Angriff auf die Playoff-Verweigerer
Für all jene, die am nicht mehr zeitgemäßen, ja fast absurden System der Meisterschaftsvergabe in der höchsten Spielklasse des College Footballs festhalten und die Einführung von Playoffs weiterhin verhindern wollen, waren die letzten Wochen keine gute Zeit. Erst der Skandal um illegale Spenden an Politiker, Verschwendungssucht und Züge von Korruption beim Fiesta Bowl, dann die Ankündigung des Generalstaatsanwalts des Bundesstaates Utah, ein Verfahren gegen die Bowl Championship Series (BCS) wegen Verstoßes gegen Kartellgesetze einzuleiten, und jetzt bezieht auch mal ein angesehener Vertreter der sportlichen Führung einer Universität offen Position für die Einführung von Playoffs. Zu Wort gemeldet hat sich zu dem Thema Boise States Athletic Director Gene Bleymaier, auf einer Veranstaltung des City Club of Boise, einer Organisation, die eine Diskussionsplattform für gesellschaftlich wichtige Themen bietet. Dort warf er dem College-Sport-Verband NCAA Schläfrigkeit vor und dass man viel Geld verschenke. „Es ist wirklich erstaunlich. Football ist der Sport, mit dem die NCAA am meisten Geld einnehmen könnte, und letztlich verschenkt sie das. Wenn die Universitätspräsidenten wirklich jemals verstehen würden, was vor sich geht, würden sie es nicht glauben. Die Führung der NCAA wurde in den letzten 30 Jahren regelrecht eingelullt während diese Entwicklung lief. Stellen Sie sich das mal vor: Die Universitäten investieren so viel Geld und so viel Arbeit, und dann verschenken wir den lukrativsten Teil der Saison. Das macht keinen Sinn“, so Bleymaier unter anderem. Und auch die BCS bekam ihr Fett weg. Über die sagte Bleymaier, dass sie den lukrativsten Teil des College-Sports kostenlos unter ihre Kontrolle gebracht hätte, auf Kosten aller Football-Abteilungen der höchsten Spielklasse.
Später präzisierte Bleymaier seine Position in einer Sendung des TV-Senders ESPN und sprach sich für Playoffs aus. „Was gerade passiert, ist, dass wir viele Millionen Dollar verschenken, weil wir keine Meisterschaftsplayoffs haben. Die NCAA organisiert Meisterschaften in 88 Sportarten, aber nicht in ihrer wichtigsten Sportart. Und das ist schwer zu verstehen“, sagte Bleymaier, angesprochen auf die schon zitierten Aussagen, und legte dann mit einem Vergleich nach. „Nehmen Sie das Basketball-Turnier. Wir, also die Universitätspräsidenten und die NCAA, haben das Turnier gerade erweitert aus vor allem einem Grund: mehr Einnahmen zu erzielen. Der zweite Grund war der Zugang für mehr Teams. Aber wenn es um Football geht, dann wird nicht mal die Frage gestellt, warum wir das nicht auch im Football tun, warum wir keine Playoffs haben, mit denen wir mehr Geld einnehmen könnten als mit dem Basketball-Turnier“, so Bleymaier.
Auf eine zeitliche Prognose, in welchem zeitlichen Rahmen Playoffs eingeführt werden könnten, wollte sich Bleymaier in der ESPN-Sendung nicht festlegen lassen, aber angesichts der wachsenden Unzufriedenheit mit dem bestehenden System ohne Playoffs, sich abzeichnender juristischer Verfahren gegen die BCS und dem wirtschaftlichen Druck auf die Sport-Abteilungen der Universitäten könnte die Entwicklung schneller gehen als viele das jetzt noch erwarten.
© Hoch - 25.04.2011

So wie dieser Fan denken inzwischen viele über die Art der Meisterschaftsvergabe im College Football. (© Getty Images)
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