Trainerlegende Paterno muss gehen
Die Penn State University wird seit letztem Wochenende von einem Skandal erschüttert, der in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag deutscher Zeit, mit der Entlassung von Joe Paterno, dem Head Coach des Football-Teams, und Universitätspräsident Graham Spanier seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Wenige Stunden zuvor hatte Paterno, der seit 1966 Head Coch bei Penn State war, angekündigt, am Ende der Saison seinen Posten aufzugeben. In einer Krisensitzung beschloss der Verwaltungsrat dann aber, dass Paterno - und Spanier - sofort gehen müssen. Der Hintergrund: Ende letzter Woche wurde gegen Jerry Sandusky, bis 1999 Defensive Coordinator der Nittany Lions, nach zweijährigen staatsanwaltlichen Ermittlungen angeklagt, weil er zwischen 1996 und 2005 acht Jungen in mindestens 40 Fällen sexuell missbraucht haben soll, zumindest teilweise in Einrichtungen der Universität. Die vermeintlich Opfer sollen Jungs sein, die Sandusky im Rahmen seiner Tätigkeit für eine gemeinnützige Einrichtung kennengelernt hatte. Diese Einrichtung war 1977 von ihm selbst gegründete worden und kümmerte sich um sozial benachteilige Kinder und Jugendliche.
Paterno und andere hochrangige Vertreter der Universität waren im Zuge der Vorgänge ins Fandenkreuz öffentlicher Kritik geraten, weil sie über den Verdacht gegen Sandusky angeblich wussten, der Sache aber nicht weiter nachgegangen seien. Aus diesem Grund wurden am Wochenende der bisherige Athletic Director Tim Curley und Gary Schultz, Vizepräsident der Universität, entlassen. Die Beiden stehen ebenfalls unter Anklage, wegen der angeblichen Behinderung der Ermittlungen gegen Sandusky. Berichtet wurde vor allem von einem Fall, in dem ein damaliger Graduate Assistant, Medienberichten zufolge der heutige Wide Receivers Coach und ehemalige Quarterback Mike McQueary, 2002 gesehen haben soll, wie Sandusky einen circa zehn Jahre alten Jungen in einem Umkleideraum im Sportkomplex von Penn State missbraucht haben soll. McQuearys Beobachtungen sollen der Universität mitgeteilt worden sein. Passiert war danach allerdings nichts.
Vorwürfe gegen Paterno gab es nach der Verhaftung von Sandusky am letzten Freitag zunächst nicht. Nur vorsichtig wurde in Medienberichten mal die Frage angedeutet, was der heute 84-Jährige möglicherweise von den Vorgängen um Sandusky gewusst hätte. Dass Fragen nach seinem Verhalten aber durchaus angebracht sind, ließ Paterno selbst durchblicken, als er in einer Erklärung zu seinem geplanten Rücktritt zum Saisonende sagte, dass er rückblickend wünschte, er hätte mehr getan.
Paterno war seit 1950 im Trainerstab von Penn State tätig und ist mit 409 Siegen der nach Siegen erfolgreichste Head Coach in der Geschichte der höchsten Spielklasse im College Football.
© Hoch - 10.11.2011

Joe Paterno muss seinen Posten als Head Coach bei Penn State nach 45 Jahren räumen. (© Getty Images)
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