Heimlicher Quarterback

Kevin Byard kann auch passen.Kaltschnäuzig eröffneten die Tennessee Titans die Partie gegen die Houston Texans, cool und mit etwas Glück retteten sie am Ende den 20:17-Sieg ins Ziel. Quarterback Marcus Mariota konnte nach der Ellbogenverletzung der ersten Woche geschont werden, sein Stellvertreter Blaine Gabbert spielte manierlich und hatte so das bessere Ende gegenüber der großen Texans-Quarterback-Hoffnung Deshaun Watson für sich. Für den neuen Head Coach Mike Vrabel war es der erste Sieg mit den Titans, wobei er nach dem Spiel trocken zu Protokoll gab, dass in der NFL (und nicht nur dort) Siege schließlich immer das Verdienst der Spieler seien. Nur an Niederlagen seien halt immer die Coaches schuld.

Sein Mut zum Risiko darf dennoch hervorgehoben werden. Es wird ja wohl die Entscheidung des Coaches gewesen sein, in der ersten Punt-Situation des Spieles Safety Kevin Byard in der eigenen Hälfte als versteckten Quarterback aufs Feld zu schicken. Byard nahm den kurzen Snap an, bediente den aus der Punt-Formation unbemerkt von den Texans als Receiver herausbrechenden Dane Cruikshank mit links - und beide produzierten den längsten Passspielzug mit einem Defense-Spieler als Passer in der Super-Bowl-Ära der NFL: Nach 66 Yards führten die Gastgeber mit 7:0.

Später erhöhte Gabbert per Pass auf Taywan Taylor zum 14:0, und Vrabel ließ weitere Male beim vierten Versuch nicht punten, und sein Team verlängerte auch ohne Fakes bei diesen Gelegenheiten die eigenen Angriffsserien. Dies nutzte immerhin insofern etwas, als die Texans Spielzeit verloren, auch wenn die Titans dann wenig später doch den Ball abgeben mussten, aber eben auch in besserer Feldposition. Die Texans kamen dennoch nicht nur auf 10:14 heran, sondern zu Beginn des letzten Abschnitts durch den zweiten Touchdown-Pass von Watson zogen sie auch 17:14 in Front.

Nachdem Will Fuller V mit diesem Touchdown und 113 Yards Raumgewinn insgesamt bewies, dass seine leichte Verletzung aus dem ersten Spiel ihn nicht stoppen wird, besannen sich aber Gabbert und Co. zur rechten Zeit noch auf die konventionelle Art, den Ball vorwärts bewegen zu können. Herrschte in den Vierteln zwei und drei in Tennessee massiv Angriffsflaute, ging es nun wieder vorwärts, zwar nur zu zwei Field Goals, aber die genügten zum 20:17-Sieg, weil die Texans am Ende ihre Auszeiten aufbrauchen mussten und die Titans-Defense danach ihren Mann stand und Watson nicht mehr aus der eigenen Hälfte herausließ.

Ein wenig also umgekehrte Verhältnisse im Spiel der beiden Divisionsrivalen: Eigentich hätte man ja von der defensiven Einheit Houstons um J.J. Watt gegen den vom Ersatzmann Gabbert geführten Angriff Tennessees erwartet, entscheidende Akzente zu setzen. Zumal die Titans auch in der Offensive Line umstellten und auf eher unerfahrene Akteure setzten. Auch dies war eher ein Beleg dafür, dass wohl Coach Vrabel das richtige Gespür hatte. Vier Quarterback Sacks musste Houston einstecken, während die Offensive Line der Tennessee Titans sicherer stand und den Gegner lediglich einmal zum eigenen Quarterback durchließ. Für Jurrell Casey wurden zwei Quarterback Sacks in der Statistik festgehalten, und er provozierte einen Ballverlust des Gegners. Dazu wirkte er mit vier Solo-Tackles auch im "Tagesgeschäft" ordentlich mit. Den Vogel schoss aber natürlich Byard ab: Neben seinen sieben Solo-Tackles war sein Touchdown-Pass das Thema des Tages.

Auerbach - 18.09.2018

Kevin Byard kann auch passen.

Kevin Byard kann auch passen. (© Getty Images)

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