Neue Hymnenpolitik überzeugt nicht

Flagge und Hymne sind für die meisten Amerikaner heiligMit einem faulen Kompromiss versuchen die NFL Owner das für sie leidige Thema des Abkniens einzelner Spieler während der Nationalhymne vor Spielen in den Griff zu bekommen: Künftig schreibt man allen Spielern und Teamangehörigen auf dem Feld vor, während des Abspielens der Hymne zu stehen. Wer dies jedoch nicht möchte, der hat währenddessen in der Kabine zu bleiben.

Die Entscheidung soll laut Roger Goodell einstimmig gefallen sein, doch anschließend meldete sich San Francisco 49ers Owner Jed York zu Wort, dass er der Abstimmung ferngeblieben war. Allem Anschein nach hatte man auch die Spielergewerkschaft NFLPA oder einzelne Spieler nicht in die Diskussion mit eingebunden, was die neue Regelung von vornherein angreifbar macht.

Der Sprecher der NFLPA, George Atallah, fand auch prompt deutliche Worte: "Wir wurden vor diesem Meeting nicht über mögliche Änderungen zu der Hymnenleitlinie befragt. Wenn es jetzt Veränderungen geben sollte, die Spieler in eine Position bringt, in der sie Disziplinarmaßnahmen oder Bestrafungen ausgesetzt sein könnten, dann werden wir das tun, was wir immer tun: Alles bis zum Schluss bekämpfen, was die die Rechte der Spieler beschneiden könnte."

Am Abend zuvor hatte es einen Testballon aus dem Owners Meeting in Atlanta gegeben, der nicht nur in Europa auf Unverständnis gestoßen war: Das Heimteam hätte entscheiden sollen, ob die Teams für die Hymne an der Seitenlinie stehen sollen. Wenn dann Spieler gekniet hätten, wäre eine 15 Yard-Strafe verhängt worden.

Nur unwesentlich besser ist die jetzt eingeführte Regelung, die so wörtlich von der NFL bekanntgegeben wurde [Anmerkungen des Verfassers in Klammern]:

1. Alle Mannschaften und Ligaangehörigen sollen auf dem Feld stehen und der Flagge sowie der Hymne Respekt erweisen.

2. Das Ablaufhandbuch für Spiele wird überarbeitet, um das Erfordernis zu streichen, dass alle Spieler für die Hymne an der Seitenlinie versammelt sein müssen.

3. Die Personen, die nicht für die Hymne stehen wollen, können entweder in der Umkleide oder einer ähnlichen Örtlichkeit [weit weg von irgendwelchen Kameras] bleiben, bis die Hymne beendet ist.

4. Ein Team [nicht ein einzelner Spieler, aber der kann wiederum vom Club dann abkassiert werden] wird bestraft, wenn Mitglieder seines Clubs nicht stehen und so der Hymne beziehungsweise Flagge nicht den nötigen Respekt erweisen.

5. Jede Mannschaft darf diesbezüglich ihre eigenen Regelungen erarbeiten, die mit den obigen Prinzipien im Einklang stehen.

6. Der Commissioner wird angemessene disziplinarische Maßnahmen gegen Ligaangehörige verhängen, die nicht stehen und der Flagge oder Hymne den nötigen Respekt erweisen.

Zwar betonte man mehrfach, dass man sich ja wirklich um eine Verbesserung der Lage, was soziale Gerechtigkeit, Polizeibrutalität gegen Personen afro-amerikansicher Herkunft und soziale Arbeit in den Städten angeht, bemühe. Zudem wurde erneut auf die vielen Millionen hingewiesen, die man diesem Zweck zugute kommen lasse. Heruntergebrochen auf den Zeitraum (90 Millionen über 7 Jahre - also pro Team und Jahr Peanuts in Höhe von ca. 401.000 Dollar)

Man kann sich als halbwegs objektiver europäischer Beobachter jedoch nicht des Eindrucks erwehren, dass die NFL lediglich die Proteste der Spieler mit diesem Geld verstummen lassen wollte und man jetzt das Problem der knieenden Spieler vor den Augen der Öffentlichkeit "versteckt".

Jerry Jones erklärte: "Unsere Fans wollen, dass wir uns nur auf Football konzentrieren und nicht über etwas anderes denken – oder denken, dass wir über etwas anderes denken – als Football." Ein Statement, das so nur von Jerry Jones kommen kann und in die gleiche Richtung geht wie die Aussagen von Texans Owner Bob McNair ("Wir dürfen die Insassen nicht das Gefängnis leiten lassen").

Man darf gespannt sein, wie die Spieler auf diese Regelung reagieren. Dass sie kampflos klein beigeben, ist kaum vorstellbar. Im Gegenteil: Der ein oder andere Spieler, der bislang noch nicht protestiert hatte, könnte ersten Äußerungen nach durchaus jetzt auch gewillt sein, sich den protestierenden Akteuren anzuschließen.

Dieser Kompromiss, der nach langen Diskussionen ausschließlich unter den Ownern getroffen wurde, ist sicher nicht das Ende.

Carsten Keller - 25.05.2018

Flagge und Hymne sind für die meisten Amerikaner heilig

Flagge und Hymne sind für die meisten Amerikaner heilig (© Carsten Keller)

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