Ende der Geheimhaltung
Der Kampf von Florida State gegen die Aberkennung von 14 Siegen aus den Spielzeiten 2006 und 2007 durch die NCAA als Bestrafung für Betrügereien von 61 Sportlern bei einen Online-Test in Musikgeschichte ist in den letzten Monaten zu einem juristischen Kleinkrieg geworden und nimmt zum Teil groteske Züge an. Ein Aspekt davon ist der öffentliche Umgang mit Information zu der ganzen Angelegenheit. Medienorganisationen versuchen seit Monaten Zugang zu den Dokumenten mit der Entscheidung der NCAA, dem Einspruch von Seiten der Universität und der Ablehnung des Einspruchs durch die NCAA zu bekommen. Sowohl die NCAA als auch Florida State verweigerten sich dem, unter anderem mit dem Hinweis auf den Schutz der Privatssphäre der betroffenen College-Sportler. Mehrere Medienorganisationen hatten daraufhin auf Herausgabe der Dokumente geklagt, mit dem Verweis auf Gesetze des Bundessstaates Florida, denen zufolge öffentliche Institutionen dazu verpflichtet sind, all ihre Handlungen auf Wunsch öffentlich machen zu müssen. Ein Gericht in Tallahassee entschied jetzt, dass die NCAA die Dokumente herausgeben muss und ließ dabei auch das Argument des Schutzes der Privatsspähre der Athleten nicht gelten. „Wenn man es Universitäten erlauben würde, Dokumente geheimzuhalten, in denen die Namen von Studenten erwähnt werden, dann würde man ihnen erlauben, im Geheimen und im Widerspruch zu Gesetzen des Bundesstaates Florida zu handeln“, hieß es dazu von Seiten des Gerichts unter anderem. Die NCAA wird gegen die Entscheidung des Gerichts allerdings in der nächsten Instanz vorgehen, sodass noch offen ist, ob beziehungsweise wann die Dokumente tatsächlich veröffentlicht werden.
Den Football-Fans muss die ganze Geschichte inzwischen immer merkwürdiger vorkommen. Warum mauert die NCAA so vehement gegen die Veröffentlichung der Dokumente? Aus Prinzip? Oder was soll hier verborgen bleiben? An der Entscheidung der NCAA, Florida State die Siege abzuerkennen, würde das Veröffentlichen der Dokumente natürlich erst einmal sowieso nichts ändern. Zum Politikum ist die Sache vor allem deshalb geworden, weil sich Florida State Head Coach Bobby Bowen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Penn States Joe Paterno darum liefert, wer einst als der Head Coach mit den meisten Siegen in die Geschichte eingehen wird. Für Bowden stehen 382 Siege zu Buche, für Paterno 383. Die Aberkennung der 14 Siege würde bedeuten, dass Bowden keine realistische Chance mehr hätte, dieses Duell gegen Paterno zu gewinnen. Paterno selbst hat im Übrigen mehrfach öffentlich gesagt, dass er sich wünsche, dass die NCAA die Aberkennung der Siege rückgägig macht.
© Hoch - 29.08.2009

Florida States Kampf um 14 aberkannte Siege, die Head Coach Bobby Bowdens Bilanz beschädigen würden, beschäftigt inzwischen die Gerichte. (© Getty Images)
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