Showdown in der GFL Nord

A.J. Wentland und die Dresden Monarchs könnten in Braunschweig zum Gruppensieg stürmen.Kuriose Situation vor dem letzten Spieltag in der GFL Nord: Die Berlin Rebels haben den direkten Vergleich gegen die New Yorker Lions ebenso gewonnen wie gegen die Dresden Monarchs, und dennoch können sie maximal Zweiter hinter einem der beiden werden. Denn während die Berlin Rebels zu Hause gegen Hildesheim spielen, treffen Tabellenerster und -zweiter in Braunschweig am Sonntag ab 15 Uhr zeitgleich aufeinander. Der Sieger dieser Partie wird Erster, ganz egal, was die Rebels machen.

Der Verlierer fällt allerdings auf Rang drei hinter die Berliner zurück, was für das Viertelfinale statt eines Heimspiels gegen die Allgäu Comets die Reise zu Samsung Frankfurt Universe bedeutet - ein ziemlicher Unterschied. Wie groß er aktuell ist, zeigt sich im dritten am Sonntag um 15 Uhr parallel laufenden Spiel, wenn die beiden in Frankfurt aufeinander treffen, das Hinspiel gewannen die Frankfurter in Kempten mit 66:7. Was es zusätzlich ungemütlich für die Berliner macht: Spielen Braunschweig und Dresden unentschieden gegeneinander, bleiben die Berliner auf Rang drei kleben, Dresden würde zwar den absoluten Coup verpassen, aber Rang zwei verteidigen.

Unentschieden im Football? Gibt es nicht, oder? Tatsächlich kann es nach den reinen College-Regeln praktisch kein Remis geben. Der ursprünglich als Kansas City Tiebreaker bekannte und inzwischen in die Regeln, nach denen auch in Deutschland gespielt wird, integrierte Verlängerungsmodus ähnelt mehr einem Fußball-Elfmeterschießen und könnte nur rein theoretisch ewig Gleichstand produzieren. Es wird aber gespielt, bis ein Sieger feststeht - nur wenn die Sonne unter- oder das Flutlicht ausgeht oder alle Spieler oder Schiedsrichter vor Entkräftung umfallen, wäre absolut theoretisch ein anderer Ausgang möglich.

In deutschen Punktspielen ist allerdings im Normalfall keine Verlängerung vorgesehen (nur in den regionalen bayerischen Ligen wird seit einigen Jahren mit dieser Regelung experimentiert), diese gibt es erst in Playoffs oder Relegationsspielen. Also müssen die Rebels am Sonntag nicht nur ihrer häufig gerade in mutmaßlich "leichten", aber für sie wichtigen Spielen auftretenden eigenen Nervosität trotzen, sondern immer auch mal zwischendurch einen Blick nach Braunschweig oder auf die Live-Scores im football-aktuell-Scoreboard werfen...

Die Wahrscheinlichkeit für Unentschieden wird im Football gern etwas unterschätzt. Auf Basis von etwa 50.000 absolvierten Spielen der letzten zehn Jahre vor allem in Nordamerika und Europa, aber auch in Japan und Australien zum Beispiel, spuckt unsere Datenbank einen Wert aus, der sich als Faustformel-Prozentsatz überaus gut merken lässt, aber (Hand aufs Herz!) deutlich über dem liegt, was Sie jetzt gerade geschätzt hatten: 7,77 Prozent aller Spiele standen nach dem vierten Viertel unentschieden. Die meisten davon wurden dann verlängert, es gab einen Sieger, "a win is a win", und so weiter... Deswegen deckt sich dieser Wert nicht mit dem, was wir aus unserer Erinnerung an die vielen, vielen miterlebten Football-Spiele meinen zu wissen.

Das heißt also, dass etwa jedes 13. Spiel eine Verlängerung (die in Braunschweig nicht vorgesehen wäre) braucht, um einen Sieger zu finden. Um nicht zu übertreiben, muss man hinzufügen, dass die Zahl an Unentschieden nach vier Vierteln mit steigendem Spielniveau tendenziell fällt (also in der NFL zum Beispiel bei um die fünf bis sechs Prozent liegt) und in Braunschweig am Sonntag ja nun auch keine unerfahrenen Jugendmannschaften zu Werke gehen. Allerdings darf das die Rebels kaum beruhigen, denn auf der anderen Seite ist die Ausgangslage eben so speziell, wie sie ist - alle wissen um die jeweiligen Konsequenzen von Sieg, Niederlage oder Unentschieden. Und wie sich dies dann auf die Motivationslage in den verschiedensten denkbaren Szenarien auswirkt, muss sich erweisen.

Um möglichen Missverständnissen gleich mal vorzubeugen: Jeder Braunschweiger und jeder Dresdner wird mit dem Ziel auf dem Platz stehen, diese Partie unbedingt gewinnen zu wollen. Erstmal weil in einer physischen Sportart wie Football dieser Unterschied zwischen "Gewinnen" und "Verlieren" auch noch stärker erlebt wird als in anderen Disziplinen und hier die Tabelle für jedes einzelne Spiel nur einer von vielen Faktoren ist, um die es geht. Zweitens weil die Gruppendynamik der großen Kader und großen Trainerstäbe dafür sorgt, dass eine Football-Partie mit rund 100 Beteiligten und ständigen und unbegrenzten Auswechselmöglichkeiten absolut nicht dafür geschaffen ist, dass irgendwer etwa nicht mit allen anderen am selben Strang ziehen würden und welch eigenes Süppchen auch immer kochen wollte.

Allerdings kommt am Ende - wenn denn noch ein Remis möglich ist - die Football-spezifische Taktik des Clock Managements ins Spiel. Und da sind dann natürlich eine Vielzahl von Situationen denkbar, die in dieser Phase die Wahrscheinlichkeit eines Unentschiedens gegenüber dem "Normalfall" erhöhen. Weil sie die Coaches aus rationalen Erwägungen geradezu dazu zwingen, anders vorzugehen als üblich, um erfolgsorientiert zu arbeiten. Wenn etwa drei Minuten vor Schluss Braunschweig an der eigenen 20-Yard-Linie bei Gleichstand in Ballbesitz käme. Oder eine Minute vor Schluss ein First Down an der Mittellinie holt. Oder mit einem Touchdown auf einen Punkt aufgeschlossen hat und vor der Entscheidung "PAT oder Conversion" steht, die gerade im Football der letzten Jahre ja häufig mit der Antwort "alles oder nichts" beantwortet wurde, was hier ziemlich kontraproduktiv wäre. Oder drei Sekunden vor Schluss an der 13-Yard-Linie ein Field Goal kicken oder stattdessen auch aufs Knie gehen könnte. Und noch viele Situationen mehr können es sein, in denen es wegen des Risikos von Ballverlusten dann geradezu fahrlässig wäre, weiter bedingungslos auf Sieg zu setzen, als mit dem Unentschieden die wirklichen eigenen Saisonziele weiter zu verfolgen.

Ein wenig stecken die Teams aus Braunschweig und Dresden am Sonntag in einer Art umgekehrtem Gefangenendilemma, einem bekannten Gedankenexperiment aus der Spieltheorie. Darf man Wikipedia glauben, dann ist die rational richtige Strategie für solche Situationen, einzig den eigenen Vorteil im Sinn zu haben. Und da Football nun bei aller Emotionalität ein in seiner Taktik sehr rational geprägtes Spiel ist, entspricht dies ja auch dem, was auf dem Feld zu erwarten ist: Es wird auf Sieg gespielt, ganz egal, was die weiteren Konsequenzen oder Optionen wären. Bei Experimenten mit Versuchspersonen soll sich aber gezeigt haben, dass unerwartet viele Menschen - etwas mehr als ein Fünftel - eben doch auf unabgesprochene Kooperation setzen, um ein solches Dilemma aufzulösen. Bleibt also ein Restrisiko für die Rebels, das zwischen ihnen und dem ersten Playoff-Heimspiel ihrer Vereinsgeschichte steht. Abgesehen davon, dass sie natürlich erst einmal auch ihren eigenen Gegner auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen dürfen.

Auerbach - 06.09.2018

A.J. Wentland und die Dresden Monarchs könnten in Braunschweig zum Gruppensieg stürmen.

A.J. Wentland und die Dresden Monarchs könnten in Braunschweig zum Gruppensieg stürmen. (© Miladinovic)

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