Überflüssige Diskussion
Geteilte National Championships sollten mit der Schaffung der Bowl Championship Series (BCS) im Jahr 1998 eigentlich der Vergangenheit angehören, weil aber die jahrzehntelang entscheidende Rangliste der Nachrichtenagentur AP seit einem knappen Jahrzehnt nicht mehr in die BCS-Rangliste einfließt und die für sie abstimmenden Journalisten nicht gezwungen sind, den Sieger des BCS National Championship Games zum Meister zu wählen, sind sie nach wie vor möglich. Und weil das so ist, brachten einige Journalisten dieses Szenario nach Oklahoma States 41:38-Sieg nach Verlängerung gegen Stanford im Fiesta Bowl sogleich ins Gespräch. Deren Gedankenspiel geht so: Bei einem knappen Sieg von Alabama gegen LSU könnten genügend Journalisten Oklahoma State, das vor den Bowls in den Ranglisten von AP, der Coaches und der BCS Dritter hinter LSU und Alabama war, auf Platz eins setzen. So bliebe den Cowboys immerhin ein halber Titel. Die Coaches haben sich einst selbst verpflichtet, in ihrer abschließenden Rangliste, die in der Regular Season ein Drittel des Ergebnisses der BCS-Rangliste ausmacht, den Sieger des National Championship Games, das kein offizielles NCAA-Endspiel ist, zum Meister zu wählen.
Das Ganze ist ein nettes Gedankenspiel, und weil niemand in die Köpfe der am 10. Januar abstimmenden Journalisten blicken kann, nicht auszuschließen, aber im Grunde ist Diskussion überflüssig. Sollte Alabama, das in der Regular Season gegen LSU verloren hatte (6:9 nach Verlängerung) das „Rematch“ mit dem ungeschlagenen Spitzenreiter gewinnen, dann würde dieser Sieg fraglos mehr Gewicht haben, als Oklahoma States Sieg gegen Stanford. Warum also sollten die Journalisten, die Oklahoma State am Ende der Regular Season vor Alabama platziert hatten, wenn auch nur knapp, ihr Votum im Falle eines Sieges von Alabama am Montag ändern? Am entscheidenden Punkt, der damals den Ausschlag gegeben hatte, hat sich nichts geändert: Während Alabamas einzige Niederlage eben die schon erwähnte gegen LSU war, hatte Oklahoma State im November bei Iowa State verloren, ein Team, das die Regular Season später mit einer 6-6-Bilanz abgeschlossen und dann auch noch sein Bowl-Spiel verloren hatte.
Und die Leistung von Oklahoma State im Fiesta Bowl bietet auch keinen Grund, um die Cowboys im Falle eines Siegen von Alabama an diesem vorbeiziehen zu lassen. Stanford war eigentlich die bessere Mannschaft, war mehr als zwei Drittel des Spiels in Ballbesitz, holte 178 mehr Yards, war im Angriff deutlich ausgewogener. Dass Oklahoma State dennoch als Sieger vom Platz ging, verdankte es dem besten Mann auf dem Platz, WR Justin Blackmon (drei Touchdowns) und Mängeln in der Chancenverwertung bei Stanford. Die kostspieligsten waren die Fehlschüsse von K Jordan Williamson am Ende der regulären Spielzeit (35 Yards) und beim ersten Ballbesitz in der Verlängerung (43 Yards). „Wir waren nicht konsequent genug, und das bezieht sich nicht nur auf den Fehlschuss am Ende. Wir waren nicht so konsequent wie wir sein können“, sagte Head Coach David Shaw und dürfte dabei vor allem auch das erste Viertel gemeint haben. In dem endete der erste Ballbesitz mit einem verschossenen Field-Goal-Versuch aus 41 Yards Entfernung, und der zweite, der nach einer Interception beim ersten Spielzug der Cowboys an deren 38-Yard-Linie begonnen hatte, nach drei Spielzügen, mit denen man fünf Yards verlor, mit einem Punt. Oklahoma State stand zu Beginn völlig neben sich und konnte froh sein, im zweiten Viertel nicht höher als mit 0:14 hinten zu liegen. In der Folge waren es immer wieder Pässe auf Blackmon, die Oklahoma State im Spiel hielten. Zwei lange Touchdown-Pässe (43 und 67 Yards) auf ihn innerhalb von nur fünf offensiven Spielzügen brachten die Cowboys auf 14:14 heran. In der ersten Minute folgte sein dritter Streich (17 Yards zum 31:31), und das 38:38 zweieinhalb Minuten vor Spielende wurde nur möglich durch einen 21-Yard-Fang von Blackmon bei einem vierten Versuch (neuer First Down an Stanfords 39-Yard-Linie).
© Hoch - 09.01.2012

Trotz aller Spekulationen wird für Fiesta-Bowl-Sieger Oklahoma State am Ende wohl nur Platz drei in den Ranglisten bleiben. (© Getty Images)
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