Analyse gemusst.

An dieser Stelle geht ein großes Dankschön an die Saarland Hurricanes, die den Kontakt hergestellt und uns letztendlich diese tolle Zeit ermöglicht haben. Vor allem aber möchten wir Coach Rick Courtright und seiner Frau ganz herzlich danken. Wir wurden mit einer Freundlichkeit und Herzlichkeit aufgenommen die uns alle tief berührt hat. Es wurde sich Zeit genommen und vieles erklärt, obwohl Rick selbst einen äußerst straffen Zeitplan hatte. Wir bekamen einzigartige Einblicke hinter die Kulissen eines NFL-Teams, das am Anfang des Jahres sogar Finalist im Super Bowl war. Das schönste Geschenk von Rick sind jedoch die vielen unvergesslichen Momente die uns nachhaltig in Erinnerung bleiben werden.

Aus Sicht eines GFL-Spielers haben wir uns überraschender Weise in vielen Abläufen und Gepflogenheiten wiedergefunden. Klar, wir besitzen keine drei Top-Rasenplätze, die für’s Training genutzt werden, haben nicht für jede Position einen eigenen Meetingraum, unsere Whiteboards bedecken nicht eine komplette Wand und wir haben kein riesiges Heer an Trainern, Physiotherapeuten und sonstigem Servicepersonal. Aber die Trainingsabläufe, Taktikbesprechung, der kameradschaftliche Umgang miteinander und die Freude am Sport sind vom Prinzip her fast identisch. Uns gab diese Erkenntnis einen enormen Motivationsschub, zu wissen das man hier in Deutschland trotz vieler Widrigkeiten für die richtige Sache kämpft und lebt und es dort ähnlich abläuft nur eben in anderen Dimensionen.

Demnach schafft der permanente Einsatz von Verein und Trainern die Rahmenbedingungen, die für uns Spieler notwendig sind. Es liegt an jedem Spieler selbst wie er sein eigenes Potenzial fördert und sich somit aktiv in das Team einbringt. Uns stehen keine großen materiellen Werte zur Verfügung, aber wir haben eine Gemeinschaft - unser „Team“! Ein unschätzbarer ideeller Wert der durch jede Aktivität und Leistungsbereitschaft eines jeden Spielers steigt. In diesem Sinne: „Denk nicht darüber nach was das Team für Dich tun kann, sondern denk darüber nach was Du für das Team tun kannst“.

Reif - 17.11.2009

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