Historisches Comeback

Nachdem Braxton Miller raus musste, lief nichts mehr bei den BuckeyesNach der Niederlage gegen die Michigan State Spartans am vergangenen Wochenende überlegte Ohios Interimscoach Luke Fickell noch, welchen seiner Quarterbacks er in Zukunft auflaufen lassen sollte. Zu unsicher erschien Freshman Braxton Miller, während Joe Bauserman langsam aber sicher ins Rollen zu kommen schien. Letztlich entschied sich Fickell aber dafür an Miller festzuhalten und machte damit alles richtig: Mit Läufen für 91 Yards und fünf von acht Pässen für weitere 95 Yards sorgte der Spielmacher für eine 27:6-Führung seiner Buckeyes.

Gleichzeitig sorgte er damit auch für altbekannte Geräusche: Hatte in der vergangenen Woche noch das Publikum im legendären Horseshoe von Columbus das Team ausgebuht, hörte man die gleichen Rufe diese Woche im Memorial Stadium von Lincoln. Natürlich galten sie den heimischen Cornhuskers und vor allem Quarterback Taylor Martinez, der sich schon unter der Woche einige Kritik hatte gefallen lassen müssen. Doch der Rückstand von 21 Punkten sollte dem an Nummer 14 gesetzten Team aus Nebraska in seinem ersten Conference-Heimspiel des Jahres nicht das Genick brechen.

Vielmehr war es der Knöchel von Braxton Miller, der zwar nicht brach, aber im dritten Quarter doch so verstaucht wurde, dass der QB nicht mehr auf das Feld zurückkehren konnte. Nun also doch Joe Bauserman. Nun also doch noch Probleme auf der Quarterback-Position von OSU. Denn der Backup konnte im weiteren Spielverlauf nur einen seiner zehn Passversuche an den Mann bringen und die Offense der Buckeyes kam so völlig zum erliegen.

Genau das war wiederum der Weckruf für Nebraska! Auf einmal waren die Huskers zur Stelle und begannen mit einer Aufholjagd, die es so in der Geschichte des Colleges noch nicht gegeben hatte. Der größte Rückstand, den das Team bisher aufholen konnte, waren 17 Punkte gewesen – was zuletzt im Jahr 2002 gegen Texas A&M gelang. Vor allem Taylor Martinez wollte aber beweisen, dass seine drei Interceptions, die eine Woche zuvor gegen Wisconsin entscheidend zur 17:48-Niederlage beitrugen, nicht der Standard sind, an dem man ihn messen sollte. Und so erlief er den ersten Touchdowns über 18 Yards selbst, fand als nächstes Quincy Enunwa für 36 Yards und warf dann einen Screen auf Rex Burkhead, der die 30 Yards bis zur Endzone in bester Running-Back-Manier überbrückte. Einmal in Fahrt und vom Ausgleich bis in die Zehenspitzen motiviert, war Burkhead nun nicht mehr zu stoppen und besorgte gute fünf Minuten vor dem Schluss mit einem Lauf über 17 Yards dann auch noch für die Führung und gleichzeitig für den 34:27-Endstand.

Trotz der 119 Yards durch Läufe, der weiteren 59 erfangenen Yards und jeweils einem daraus resultierenden Touchdown für Burkhead, ist und bleibt QB Taylor Martinez der eigentlich Matchwinner für Nebraska. Wirklich versöhnen konnte ihn das allerdings nicht. Auf die Frage, ob dies seine beste Leistung als College-Quarterback gewesen sei, antwortete der Sophomore den anwesenden Journalisten nur: „Wenn ihr meint. Ihr schreibt doch eh, was ihr wollt.“ Und auch sein Coach Bo Pelini hatte die vorangegangene Kritik noch längst nicht vergessen. „Alle wollen ihn in Frage stellen. Warum auch immer“, sagte der Trainer. „Ihr Jungs habt die Wahl zu schreiben, was immer ihr wollt und könnt ihn genau so unter Beschuss nehmen wie die Fans... Aber jetzt werden sie ihn wieder feiern. Er hat das Team geführt und ich bin sehr stolz auf die Art und Weise, wie wir gespielt haben. Genau deshalb ist er im Moment unsere erste Wahl auf der Position des Quarterbacks.“

Für die Ohio State Buckeyes war die historische Schlappe dagegen nur ein passender Höhepunkt einer weiteren desaströsen Woche einer bislang schlimmer Saison: Wide Receiver DeVier Posey, der den Angriff mit Sicherheit signifikant verstärken könnte, wurde von der NCAA für fünf weitere Partien gesperrt und drei seiner Mannschaftkollegen mussten gegen Nebraska aussetzen, da sie während des Sommers zuviel Geld für einen Nebenjob annahmen. Kein Wunder, dass sich angesichts der andauernden Rückschläge langsam aber sicher ein Gefühl von Verzweiflung in Columbus breit macht. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte Linebacker Andrew Sweat nach dem Spiel. „Ich habe keine Ahnung, was die magische Antwort nach so einer Niederlage ist. Wir haben den Sack einfach nicht zugemacht. Es ist entmutigend wenn man so viele Punkte zulässt und so noch ein Spiel verliert, in dem man dem Sieg schon so nah war.“ Einfacher wird es in der kommenden Woche im Spiel gegen die Illinois Fighting Illini sicherlich auch nicht, in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Garn - 09.10.2011

Nachdem Braxton Miller raus musste, lief nichts mehr bei den Buckeyes

Nachdem Braxton Miller raus musste, lief nichts mehr bei den Buckeyes (© Getty Images)

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