Zahlen belegen Ungerechtigkeit
Die Bowl Championship Series (BCS), die angesichts des Fehlens von Playoffs und eines von der NCAA organisierten offiziellen Meisterschaftsfinales ein solches durchführt, gerät weiter unter Druck. Die Mountain West Conference und die Western Athletic Conference (WAC), die an der BCS nicht beteiligt sind und deren Champions deshalb nur geringe Chancen haben, in einem der vier lukrativen BCS Bowls zu spielen oder gar das National Championship Game zu erreichen, fordern seit längerem, dass ihre Champions angesichts der Erfolge der letzten Jahre auch automatisch für Plätze in den BCS Bowls qualifiziert sein sollten. Um das zu untermauern, legte eine Anwaltskanzlei, die die Interessen der Mountain West Conference vertritt, vergleichende Zahlen vor, die zeigen, dass die Champions von Mountain West und WAC in den BCS Bowls, wenn sie dort spielten, in den letzten vier Jahren zwar bessere wirtschaftliche Ergebnisse erzielten als die Champions der Atlantic Coast Conference (ACC) und der Big East Conference, deren Champions neben denen von SEC, Big Ten, Big Twelve und Pac Ten automatisch für die BCS qualifiziert sind, aber von den von der BCS gezahlten Startgeldern deutlich weniger abbekamen.
Die vorgelegte Statistik, die mit Hilfe von Zahlen erstellt wurde, die die BCS selbst sowie die NCAA veröffentlicht haben, zeigt, dass die BCS Bowls mit Beteiligung von Teams aus Mountain West (Utah 2008, TCU 2009) und WAC (Boise State 2006 und 2009, Hawaii 2007), höhere TV-Einschaltquoten erreichten und mehr Zuschauer in die Stadien lockten, die Champions von ACC und Big East aber jeweils fast doppelt sowiel Geld bekamen wie die Champions von Mountain West und WAC zusammen. In Medienberichten wurden die Zahlen polemisch so kommentiert, dass die BCS gegen ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen handele, wenn sie die zugkräftigeren Teams aus Mountain West und WAC ausschließt zugunsten weniger zugkräftiger Champions anderer Conferences. Die Entscheidungsträger der BCS seien also im günstigsten Fall schlechte Geschäftsleute, im ungünstigsten Fall würden sie sich einer Täuschung der Öffentlichkeit schuldig machen.
Weniger sarkastisch aber auch nicht ohne Seitenhiebe kommentierte Robert Kustra, der Präsident von Boise State, dessen Football-Team im untersuchten Zeitraum zweimal (2006 und 2009) ungeschlagen geblieben war aber dennoch keine Chance hatte, das National Championship Game zu erreichen, die Zahlen. „Die Universitätspräsidenten und alle anderen, denen am Herzen liegt, wofür eine universitäre Ausbildung steht, sollten sich das ganz genau ansehen. Die Botschaft, die in dieser Statistik steckt, ist, dass es in Ordnung ist, ein System wie die BCS zu schaffen, in dem die Einnahmen zugunsten einiger und auf Kosten anderer verteilt werden, unabhängig davon, wer mehr leistet. Das ist wohl das letzte, was wir unseren Studenten beibringen sollten“, eröffnete er sein Statement zur vorgelegten so genannten „Revenue Discrimination Chart“. Im weiteren Verlauf monierte er einmal mehr, was Kritiker der BCS seit langem vorwerfen: „Die Benachteiligung bei der Verteilung der Einnahmen ist umso größer, wenn Teams, die es eigentlich verdient hätten, von den großen Bowls ausgeschlossen werden. Die BCS ist so gestaltet, dass es für Teams jenseits der automatisch qualifizierten Conferences und Notre Dame so gut wie unmöglich ist, jemals die National Championship zu gewinnen. Zudem sind den automatisch qualifizierten Conferences 60 Prozent der Plätze in den Top-Bowls garantiert, und abgesehen von einer höchst unwahrscheinlichen Konstellation wie der, die wir im letzten Jahr zum ersten Mal hatten, gehen praktisch 90 Prozent der Plätze in diesen Bowls jedes Jahr an diese Conferences und Notre Dame.“
Kustra verwies dann noch auf den College Basketball. Dort gibt es Playoffs, und in der vor ein paar Wochen zu Ende gegangenen Saison 2009/2010 hatte sich mit dem Team der Butler University in Indianapolis ein krasser Außenseiter bis ins Finale vorgekämpft und dort nur knapp gegen die College-Basketball-Großmacht Duke verloren. Kustra schloss sein Statement mit der Hoffnung, dass Boise State mithelfen könne, auch im College Football ein System einzuführen, zu dem alle Teams die gleichen Zugangschancen hätten.
© Hoch - 28.05.2010

Ein Fan macht während des letzten Fiesta Bowls (Boise State gegen TCU) seinem Unmut über die BCS Luft. (© Getty Images)
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