Triumph ohne Glanz
Auburn gewann zum zweiten Mal in seiner Team-Geschichte nach 1957 die National Championship. Im BCS National Championship Game in Glendale (Arizona) schlugen die Tigers Oregon durch ein 18-Yard-Field-Goal bei auslaufender Spielzeit mit 22:19. So weit das nüchterne Ergebnis. Es war ein Sieg ohne Glanz in einem Spiel, das trotz der Spannung die hohen Erwartungen nicht erfüllte. Statt des erwarteten Schlagabtauschs zweier der besten Offenses dieser Saison gab es über weite Strecken ein zähes Ringen ohne richtigen Spielfluss, bei dem sich die Kontrahenten belauerten wie zwei Schwergewichtsboxer. Reizlos war das nicht, aber die Masse der Fans hätte gewiss lieber den einen oder anderen langen Pass, den einen oder anderen spektakulären Lauf, vor allem aber den einen oder anderen Touchdown mehr gesehen. Auburn gewann verdient, weil es von zwei schwachen Teams das etwas bessere war. Aber: Who cares? Lieber schlecht spielen und gewinnen als schön spielen und verlieren. „Ich garantiere Ihnen, vor fünf oder sechs Monaten hätte niemand auch nur einen Dollar darauf gesetzt, dass Auburn die National Championship gewinnt, und jetzt stehen wir hier“, sagte QB Cameron Newton, der selbst auch hinter seiner Regular-Season-Leistung zurück blieb und die MVP-Würde RB Michael Dyer überlassen musste.
Der Schüssel zum Erfolg war für Auburn die Leistung der Defensive Line. DT Nick Fairley und seine Mitspieler führten die in der Regular Season so starke Offensive Line der Ducks regelrecht vor. „Das Duell unserer Offensive Line mit ihrer Defensive Line war der entscheidende Punkt in diesem Spiel. Sie haben eine großartige Defensive Line. Und Nick Fairley hat bewiesen, dass er der beste Defensive Linemen dieser Saison ist. Es war ganz schwer für uns“, sagte Oregons Head Coach Chip Kelly dazu. Vor allem bei Läufen spielten Oregons Offensive Linemen ganz schlecht, mit der Folge, dass es nie wirklich Platz für die gefürchteten Läufe von RB LaMichael James gab. Und dass man es im dritten Viertel bei einem vierten Versuch von der 1-Yard-Linie aus nicht in die Endzone schaffte, lag auch daran, dass die Offensive Linemen von Auburns Verteidigern einfach nach hinten geschoben wurden. Bei Passpielzügen lief es für Oregon etwas besser. Letztlich kam aber auch hier insgesamt zu wenig, weil QB Darron Thomas nur wenige gute Szenen hatte, insgesamt unsicher und zögerlich wirkte.
Zu den großen Verlierern gehörten bei Oregon aber auch die Coaches. Anfangs wich man vom gewohnten Spiel ab, ließ neue Spielzüge spielen, die nicht funktionierten. Nicht nachzuvollziehen ist, warum man mehrfach in Situationen, in denen längerer Raumgewinn in der Größenordnung von acht bis zehn Yards gebraucht wurde, Screen Pässe auf die kurze Seite spielen ließ, die aufgrund der räumlichen Enge und der dort postierten Spieler gar keine Chance hatten, den nötigen Raumgewinn zu bringen. Und wie es in der Defensive zweimal dazu kommen konnte, dass DE Kenny Rowe einen Wide Receiver zu decken hatte, was dann prompt nicht klappte und einen Touchdown (zum 16:11) und ein Field Goal (zum 19:11) zur Folge hatte, müsste einem Kelly auch erstmal erklären. In der Summe waren allein schon diese Fehler der Coaches spielentscheidend.
Dennoch hätte es fast noch zum Sieg gereicht, zum einen, weil die Abwehr tapfer kämpfte und den Gegner ausreichend in Schach hielt, aber auch weil auch Auburn nicht seine normale Leistung zeigte und ebenso wie Oregon zum Teil von seiner gewohnten Spielweise abwich. So lief QB Cameron Newton über weite Strecken des Spiels deutlich seltener und meist nur, wenn zwei bis drei Yards benötigt wurden. Ausgeglichen wurde das durch eine größere Rolle für RB Michael Dyer. Das war ein Spiel mit dem Feuer, und dass das nicht schief ging, lag auch an einer skurilen Szene von Dyer. Kurz nach Oregons Ausgleich wurde der bei einem Lauf an der 46-Yard-Linie von Auburn getackelt. Alle, auch Dyer, glaubten zunächst, der Spielzug sei beendet. Dyer war aber nicht vollständig zu Boden gebracht worden, und die Schiedsrichter hatten den Spielzug noch nicht abgepfiffen. An der Seitenlinie bei Auburn hatte man das erkannt und Dyer zugerufen, er solle weiterspielen. Das tat er denn und lief bis an Oregons 17-Yard-Linie. Im nächsten Spielzug stürmte Dyer in die Endzone, nach Video-Überprüfung letztlich nur bis an die 1-Yard-Linie, und bei auslaufender Spielzeit traf K Wes Byrum dann zum Sieg.
© Hoch - 12.01.2011

Nicht QB Cameron Newton sondern DT Nick Fairley war der entscheidende Mann bei Auburns Sieg im Finale. (© Getty Images)
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