„Ich bin stolz auf meinen Bruder“
Es war der erwartet harte Kampf zwischen zwei der besten Abwehrreihen der NFL, bei dem diesmal die Baltimore Ravens das bessere Ende für sich hatten. Die Ravens machten den ganzen Abend Jagd auf 49ers-Quarterback Alex Smith, sammelten dabei neun Sacks ein und festigten ihre Spitzenposition in der AFC North mit einem 16:6-Erfolg über San Francisco. Und dies alles ohne ihren Star-Linebacker Ray Lewis, der erneut verletzungsbedingt pausieren musste. Damit haben die Ravens die beste Position im Kampf um die Playoffplätze und um ein mögliches Heimrecht in der ersten Runde, während die 49ers nach acht Siegen in Folge wieder einmal als Verlierer vom Platz gingen.
„Ich bin stolz auf meinen Bruder und beeindruckt, was er in so kurzer Zeit aus den 49ers gemacht hat. Und dass wir dieses starke Team schlagen konnten, sagt eine Menge über unsere Spieler. Wir haben in allen Belangen ein großes Spiel gezeigt sowie diszipliniert und kompromisslos gespielt“, zeigte sich John Harbaugh auf Seiten der Ravens zufrieden. Solches Siegerlob für den unterlegenen Gegner ist in der NFL nach einer Partie üblich und gehört zur „politischen Korrektheit“. Doch diesmal kam sie mit Sicherheit von Herzen, denn der Head Coach auf der Gegenseite war kein geringer als sein jüngerer Bruder, Jim Harbaugh. Diese Partei ist von der NFL bewusst für Thanksgiving, inoffiziell der höchste amerikanische Feiertag, ausgewählt worden, um die Bedeutung der Familie nach NFL-Maßstäben zu betonen. Der Hype um diese Partei erreichte im Vorfeld fast schon Super-Bowl-Status. Man kann erahnen, was passieren würde, sollten es wirklich beide Teams bis ins Endspiel schaffen, was bei der Leistung beider Teams nicht ausgeschlossen erscheint.
Die viel gescholtene Offense der Ravens funktionierte, trotz der nur 16 Punkte, fehlerfrei und die Defense ließ den 49ers nicht den Hauch einer Chance. Wieder einmal war es LB Terrell Suggs, der von der Offensive Line nicht zu bändigen war und drei Sacks beisteuerte. „Wir wollten der Harbaugh-Bowl unbedingt gewinnen“, ließ er die Presse nach der Partie wissen. DE Cory Redding (2,5) und DE Haloti Ngata (2,0) verdienen ebenfalls eine Sondererwähnung.
Denn der Pass Rush war der Schlüssel zum Sieg. In einer Partie, in der von vornherein klar war, dass die Running Backs gegen die jeweilige Defense nicht würden viel ausrichten können, waren die Quarterbacks gefordert. Und tatsächlich blieben RB Ray Rice und auch RB Frank Gore jeweils weit hinter ihrem sonst üblichen Raumgewinn zurück. Während Joe Flacco einen weitgehend attackenfreien Abend verbringen durfte, geriet Alex Smith ein ums andere Mal unter Druck, war quasi ständig „auf der Flucht“.
Doch trotz dieser Dominanz der Ravens-Abwehr hielten die 49ers das Spiel lange Zeit offen. Erst der erste Spielzug des letzten Spielabschnitts brachte den einzigen und damit spielentscheidenden Touchdown. Joe Flacco fand TE Dennis Pitta in der Mitte der Endzone zum zwischenzeitlichen 13:6. „Ich habe vor dem Safety gekreuzt, um Joe die Chance zu geben, mich anzuspielen. Und sein Pass kam perfekt in Brusthöhe. Ich musste nur noch den Ball mit meinem Körper vor dem Safety schützen und zugreifen“, beschrieb Pitta die Szene.
In sechs Angriffsserien zuvor hatten die Ravens nur zwei Field Goals von David Akers erzielt, der später noch ein Drittes, etwa mehr als drei Minuten vor dem Ende folgen ließ. Die 49ers konnten danach keine Punkte mehr hinzufügen, endeten die nächsten beiden Angriffsserien nach dem Touchdowns der Ravens doch mit dem üblichen Bild des Abends, einem am Boden liegenden Alex Smith beziehungsweise mit einem Intentional Grounding Penalty. „Wir sind sehr enttäuscht über diese Niederlage. Aber wir werden daraus lernen und gestärkt zurückkehren“, zeigte sich Jim Harbaugh enttäuscht und fast ein bisschen trotzig.
© Korber - 25.11.2011

Der Sieger des "Haurbaugh-Bowls" - John Schlägt Jim (© Getty Images)
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