EM setzt neue Maßstäbe
Drei von fünf Turniertagen der EM 2010 sind gespielt, am Donnerstag beehrt der EM-Tross die Wiesbadener Brita-Arena, ehe es für den Finalsamstag zurück in die Frankfurter Commerzbank-Arena geht. Intern ist man bei Europaverband EFAF und dem ausrichtenden deutschen Verband AFVD mit dem bisherigen Verlauf höchst zufrieden. Kleinere Probleme, wie etwa jenes, dass die Briten vergaßen, die richtigen Helme mitzubringen, ließen sich auf dem „kurzen Dienstweg“ lösen, ohne dass der reibungslose Ablauf des Turniers in Gefahr geriet.
Der Zuschauerzuspruch ist auf dem besten Wege, für Football-EMs neue Maßstäbe zu setzen. Bei der EM 2005 in Schweden etwa kamen zu den vier Spielen 4.105 Zuschauer, wobei anders als jetzt in Hessen nur zwei Spieltage angesetzt waren und jedes Mal auch der Gastgeber aktiv war. Bei der B-EM 2009 in Österreich wurden 1.500 Zuschauer pro Spiel im Schnitt gezählt, das Turnier in Hessen liegt im Schnitt pro Spiel bisher schon bei über 2.500. Man muss schon bis ins Jahr 1989 zurückgehen, um ähnliche Zahlen für EMs in Turnierform zu finden. Damals versuchte sich Axel Gernert mit dem ersten deutschen EM-“Paukenschlag“, wurde aber durch den Hamburger Landregen am Finaltag unsanft gestoppt. Ein ähnliches Missgeschick - also eine plötzliche Platzsperre - ist in der modernen Commerzbank-Arena wohl ausgeschlossen, der Fortschritt des europäischen Footballs ist eben auch in der Tatsache zu finden, dass man inzwischen in solch modernen Arenen spielen darf. Und bei allen anderen bisherigen EM-Turnieren - vielleicht mal den Finaltag 1995 in Österreich ausgenommen - waren sämtliche Zuschauer jeweils problemlos per Handschlag einzeln zu begrüßen gewesen.
Zeitgleich findet in Deutschland auch die Baseball-EM statt - mit rund 500 Zuschauern pro Spiel kann man dort von Zahlen wie bei den Footballern in Hessen nur träumen. Auf dem Weg in das Blickfeld national orientierter Sponsoren kommt der Football also etwas stetiger voran als Baseball oder andere Sportarten in Europa abseits des übermächtigen Fußballs. Angekommen ist er dort aber eben noch nicht, und es wäre naiv zu glauben, ein externer Geldgeber würde aus dem Nichts auftauchen und Werbemaßnahmen vorfinanzieren, die die Zuschauerzahlen hochtreiben. Die Frankfurt Galaxy, die gerade in Hessen immer noch in vielen Köpfen als Maß der Dinge herumspukt, ist da schließlich das falsche Beispiel: Millionen-Investitionen in Werbemaßnahmen, wie die NFL sie damals locker vornahm (und am Ende erkennen musste, dass an eine Amortisation selbst langfristig nicht zu denken war), werden EFAF, AFVD und ihre Mitglieder nicht aufbringen können oder wollen.
Immerhin: Einen „Sponsor“ gibt es, der sich der Vielfalt im Sport verschrieben hat und ganz zu Recht nicht nur auf die bereits publikumswirksamen Sportarten schaut: den Steuerzahler... Und diesen "Sponsor" haben EFAF und AFVD von der Wertigkeit der Football-EM 2010 ja auch überzeugen können: Der Bund fördert das Ereignis als ein Event besonderer Bedeutung für die deutsche Sportlandschaft, das Land Hessen, die beteiligten Städte und letztendlich auch die teilweise in kommunalem Besitz befindliche SFM als Commerzbank-Arena-Betreiber liefern Logistik, Infrastruktur für die Aktiven und die Finanzierung der gesamten EM.
Aus Sicht der beteiligten Football-Verbände war damit also schon vor Jahren, bei Abschluss der Vereinbarungen, garantiert, dass die EM 2010 ein Erfolg werden würde, die besten Footballer Europas ohne finanzielles Risiko ihrer eigenen Organisationen, für das letztendlich die Aktiven selbst mit ihren Beiträgen gerade stehen müssten, in einem der modernsten Stadien des Kontinents spielen und sich so für eine Woche mal (fast) wie Profi-Fußballer fühlen dürfen. Wenn nun - spätestens zum Finale - die heimischen Anhänger sich ähnlich engagiert zeigen wie etwa die reiselustige österreichische Kolonie, dann ist den Aktiven am Samstag noch einmal ein stimmungsvoller Höhepunkt ihrer Sportlerlaufbahn garantiert.
© Auerbach - 28.07.2010

Der Zuschauerzuspruch scheint neue Maßstäbe zu setzen. Am Finaltag hofft man die 10.000er Marke zu knacken. (© Hundt)
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