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Andreas Gebek: „Frauenfootball steht weltweit am Anfang“

Manuela Scott hat sich in Schweden in die Nationalmannschaft gespieltDie erste deutsche Frauen-Football-Nationalmannschaft ist mittlerweile wieder wohlbehalten aus Schweden heimgekehrt. Es wurde zwar der anvisierte dritte WM-Platz knapp verfehlt. Aber trotzdem wird die Reise nach Stockholm zur ersten Weltmeisterschaft von allen Beteiligten als ein großer Erfolg angesehen. Ein erstes Resümee zog der Sprecher der Frauennationalmannschaft, Andreas Gebek und wagte im Gespräch mit Jörg Schlüter auch einen Ausblick für die nächste Zukunft.

Football-aktuell.de:
Herr Gebek, Sie haben die Zeugung, Geburt und die ersten Schritte auf dem internationalen Parkett der Frauenfootball-Nationalmannschaft erlebt und mit begleitet. Hat sich bis zum heutigen Tage der Einsatz gelohnt?

A. Gebek:
Der Einsatz hat sich natürlich gelohnt. Die Mannschaft hat Deutschland und den Football sehr gut repräsentiert. Die 45 Spielerinnen wurden in Schweden zu einem Team. Die beiden verlorenen Spiele waren bis Sekunden vor dem Ende offen. Auch wenn das sportliche Ziel vorerst verfehlt wurde, so hat organisatorisch alles wunderbar funktioniert. Wir sind ohne verletzte Spielerin heimgekehrt, welches ein gutes Zeichen ist. Es war also richtig, dass wir mit einem Teamnarzt und zwei Physiotherapeuten, von denen einer als Athletic Coach fungierte nach Schweden gefahren sind. Kanada musste gegen USA ziemlich viel aushalten und auch Österreich wurde gegen Schweden reichlich dezimiert. Dank unserer Crew konnten wir sogar einen kurzen Stromausfall mit einem mitgebrachten Notstromaggregat ausgleichen.

Football-aktuell.de:
Wie verlief die Organisation vor Ort? Haben sich alle Beteiligten wohl gefühlt?

A. Gebek:
Die Unterkunft vor Ort lag idyllisch am Wasser und war ein Vier-Sterne-Hotel. Es hat uns, abgesehen von ganz wenigen Dingen an nichts gefehlt. Die schwedischen Organisatoren in Verbindung mit der IFAF haben haben einen guten Job gemacht. IFAF Präsident Tommy Wiking hat sogar den Internet-Ticketverkauf direkt im Hotel durchgeführt und war sich nicht zu „fein“, an vorderster Front mitzuhelfen.

Football-aktuell.de:
Der sportliche Erfolg ist scheinbar nach dem vierten Platz noch ausbaufähig. Eigentlich war ja der dritte Platz das erhoffte Zwischenziel. Wo lagen die entscheidenden Unterschiede zwischen den Finnen und den Deutschen? Und was sollte beim nächsten Mal besser gemacht werden?

A. Gebek: Unsere Trainer haben sich noch nicht zusammengesetzt, aber ich meine festgestellt zu haben, dass uns viele Teams athletisch überlegen waren. Wir waren zwar größer und end evt auch kräftiger, aber die anderen Nationen waren uns an Geschwindigkeit überlegen. Eine Merit Bruun konnte uns zum Beispiel zweimal alleine durch ihren Speed schlagen. Ich bin fest davon überzeugt, dass im deutschen Frauenfootball die athletische Ausbildung verbessert werden muss, wenn wir Finnland überholen wollen. Wenn wir weiter kommen wollen, müssen wir in den Vereinen daran arbeiten. An Konzepten mangelt es sicherlich nicht. Ich empfand übrigens alle Nationen abgesehen von den USA auf einem sehr einheitlichen Niveau. Selbst Österreich als Sechster befindet sich in Reichweite.

Football-aktuell.de: Können wir davon ausgehen, dass die Frauennationalmannschaft auch noch nach der WM 2010 weiter bestehen bleibt?

A. Gebek:
Darüber gibt es kein Zweifel. Der AFVD ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des „Projektes“. Auch Robert Huber hat sich anerkennend geäußert und war am Finalspieltag auch in Stockholm dabei. Nach der WM wird es wohl hier und dort einen Generationenwechsel geben. Eine Gabi Duvinage hat ihren Rücktritt erklärt, nachdem sie in das WM-All-Stars-Team gewählt wurde und damit das Maximale in ihrer Sportlerkarriere erreicht hat. Dafür hat sich eine Manuela Scott in den Vordergrund gespielt, obwohl sie aus der DBL2 kommt. Das gleiche gilt für Sonja Meurer. Die Frauennationalmannschaft ist auf keinen Fall eine Eintagsfliege. Wir werden allerdings mit neuen Planungen erst nach der Sommerpause beginnen.

Football-aktuell.de:
Wurden in Schweden von der IFAF schon Pläne für die nächste WM bekannt gegeben?

A. Gebek: Zukünftig soll eine Frauenfootball WM alle vier Jahre veranstaltet werden und ein Bewerber soll sechs Jahre Zeit erhalten, sich auf das Turnier vorzubereiten. Allerdings muss zuerst mit den Junioren- und Herren Weltmeisterschaften ein Rhythmus gefunden werden. Daher soll die nächste WM bereits 2013 stattfinden und es soll auch eine Bewerbung vorliegen. Die Gerüchte sprechen von einer WM in Nordamerika. Eine Frauenfootball EM wird es aber in absehbarer Zukunft noch nicht geben.

Football-aktuell.de: Die USA haben sich wie erwartet kräftig vom Teilnehmerfeld abgehoben. Selbst Kanada wurde am 3. Juli mit 0:66 von den Vereinigten Staaten überrollt. Macht ein solches Turnier eigentlich Sinn, wenn das Siegerteam dem Zweitplatzierten mit dem Faktor 10 überlegen ist und der Zweitplatzierte ebenfalls dem restlichen Feld mit dem gleichen Faktor die "Leviten" liest? Sollte hier nicht ein neuer Modus geschaffen werden?

A. Gebek: Es sollte auf keinen Fall so geregelt werden, dass es zuerst ein Turnier geben sollte und der Turniergewinner später in einer Endrunde gegen die USA spielt. Als es 1992 zum ersten Mal bei Olympia das US Dream Team im Basketball gab, hat die USA jedes Spiel haushoch gewonnen. Bei der nächsten Olympiade wurden die Abstände kürzer und 2004 war es nur noch Bronze. Die anderen Nationen hatten aufgeholt. Ich habe mich am Rande der WM mit einigen Experten unterhalten. Das Niveau der Weltmeisterschaft war generell schon sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass das Frauenteam der USA in Deutschland ein Herrenteam der vierten Liga schlagen könnte. Athletinnen wie Running Back Jessica Springer (95kg, 5,1s auf 40 yards) haben einen großen Eindruck hinterlassen. Im Finale hat die USA in der zweiten Halbzeit zu 90% nur noch einen Spielzug ausgeführt. Dieser wurde aber so gut ausgeführt, dass es weiterhin gereicht hat, dass Spiel zu dominieren. Die anderen Nationen müssen jetzt hart arbeiten, wenn sie die USA irgendwann einholen wollen.

Football-aktuell.de: Vielen Dank für Ihre Zeit und die klaren Ausführungen.

Schlüter - 12.07.2010

Manuela Scott hat sich in Schweden in die Nationalmannschaft gespielt

Manuela Scott hat sich in Schweden in die Nationalmannschaft gespielt (© Zelter Media Service)

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