Die Ruhe vor dem Sturm
In ein wenig frustrierte Gesichter blickt man, wenn man sich im Teamhotel der österreichischen Nationalmannschaft so umsieht. Mehr erwartet hatten sich die Jungs aus dem Gastgeberland der WM 2011, die Begeisterung für ihren Sport wollten sie entfachen und hochhalten. Dies ist ihnen so nur teilweise gelungen. Zwar ist die Weltmeisterschaft hervorragend organisiert und zieht eine Rekord-Zuschauerzahl an, doch ist der Effekt immer größer, wenn auch der Gastgeber eine weitaus bessere Rolle im Wettbewerb spielt. Dabei hilft sicher auch das Schönreden der Kommentatoren des ORF nicht viel, denn eine Niederlage ist eine Niederlage, egal ob mit einem oder vierzig Punkten.
Dank der Niederlage gegen Frankreich ist auch aus dem letzten Strohhalm Hoffnung der Österreicher nichts geworden. Nur um Platz 7 und gegen Australien spielt die Auswahl des AFBÖ, anstatt um eine Medaille oder gar den Weltmeistertitel. Lang war die Vorbereitung auf das Turnier: Trainingswochenenden im März und Mai, ein viertägiges Camp mit einem Spiel beim Charity Bowl Anfang Juni und noch ein Trainingslager vor der WM sollten die Mission Medaille unterstützen - übrig ist leider nur noch ein Scherbenhaufen und offen zur Schau getragene Ratlosigkeit in den Gesichtern der Spieler, wenn die Frage nach dem Warum gestellt wird.
So gibt es auf Deutscher Seite jetzt aufgrund der ausgesprochenen Sympathie der österreichischen Fans und des Innsbrucker Stadionsprechers für den jeweils deutschen Gegner Stimmen, die nicht vergessen zu unterstreichen, dass der Football der Alpenrepublik wohl noch nicht so gut ist, wie man in den vergangenen Tagen immer öffentlich weis machen wollte und dass zwei Trainingstage der AFVD Auswahl zum Gewinn des inoffiziellen Titels des "besten europäischen Teams" reichen könnten. Spekulieren kann man was für Deutschland mit einer längeren Vorbereitung, wie sie alle anderen Teams absolvierten, möglich gewesen wäre. Eine Medaille ist hier im Denken der Fans das Minimum, wenn auch wohl nicht wirklich realistisch, denn selbst bei einem möglichen Sieg gegen Mexiko, wäre dann noch der schwere Brocken Japan aus dem Weg zu räumen gewesen.
Traurig ist man allerdings auf beiden Seiten, dass es doch nicht mehr zum Duell Deutschland gegen Österreich gekommen ist, das sicher nochmal die Massen bewegt hätte. Jedoch könnte dies für die Organisatoren der WM schon fast ein Glück sein. Denn mit Österreich bei den Platzierungsspielen am heutigen Freitag, ist die Chance geringer an diesem Tag vor fast leeren Rängen spielen zu müssen, auch wenn ein fast volles Stadion für Deutschland gegen Österreich denkbar gewesen wäre.
Doch hilft dieses hätten, wäre, könnte, hier niemandem weiter und kann die Realität nicht verdecken: die Weltgruppe mit USA, Kanada, Japan und Mexiko bildet die eine Hälfte des Leistungsspektrums - Europa und der Rest der Welt die andere. Das Feld ist näher zusammengerückt, ja mit etwas Glück hätte sogar die AFVD-Auswahl ganz vorne mit dabei sein können. So bleibt für die Europäer nur der Wettstreit um den goldenen Holzlöffel und die goldene Ananas mit den Spielen um Platz 7 (Australien gegen Österreich, heute 15 Uhr, Ernst-Happel Stadion Wien) und Platz 5 (Deutschland gegen Frankreich, Samstag 16. 15 Uhr).
© Schüler - 15.07.2011

Australien vs. Österreich heißt das Duell um Platz 7 im Wiener Ernst-Happel-Stadion am heutigen Nachmittag (© Schüler)
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