Basel im Junioren-Finale
Mit einem starken Kickoff-Return eröffneten die Winterthur Warriors das Halbfinale im schweizerischen Junioren-Football gegen die Basel Gladiators und starteten den ersten Drive jenseits der 50-Yard-Line. Die Winterthurer Coaches hatten ihre Hausaufgaben gemacht und wussten, dass die Basler Defense grosse Probleme in der Verteidigung der kurzen Passspielzüge haben würde. Diese Tatsache wurde kaltblütig ausgespielt, stellte man doch gleich zu Beginn vier Receiver auf. Zum Touchdown reichte es noch nicht und der erste Drive endete mit einem vierten Versuch in der Red Zone der Basler.
Die körperlich überlegenen Gastgeber aus Basel bewegten sich danach sehr konstant mit ihrem gewohnten eindimensionalen Spiel über das ganze Feld, die Defense der Warriors liess keine Big Plays zu, musste aber trotzdem Spielzug für Spielzug die geforderten drei Yards abgeben. Die Gladiators spielten in der Startphase ungewohnt nervös, machten sich das Leben selber schwer, kassierten im ersten Drive viele Strafen und schliesslich ging der Ballbesitz im vierten Versuch an den Gegner über. Die Warriors schnupperten Morgenluft und allen Beteiligten wurde klar, dass dieses Spiel ein wenig anders verlaufen könnte, als von vielen gedacht, galten doch die Gladiators im Vorfeld als klarer Favorit.
Die Offense der Warriors konzentrierte sich nun aufs Passspiel und bewegte sich wieder schnell in Richtung der Red Zone der Basler, scheiterte dann aber wieder vor der Grundlinie. Im Gegenzug bewegten die Basler den Ball fast ausschliesslich per Run nach vorne und erliefen die erste Führung durch Touchdown und 2-Point-Conversion zum 8:0. Die Warriors blieben ihrem Spielsystem treu, konnten aber auch ein zweites Mal in der Red Zone der Basler nicht punkten und musste nur wenig später sogar einen ersten Punt vornehmen.
Die Basler Lokomotive gewann im zweiten Viertel an Tempo und erhöhte den Zwischenstand auf 14:0. Alles schien nach Wunsch zu verlaufen, denn auch der Kickoff-Return der Warriors war äusserst schwach und Strafen führten dazu, dass die Winterthurer bis an die eigene 10 Yard-Linie zurückgedrängt wurden. Aber dann startete Dario Brigo durch: ein weiter Pass von Quarterback Julien Visser konnte Brigo aus der Luft pflücken und noch weitere 40 Yards tragen. Mit viel Mühe stoppten die Basler den enteilten Brigo kurz vor der Endzone. Ein weiterer Pass in die Endzone brachte nun auch die Warriors mit 7:14 aufs Tableau. Vom Anschluss-Touchdown beflügelt drehte nun auch die Defense auf, stoppte einen vierten Versuch der Basler erfolgreich und eroberte den Ballbesitz zurück. Coach Müri wollte den Ausgleich noch vor der Pause, deshalb sagte er einen weiteren hochriskanten Pass in Richtung Basler Endzone an. Der Ball war sauber geworfen, die Basler aber passten auf und konnten den Ballbesitz mittels Interception zurückerobern. Das Risiko wurde nicht belohnt, aber die Hektik auf Basler Seite war nun deutlich zu spüren.
Die Ansprache während der Halbzeitpause des impulsiven Head Coach der Gastgeber war über das ganze Spielfeld zu hören, das Spiel verlief nicht nach seinem Gusto und auch die wenigen Zuschauer äusserten sich überrascht über das abwechslungsreiche Spiel des Winterthurer Angriffs und die saubere und effiziente Leistung der Defense. Zu zäh war das Spiel der Basler, zu wenig deutlich war der Vorsprung. Die Unzufriedenheit äusserte sich dann auch in lauter Kritik an den Schiedsrichtern, welche das Spiel zu jedem Zeitpunkt im Griff hatten und grossen Wert auf eine saubere Spielweise der beiden Teams legten. Die Warriors kassierten berechtigterweise hintereinander für denselben Verstoss drei 15 Yard-Strafen, hier muss an der Technik gefeilt werden, aber auch die Gladiators kassierten übers gesamte Spiel rund 135 Yards.
Nach der Pause war der Auftritt der Gladiators deutlich stärker, sie überliefen die Warriors Defense mehrfach und man musste befürchten, dass die Gäste nicht mehr an die Leistung der ersten Hälfte anknüpfen können. Schliesslich lief es auch der Winterthurer Offense nicht mehr gut und den Baslern gelang ein weiterer Touchdown zur 20:7-Führung. Aber noch war nichts entschieden, es wurde enorm spannend, insbesondere im letzten Viertel. Etwas über 4 Minuten vor Schluss gelang den Baslern der vermeintlich entscheidende Touchdown zum 28:7 und man begann mit der für American Football bekannten und zulässigen „Kontrolle" der Uhr. Aber vier Minuten sind eine mittlere Ewigkeit und dank der noch vorhandenen Timeouts der Warriors konnte die Uhr immer wieder angehalten werden. Und dann folgte ein weiterer Touchdown der Warriors zum 28:15 durch QB Julien Visser. Der Nachwuchs-QB, der sein erstes Playoff-Spiel äusserst ruhig und kontrolliert meisterte, zeigte zu keinem Zeitpunkt, dass er eigentlich „nur" die Nummer 2 im Team ist und erst seit dem Ausfall des Starting QBs das Zepter in der Offense übernehmen musste. Das Zeitspiel der Gladiators ging weiter, wertvolle Zeit verstrich ohne dass der Ball überhaupt einen Zentimeter vorwärts bewegt werden konnte. Fast kampflos überliessen sie den Warriors den Ballbesitz und staunten, dass nur drei Spielzüge später wieder die Warriors jubelten: 28:22. Nun hatte Coach Müri nur noch eine Chance: Onside Kick und versuchen, den Ball noch vor dem Gegner zu erobern. Leider aber misslang dieses Vorhaben knapp und die Basler konnten ihr Zeitspiel weiter fortsetzen und die Uhr auslaufen lassen.
Im Vorfeld wurden den Warriors maximal 20% Siegeschancen zugestanden, Coach Müri und seine Assistenten haben aber dafür gesorgt, dass die Winterthurer so gut auf die Gegner eingestellt wurden, dass man die Gladiators über weite Strecken des Spiels kontrollieren konnte. Zwei Schlüsselstellen waren spielentscheidend: die Interception kurz vor der Halbzeit, nicht auszudenken was passiert wäre, wenn es zur Halbzeit 14:14 geheissen hätte. Und zum anderen ein missglückter Kickoff-Return, als die Basler wegen Strafen fast von der eigenen Grundlinie kicken mussten. Die Verlierer konnten deshalb erhobenen Hauptes vom Platz gehen und es wurde deutlich, das der viel diskutierte Graben zwischen der Junioren Gruppe A und B nicht wirklich vorhanden ist. Die Gladiators haben während der laufenden Saison im Durchschnitt ein Touchdown per Viertel erlaufen, mehr erreichten sie aber auch an diesem wechselhaften Samstagnachmittag nicht. Die sehr kompakt spielende und gut eingestellte Defense der Warriors zeigte ein weiteres Mal, warum die Warriors in der regulären Saison nur ein einziges Mal als Verlierer vom Platz gehen mussten und kaum Gegenpunkte kassierten. Die Offense der Warriors spielte sehr solide, wenn auch nicht immer mit dem nötigen Glück.
Auf jeden Fall ist der Ausblick auf die kommende Saison für die Warriors sehr vielversprechend: nur wenige Spieler werden altershalber in die erste Mannschaft übertreten, während aus der U16-Kategorie einige in die U19-Mannschaft wechseln werden. Damit wird die kommende Mannschaft über noch mehr Erfahrung verfügen als das Team 2011. Vielleicht kann man also schon im kommenden Jahr auch solchen Gegnern wie den Gladiators, die nun aber erst einmal am 16.7. gegen die Zürich Renegades, um den schweizer Nachwuchstitel spielen, ein Bein stellen.
© Wittig - 11.07.2011

Dario Brigo (© Warriors/Malherbe)
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zum Ranking vom 20.05.2013
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