Welker-Zwist in New England?
Für die New England Patriots war es ein genialer Schachzug. Für einen Zweit- und einen Siebtrundenpick verpflichtete sie vor der Saison 2007 WR Wes Welker, einen bis dato relativ wenig Spieler, der eher als Special Teams Alptraum für das Team von Bill Belichick bekannt geworden war. Nur eine wirklich produktive Saison als Starting Wide Receiver hatte Welker bis dato absolviert, nachdem er bei den San Diego Chargers (2004) und Miami Dolphins (2004 bis 2006) seine ersten drei NFL Saisons verbrachte. In New England wurde er zur liebsten Anspielstation von QB Tom Brady und zum NFL All-Pro. Jetzt steht Welker vor der Frage, wo er seine nächste NFL Saison verbringen wird, denn ein Teamwechsel scheint hier möglich.
Da Welkers Vertrag ausläuft, könnte es sich der Passempfänger eigentlich aussuchen, wo er denn in den kommenden Jahren spielen möchte. Doch gibt es in der NFL die Bezeichnung Franchise Spieler, mit der die Teams einen Spieler vor den Zugriffen der Konkurrenz schützen können. Zwei Erstrundenpicks muss eine interessierte Mannschaft für die Dienste eines Franchise Spielers an das abgebende Team entrichten - zu viel für die meisten Mannschaften. Dafür erhält der Spieler auch als Garantiegehalt den Durchschnitt der fünf bestbezahlten Spieler auf seiner Position - in diesem Jahr 9.5 Millionen Dollar.
So sind die Patriots geneigt Welker als Franchise Spieler zu benennen und genau dies sorgt für Ärger. Während 99% aller Spieler sich über ein so hohes Garantiegehalt freuen würden, ist dies für Welker fast schon eine Beleidigung. 14 oder 15 Millionen Dollar will der produktiveste Wide Receiver der NFL angeblich in den kommenden Jahren verdienen - da Welker bereits 30 Jahre alt ist wird das wahrscheinlich sein letzter großer Vertrag in der NFL und ist ihm daher besonders wichtig.
Derzeit suchen zahlreiche Mannschaften Verstärkungen auf der Position des Wide Receivers und so stünde Welker bei vielen Teams hoch im Kurs. Auch dies ist ein Grund für die Patriots ihn als Franchise Spieler zu benennen, jedoch schließt Welker - sonst ein absoluter Team-Player - auch ein Nicht-Erscheinen zu den Trainingscamps nicht mehr aus. Die Patriots hoffen durch diesen Schritt vor allem Zeit zu gewinnen. Steht Welker den anderen Teams nicht oder nur sehr teuer zur Verfügung, so konzentriert sich die Konkurrenz auf andere Free Agents wie Vincent Jackson, Dwayne Bowe oder Reggie Wayne. Sind diese vom Markt weg, gibt es weniger Interesse an Welker und dieser wird bereit sein seine Forderungen zu modifizieren. Für die Patriots wird Welker somit erschwinglicher, auch wenn es mehr als fraglich ist, ob New England ihn so für unter der Gehaltsstufe von 10 Millionen Dollar im Jahr verpflichten kann.
Unterschreibt Welker diesen Franchise Deal für 9.5 Millionen Dollar für die Saison 2012 nicht, so könnte er gezwungen sein die kommende Saison - zumindest teilweise - auszusitzen. Damit haben die Patriots schon Erfahrung, immerhin hat Pro Bowl G Logan Mankins 2010 sieben Spiele ausgesessen, bevor er zum Team stieß, um sicherzustellen, dass er dieses Ligajahr auch angerechnet bekommt und somit 2011 zum Free Agent werden kann. Mankins unterschrieb bei den Patriots einen neuen, hochdotierten Vertrag, dieselbe Hoffnung hegt New England auch bei Welker.
WR Wes Welker ist für die Patriots ein integraler Bestandteil ihres Angriffs. Auch wenn jeder nach der vergangenen Saison von TE Rob Gronkowski redete, so ist es doch Welker, der jedes Jahr still und leise seine Leistung bringt. 122 Bälle fing Welker auch 2011, 1569 Yards und 9 Touchdowns bedeuteten Bestwerte für seine bisherige Karriere. Insgesamt zeichnet sich Welker im Angriff der Patriots seit 2007 für 554 gefangene Pässe und 6.105 Yards mit 31 Touchdowns verantwortlich - eine Leistung, die QB Tom Brady und den Patriots bei einem möglichen Abgang Welkers sicher schmerzlich fehlen würde.
© Schüler - 27.02.2012

Wes Welker möchte einen neuen hochdotierten Vertrag (© Getty Images)
Leser-Bewertung dieses Beitrags:
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