Der Süden im Football-Rausch

Jalen Hurts #2 und Da'Ron Payne #94 (beide  Alabama Crimson Tide) jubeln nach dem Sieg im AllState Sugar Bowl.Das Finale steht und für die College-Football-Fans im Süden der USA, genauer im Einzugsgebiet der Southeastern Conference (SEC), ist es gerade wie zweimal Weihnachten innerhalb von einer Woche. SEC Champion Georgia erreichte das National Championship Game mit einem 54:48-Sieg nach Verlängerung gegen Oklahoma im Rose Bowl, einem Spiel, das verdientermaßen das Label "Game for the Ages" verpasst bekommt, und der Gegner der Bulldogs kommt ebenfalls aus der SEC. Rekordmeister Alabama bremste den letztjährigen National Champion Clemson mit Hilfe seiner Defense im Sugar Bowl mit 24:6 aus - nicht so spektakulär wie Georgia, aber nicht minder beeindruckend. Verständlich, das SEC Commissioner Greg Sankey in ersten Aussagen nach den beiden Halbfinals unter anderem von einem "incredible amount of satisfaction" sprach, nachdem im Vorfeld der Saison der eine oder andere Football-Experte die sportliche Spitzenstellung der SEC in Frage gestellt hatte. Zugegeben, die Gesamt-Bowl-Bilanz der SEC ist nicht gerade überragend (4-5), aber wenn man zwei Teams bis ins National Championship Game durchbringt, gleicht das vieles aus.

Während der Süden also eine Woche lang den Football-Vollrausch genießen kann, schaut der Rest ein bisschen bedröppelt drein, und dieser Ausgang der Saison wird denen, die schon nach der Bekanntgabe der vier Playoff-Teilnehmer Anfang Dezember eine baldige Erweiterung der Playoffs gefordert hatten, neue Munition liefern. Es war ja genau diese Konstellation, zwei SEC-Teams im Finale, die im Frühjahr 2012 den jahrzehntelangen Widerstand der Conference Commissioners gegen die Einführung von Playoffs quasi über Nacht hatte zusammenbrechen lassen. Damals, am Ende der Saison 2011, hatte im Übrigen das Team, das nicht mal das SEC-Endspiel erreicht hatte (Alabama), am Ende den nationalen Titel geholt (mit einem 21:0 gegen LSU). Immerhin, so einseitig wie damals wird es vermutlich dieses Mal nicht werden, weil Georgia in der Offensive um Lichtjahre potenter ist als es LSU seinerzeit war. Dennoch darf man vermuten, dass die Conference Commissioners in den kommenden Monaten darüber sprechen werden, wie man die Playoffs so modifizieren kann, dass zumindest alle Champions der Power Five Conferences (ACC, Big Ten, Big Twelve, Pac-12 und SEC) mit dabei sind. Und vor dem Hintergrund des Erfolges von AAC Champion Central Florida, der als einziges Team ungeschlagen blieb und im Peach Bowl Auburn geschlagen hat, das wiederum in der Regular Season sowohl Georgia als auch Alabama geschlagen hatte, wird auch eine echte Chance des Playoff-Zugangs für Teams aus den Group of Five Conferences thematisiert werden.

Unabhängig davon, wie das National Championship Game ausgeht, kann man schon jetzt eine Bilanz über die diesjährige Bowl-Saison ziehen, und die fällt etwas schlechter aus als vor einem Jahr. Schuld daran waren im Wesentlichen die Spiele, in denen die Teams aus den Group of Five Conferences unter sich waren. 13 solcher Spiele gab es, und auch wenn das eine oder andere interessante Spiel darunter war (etwa Armys 42:35 gegen San Diego State im Armed Forces Bowl oder Fresno States 33:27 gegen Houston im Hawaii Bowl), waren die meisten dieser Partien Flops. Der durchschnittliche "winning margin" lag bei 20 Punkten. Dazu kamen dann die Aussetzer einiger Power-Five-Teams, die in ihren Bowls mit erkennbarer Lustlosigkeit zu Werke gingen. Zu nennen wären da vor allem Virginia beim 7:49 gegen Navy, West Virginia beim 14:30 gegen Utah, Oregon beim 28:38 gegen Boise State und Washington State beim 17:42 gegen Michigan State, und auch bei USCs 7:24 gegen Ohio State hatte man den Eindruck, dass nicht alle Akteure der Trojans voll bei der Sache waren. Was bei dieser Auflistung auffällt: Drei der erwähnten Teams - Oregon, Washington State und USC - kommen aus der Pac-12 und die hat in dieser Post-Season eine ganz schlechte Figur abgegeben. Nur einer der neun Bowl-Teilnehmer gewann sein Spiel, Utah gegen West Virginia.

Natürlich gab es neben dem Rose-Bowl-Knaller auch genug weitere Spiele, bei denen man gerne bis zu Schluss zuschaute. Wisconsins 34:24 gegen Miami im Orange Bowl war so ein Spiel, auch TCUs 39:37-Comeback-Erfolg gegen Stanford im Alamo Bowl. Dramatik bis zum Ende gab es auch bei Iowa States 21:20 gegen Memphis im Liberty Bowl oder bei Mississippi States 31:27 gegen Louisville im TaxSlayer Bowl. Und der Fiesta Bowl war zwar über weite Strecken nicht wirklich spannend, weil Penn State klar besser war, gegen Washington meist deutlich führte und höher als mit 35:28 hätte gewinnen müssen, aber der Kampfgeist, mit dem sich die Huskies gegen die sich abzeichnende Niederlage stemmte, hielt einen dann doch bis zum Schluss vor der "Glotze". Dennoch, wenn der College Football dieses Stück Tradition (die Bowl-Spiele) auch im Zeitalter von Playoffs bewahren will, müssen die Bowls ernstzunehmender Wettkampfsport mit anspruchsvollen Gegnern sein, das heißt, die Anzahl der Bowls muss drastisch runter und eine Bowl-Teilnahme muss wieder Belohnung für eine erfolgreiche Saison sein. Zurzeit wird in den Bowls, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, zu oft nur Mittelmaß belohnt und das ist schade.

Hoch - 02.01.2018

Jalen Hurts #2 und Da'Ron Payne #94 (beide  Alabama Crimson Tide) jubeln nach dem Sieg im AllState Sugar Bowl.

Jalen Hurts #2 und Da'Ron Payne #94 (beide Alabama Crimson Tide) jubeln nach dem Sieg im AllState Sugar Bowl. (© Getty Images)

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