Equipe Tricolore schlägt Team Austria
Gewogen und für zu leicht befunden: So lautet das schmerzhafte Urteil, das heute über Team Austria vor 4.500 Zuschauern in der Grazer UPC Arena gefällt wurde. Die Österreicher waren angetreten um zu beweisen, dass sie die Nummer eins in Europa sind - der erste Schritt dazu wäre ein Sieg über Frankreich gewesen.
Das Spiel begann auf beiden Seiten nervös und verhalten, auf Seiten der Gastgeber funktionierte nur das Laufspiel, auf Seiten der Gäste zunächst gar nichts. Beide Gegner zeigten gute Defensivleistungen, weder Christoph Gross noch Max Sprauel konnten im ersten Viertel durch die Luft Wirkung zeigen. Nachdem die Seiten gewechselt wurden, stoppelten die Österreicher den ersten ansehnlichen Drive zusammen - auch wenn dieser in Field Goal Reichweite endete. Statt Team Austria aufs Scoreboard zu kicken, verzog Peter Kramberger nach links, sodass es beim 0:0 blieb. Der Gegenschlag der Franzosen war kurz, der nächste Drive führte die Gastgeber an die 12-Yard-Linie des Gegners von wo das Field Goal diesmal verwandelt wurde. Das 3:0 sollte auch der Pausenstand sein, ein höherer Score scheiterte an einer Interception, geworfen von Backup-QB Thomas Haider.
Konnte man zur Pause noch argumentieren, dass die heimische Defense die gewohnt gute Leistung ablieferte und es nur der Offense an Fortune mangelt, änderte sich das Bild im dritten Viertel dramatisch. Frankreich begann im Ballbesitz und ging rasch Three and Out. Österreich war das gleiche Schicksal beschieden, mit dem entscheidenden Unterschied, dass Punt Returner Paul Bresaz-Latille das Ei bis an die 5-Yard Linie der Rot-Weiß-Roten tragen konnte. Von dort war der Weg in die Endzone kurz, Frankreich führte mit 7:3. Die Gäste richteten sich an ihrem ersten Score auf, während Team Austria in den folgenden Minuten völlig desintegrierte. Es folgten ein französischer Touchdown, ein Fumble von Armando Ponce de Leon beim folgenden Kick Return, ein daraus resultierendes Field Goal, eine Interception an QB Thomas Haider und schließlich ein weiterer Touchdown für Frankreich. Mit knapp zehn Minuten auf der Uhr fand sich Österreich drei Scores im Nachteil und schaffte es nicht, aus diesem Albtraum zu erwachen.
In Zeitnot sammelte sich die österreichische Offense: Zur Mitte des letzten Viertel schickte QB Haider WR Jakob Dieplinger in die Endzone, der PAT wurde zwar geblockt, doch wenigstens war der Abstand auf zwei Scores reduziert. Drei Minuten später fand Haider den anderen Raiders Receiver, Andreas Pröller, und stellte auf 16:24 aus Sicht der Gastgeber. Es folgte der obligate Onside-Kick, der jedoch vom Gegner erobert wurde. Frankreich erzielte das notwendige First Down, Österreich musste, aller Timeouts ledig, fassungslos zusehen wie sein Widersacher abkniete und ins Spiel um Platz fünf einzog.
Statt eines Sommermärchens gerät die Heim-WM für den Gastgeber zusehends zu einem Albtraum. Das Spiel um Platz fünf - und damit ein Sieg über Frankreich - war das Minimalziel für Österreich. Verfehlt wurde es, weil man gegen einen Gegner, der in der ersten Halbzeit keine Fuss auf den Boden brachte, gerade einmal drei Punkte erzielte. Die anfängliche Nervosität schlug nach dem ersten französischen Erfolg in Panik um, das dritte Viertel lieferte ein hervorragendes Beispiel dafür, was "Momentum Swing" bedeutet. Das letzte Viertel war, wie schon gegen Kanada, das produktivste - ein gutes Viertel ist in dieser Liga aber zuwenig. Statt sich mit Deutschland um die europäische Krone zu streiten, muss Team Austria nun ins Spiel um Platz sieben um gegen Australien die treuen Fans mit zumindest einem Sieg im Bewerb zu versöhnen.
© Kratky - 14.07.2011

Deutschland wir kommen: Frankreich freut sich auf eine Revance für das EM-Finale. (© Kratky)
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