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Australien hat sich gut verkauft

Australien schlug sich bei der WM in Österreich tapfer und forderte immerhin den Europameister bis zum Schluss.Australien belegte bei der WM in Österreich den letzten Platz. Das kam nicht überraschend. Nicht erwartet worden war die Deutlichkeit, mit der man in drei der vier Spiele verlor. Es gab aber auch Positives. So konnte in den Gruppenspielen Europameister Deutschland, auch bei diesem Turnier die beste europäische Mannschaft, bis zum Schluss gefordert werden, ehe man sich mit 20:30 geschlagen geben musste. Football-aktuell sprach mit dem einstigen GFL- und deutschen Nationalspieler Marc Biedenkapp, der seit 2009 in Australien bei den Sydney University Lions spielt, über den WM-Auftritt der Australier.

football-aktuell: Hat es Dich überrascht, dass Australien letztlich doch so klar schwächer war als der Rest des Feldes?

Biedenkapp: Generell hat es mich nicht überrrascht, dass Australien um einiges schwächer war als der Rest der Welt. Allerdings hat es mich dann schon überrascht, dass das Spiel gegen Österreich so sang- und klanglos verloren ging. Australien hat in meinen Augen phänomenal gegen Deutschland gespielt und war knapp an einer Riesenüberraschung dran. Nach diesem Spiel hatte ich eigentlich eine ähnliche Leistung gegen den Gastgeber erwartet.

football-aktuell: Was sind Deiner Meinung nach die Ursachen für den Rückstand zum Beispiel zu den Europäern?

Biedenkapp: In meinen Augen gibt es dafür mehrere Gründe. Zum einen ist American Football in Australien eine absolute Randsportart. Kein Vergleich mit dem Stellenwert und dem öffentlichen Interesse in Deutschland oder Österreich. Deswegen gibt es auch nicht genügend Spieler, die Football spielen, um ein bestimmtes Level zu erreichen. Jeder der spielen will, kann spielen. Viele Teams sind darauf angewiesen, viele Anfänger spielen zu lassen, um überhaupt die Mindestanzahl an Spielern zu erreichen. Bei den Sydney University Lions haben wir in der Hinsicht ein Luxusproblem. Viele der besten Spieler Australiens spielen bei den Lions, was zu einer guten Competition im Training führt. Um am Wochenende spielen zu können, muss man sich gegen zwei, drei Konkurrenten durchsetzen. Dazu kommt natürlich die geographische Lage Australiens, die es einfach nicht erlaubt, regelmäßig gegen internationale Gegner zu spielen. Auch Import-Spieler, die jeden Spieler in Europa besser machen, gibt es hier nicht. Wenn man von erfahreren Import-Spielern lernen kann und jedes Wochenende gegen sie spielen muss, dann muss man sein Niveau steigern, um mithalten zu können. Das ist hier leider nicht der Fall.

football-aktuell: Wer hat Dir im australischen Team am besten gefallen?

Biedenkapp: Am besten gefallen hat mir Kiernan Dorney. Gegen Deutschland hat das gesamte Team, aber vor allem Kiernan ein beinahe perfektes Spiel abgeliefert. 281 Yards und drei Touchdowns bei keiner Interception muss man erst mal werfen gegen eine gute Deutsche Defense. Wenn ich recht informiert bin, sind die 281 Yards sogar die meisten Yards, die jemals von einem Quarterback in einem WM-Spiel erworfen wurden - Hut ab.
Selbst in den ersten beiden Spielen, als die Australier unter die Räder kamen, hat er sich beachtlich aus der Affäre gezogen und blieb ohne Interception.

football-aktuell: Welche Erkenntnisse, glaubst Du, nimmt Australien aus dieser doch ernüchternden WM-Teilnahme mit?

Biedenkapp: Ich glaube, so ernüchternd war der Auftritt der Australier gar nicht. Dass gegen die USA und Mexiko nicht viel zu holen sein wird, war wohl Jedem bereits bei der Auslosung klar. Ein 20:30 gegen den amtierenden Europameister jedoch hätten wohl nur die Wenigsten erwartet. Die Stimmung bei den Lions im Training war super, jeder war überrascht, wie gut sich ihre Teamkameraden in Österreich verkauft haben. Auch ich muss zugeben, mir danach Hoffnungen gemacht zu haben, im Spiel um Platz 7 für eine Überraschung sorgen zu können. Alles in allem haben sie sich ganz gut verkauft, denke ich.

football-aktuell: Der IFAF-Präsident Tommy Wiking hat in einem Interview mit football-aktuell gesagt, dass Australien einer der beiden Bewerber für die WM in vier Jahren ist. Hältst Du eine WM in Australien für sinnvoll? Und glaubst Du, dass vier Jahre reichen, um Rückstand in der Entwicklung der gesamten Football-Infrastruktur aufzuholen?

Biedenkapp: Ich glaube nicht dass, es eine sinnvolle Entscheidung wäre, die nächste WM nach Australien zu vergeben. Wie gesagt, Football muss sich hier ganz weit hinten anstellen, was dazu führen dürfte, dass das Zuschauerinteresse gegen Null gehen könnte. Es macht mehr Sinn, die WM in einem Land auszutragen, das in seiner Football-Entwicklung einfach weiter ist. Für Australien wäre es natürlich hervorragend, die WM im eigenen Land zu haben, nicht nur weil man dann ein wesentlich stärkeres Team an den Start schicken könnte, sondern vor allem auch Werbung in eigener Sache betreiben könnte und auf der Football-Landkarte endgültig etabliert wäre. Vier Jahre würden aber nicht reichen, um die Football-Infrastruktur auf Weltniveau zu bringen. Ausgehend von den Erfahrungen, die ich in den letzten zehn Jahren in Europa, Japan und vor allem auch Mexiko, wo Football die zweitbeliebteste Sportart nach Fußball ist, gemacht habe was Zuschauer, Merchandising, Stadien, Spieler, Presse und Leistungsniveau angeht, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich das hier in naher Zukunft angleichen wird.

Hoch - 19.07.2011

Australien schlug sich bei der WM in Österreich tapfer und forderte immerhin den Europameister bis zum Schluss.

Australien schlug sich bei der WM in Österreich tapfer und forderte immerhin den Europameister bis zum Schluss. (© Onno Hinrichs)

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