Krisenstimmung in Tallahassee
Die 21:28-Niederlage von Florida State bei Boston College könnte einmal als der Anfang vom Ende der Karriere von Florida States Head Coach Bobby Bowden in die College-Football-Geschichte eingehen. Am Tag nach der Niederlage, der dritten im fünften Spiel und zweiten in Folge, forderte der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Florida State University, Jim Smith, über einen Artikel in der größten Tageszeitung am Ort öffentlich, dass Bowden nach dieser Saison gehen und die Führung des Teams an seinen designierten Nachfolger Jimbo Fisher abgeben sollte. „Meine Hoffnung ist offen gesagt, dass wir nach vorne schauen werden, und wenn wir es müssen, dann auch alle Welt wissen lassen, dass diese Saison das Ende der Bowden-Ära ist“, sagt Smith und trifft damit in Tallahassee nach dem schlechtesten Saisonstart seit Bowdens erster Saison bei den Seminoles (1976) wohl auf breite Zustimmung. In Kommentaren in zwei großen Tageszeitung war ebenfalls gefordert worden, dass Bowden seine Karriere am Ende dieser Spielzeit beenden sollte. Er wisse zu schätzen, was Bowden für Florida State geleistet habe, aber die Seminoles-Gemeinde sei mehr als geduldig gewesen, so Smith. „Wir befinden uns im Niedergang und das nicht erst seit ein, zwei oder drei Jahren sondern schon seit sieben oder acht Jahren. Ich denke, genug ist genug.“
Gegen letzteres lässt sich schwer anargumentieren. Nachdem die Seminoles zwischen 1987 und 2000 immer einen Platz unter den ersten Fünf der Abschluss-Top-25 belegt, zwei National Championships (1993 und 1999) gewonnen zwei weitere Male im National Championship Game gestanden hatten (1998 und 2000), war es mit ihnen ab 2001 stetig bergab gegangen. Der Tiefpunkt waren die Spielzeiten 2006 und 2007, in denen es gerade noch zu 7-6-Bilanzen reichte und man zum ersten Mal seit 20 Jahren nicht in den Abschluss-Top-25 platziert war. Die Seminoles stecken aber in einem Dilemma: Eine lebende Legende wie Bowden, nach Siegen der zweiterfolgreichste Head Coach der College-Football-Geschichte und der Mann, der Florida State überhaupt erst zu einem ernstzunehmenden Team im College Football gemacht hat, den kann und will man nicht einfach entlassen. Beholfen hat man sich damit, dass man Offensive Coordinator Jimbo Fisher 2006 zum Head Coach im Wartestand machte, ihm zusagte, dass er einmal der Nachfolger von Bowden wird, wenn der sich in den Ruhestand zurückzieht, und ihm seitdem ein Gehalt zahlt, das auf dem Niveau von Head Coaches liegt.
Die Entscheidung darüber, wann der Wechsel an der Spitze vollzogen wird, die trifft allerdings Bowden und der gibt sich kämpferisch und will vorerst noch nicht aufhören. „Ich werde meine Situation bestimmen. Ich werde mir nicht von Spekulationen sagen lassen, wann es Zeit ist, aufzuhören“, sagte er. „Man kann nicht einfach aufgeben. Ich jedenfalls weigere mich“. Worte wie diese wird Universitätspräsident T.K. Wetherell nicht gerne hören. Der dürfte bei der damaligen Übereinkunft mit Fisher ohnehin nicht erwartet haben, dass sich der Wechsel von Bowden zu Fisher noch Jahre hinzieht. Und sollte die Saison ähnlich schlimm enden wie die der Jahre 2006 und 2007, dann wird der Druck auf ihn, Bowden das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen, immer größer werden.
© Hoch - 06.10.2009

Nach dem verpatzten Saisonstart wird offen gefordert, dass Florida States Head Coach Bobby Bowden zum Saisonende aufhört. (© Getty Images)
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