Nordamerikaner bleiben unter sich
Das Finale der vierten Weltmeisterschaft im American Football wird eine rein nordamerikanische Veranstaltung. Im bisher wohl unterhaltsamsten Spiel dieser Titelkämpfe setzte sich Kanada im entscheidenden Spiel der Gruppe B mit 31:27 gegen Japan durch und trifft jetzt am Samstag in Wien auf die USA, die einen Tag zuvor erwartungsgemäß die Gruppe A gewonnen hatten. „Es war ein begeisterndes Football-Spiel, und wir konnten heute den Ruhm ernten“, freute sich Kanadas Head Coach Larry Taylor anschließend. Entscheidend waren zwei Dinge: zum einem, dass sich die Strafenkönige der ersten beiden Spieltage (zusammen 29 Penalties) dieses Mal im Griff hatten und ein Big Play in der Schlussphase des Spiels. Im ersten Spielzug nach Japans Touchdown zum 27:24 etwas mehr als fünfeinhalb Minuten vor Spielende wurde Kanadas QB Michael Faulds gezwungen, sein Schutzschild, die so genannte Pocket, zu verlassen. Statt eines missratenen Spielzuges gab es aber das Highlight des Spiels. Faulds fand RB David Stevens an der Seitenlinie, und der lief nach gefangenem Pass 72 Yards weit bis an die 1-Yard-Linie Japans. Nach zwei Läufen, die keinen Raumgewinn brachten, lief RB Matt Walters im dritten Versuch zum 31:27 in die Endzone, das Ganze dreieinhalb Minuten vor Spielende. „Ich habe einfach nur versucht, mich an der Seitenlinie freizulaufen, und es war eine gute Leistung des Quarterbacks, mich zu sehen. Und ich hatte das Glück, den Ball zu fangen. Und dann war es einfach nur Instinkt, und ich lief los und hätte es fast bis in die Endzone geschafft“, beschrieb Stevens die Schlüsselsituation der Partie später.
Kanada hatte in der ersten Halbzeit mehr vom Spiel und führte bei Halbzeit durchaus verdient mit 17:14. Nach der Pause wirkte Japan zunächst bissiger und zielstrebiger. Beim ersten Ballbesitz des dritten Viertels gelang ihnen die eigentlich schönste Angriffsserie des ganzen Spiels (12 Spielzüge, 70 Yards, knapp sechseinhalb Minuten Ballbesitz), deren einziger Schönheitsfehler war, dass sie nach Erreichen von Kanadas 6-Yard-Linie nur ein kurzes Field oal (23 Yards) zum 17:17 brachte. Dennoch schien sich das Blatt kurzzeitig zugunsten Japans zu wenden. Im dritten Spielzug nach Japans Ausgleich fing CB Koki Kato einen Pass auf die rechte Seite an Kanadas 38-Yard-Linie ab und verschaffte seinem Team eine glänzende Ausgangsposition für seinen nächsten Angriff (Kanadas 32-Yard-Linie). Japan ging denn auch in Führung, aber mit einem weiteren kurzen Field Goal (29 Yards) „nur“ mit 20:17 – zu wenig, um den Gegner mental unter Druck zu setzen. Kanada brauchte danach nur etwas mehr als drei Minuten und acht Spielzüge, um selbst wieder in Führung zu gehen.
© Hoch - 14.07.2011

Kanada zog mit einem Sieg gegen Japan in das Finale der WM in Österreich ein. (© Kratky)
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